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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-12-04 · Heft 50 (4.12.1848) · p. Seite 723

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 50 (4.12.1848)
Date
1848-12-04
Page
Seite 723 (sequence 15)
Language
German
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wurden geladen; doch sandte der älteste Ritter Unpäßlichkeit halber fernen jungen Gefährten als Stellvertreter,, und Alles schien damit zufrieden. Auch die. schone Hulda, der die Königin eine besondere Zuneigung zugewendet, war unter den Gästen, und obfchon mancher edeln Spanierin der Busen voll Zornes kochte, die Jüdin neben ihren Töchtern, und. vielleicht diese neben jener verdunkelt zu sehen: so war doch damals die Zeit der strengen Religionsscheidung in Spanien noch nicht gekommen, und der einflußreiche Rath des Königs, dessen Truhe manchem Großen Verlegenheiten, ersparte, durfte nicht beleidigt werden. Juda Hallevi täuschte ffch nicht, er sah ungern seine Tochter an einem Platze, der ihr nicht gebührte, und der ihr gefährlich werden konnte: aber gegen den Willen der Herrin, die Hulda immer wieder bei freiwilligem Zurückhalten hervorzog, konnte er sich nicht setzen. Arthur von Beaumonl trat in den Saal; seine edle, freie Gestalt im passendsten, feinsten Anzuge, sein Gesicht von Jugendglück, sein Auge von Jugendfeuer strahlend. Er wandelte durch die Reihen, bald mit diesem, bald mit jenem flüchtige Worte wechselnd. Nach einiger Zeit wandte er sich einer Rotunde am Ende des Saales zu, wo geschmackvoll geordnete Gewächse den Saal mit dem Burggarten zu verbinden schienen. Mitten in einem, mit aufgebrochenen Rosen übersatten Gebüsche stand die Tochter Juda's, ljehlich kosend mit einer Freundin. Arthur erblickte sie, und sein Blick konnte sich nicht wieder von ihr abwenden. Diese herrliche Gestalt, dieses feingefocmte Antlitz, diese dunkelen, glühenden Augen, dieses schöne Haupt voll schwarzer, glänzender Locken auf dem weißen, stolzen Nacken, hieser lächelnde Mund — wer konnte sich abwenden von diesem bezaubernden Anblick, der ein Herz für Jugend, Reiz und Adel hatte? Arthur hatte sie schon einmal flüchtig gefthen, nach ihrem Namen gefragt, und ihren Stand erfahren. Jetzt, wo er sie in hinreißender Schöne, von Rosen umblüht, vom Lichte der Kerzen bestrahlt, erblickte, da hatte er Alles vergessen, und seine Hand legte sich unwillkürlich an sein Herz. Hutda wandte sich um, und sah den jungen Ritter stehen. Sie lächelte und machte eine feine Verbeugung. Da faßte sich Arthur, trat näher, und redete ( sie an. Mr w.iM Mt, was. er sprach; -vielleicht yußte er es selbst nicht; er fühlte sich unter einem Zauber, der ihn beherrschte, und . dem er willig sich hingab. Hulda schien die Freundlichkett selbst; sie sah wohlgefällig auf den schönen Jüngling, aber mit feiner Grazie beachtete sie den Abstand zwischen ihr und ihm. Doch konnte sie wiederholter Bitte nicht abstehen, und sagte ihm einige Tänze zu. Arthur fühlte sich sehr beglückt dadurch. Er kehrte immer wieder in ihre Nähe zurück; wenn sie mit einem Andern tanzte, stand er hinter einer Säule und blickte auf sie, wie sie die Reihen auf- und abschwebte. Dann entfloh seiner Brust wol ein leiser Seufzer. Hatte sie den Tanz beendet, so fand er sich bald wieder ein, einige Worte mit ihr zu wechseln. Doch da Alles ein Ende, so ging auch das Fest zum Schlüsse. Als sie sich entfernen wollte, frug er sie, ob er nach ihrem Befinden sich erkundigen dürfe? Sie antwortete: „Das Haus meines Vaters steht für Jeden offen, der kein Feind feines Königs ist." . - Hulda war, als sie in ihrer Sänfte nach Hause kehrte, in einer eigenen Gemüthsstimmung. Welchem Mädchen- Herzen, noch dazu an einem Hofe, hatte die Bemühung eines edeln Jünglings um sie nicht Wohlgefallen erweckt? Auch sie empfand es, und mußte sich sagen, daß sie noch keine ansprechendere Erscheinung gewahrt hätte. Aber es war ihr immer, wenn sie am Hofe gewesen, wie an einem solchen Tage, wo einem warmenwohlthuenden Sonnenschein sich ein schneidender Windzug gesellt, und immer, wenn die Sonnenstrahlen dft Glieder erwärmt haben, desto empfindlicher die-kalte Lust sie trifft. Und so auch diesmal, Der schöne Ritter, der sich fy innig, so voll lautern, aber heißen Gefühls ihr zuneigte, sie fühlte ihn doch so'fern von sich, und als ob eine geheimnißvolle, schwere Hand sich dazwischenlege und sie auseinanderhielt. Sie war sich dessen nicht so ganz bewußt, aber ihre Brust fühlte sich doch uustatt bewegt, bis ihre Seele länger bei dem Gegenstände ihres Wohlgefallens weilte. Sie kam im Hause an. Ihren Bader konnte sie nicht mehr sprechen. Ihre Zofe öffnete ihr ihr Gemach. Sie trat ein, und beim Scheine der Kerzen gewahrte sie auf dem Tische ein offenes Schreiben. Sie ergriff es voll Neugierde. Es war mit hebräischen Charakteren beschrieben, aber Worte in der Landessprache warm es.. Sie las, sie lauteten: „Fliehe zu deinem Gebirge, wie ^in Vogel — - Denn der Bogen ist gespannt. Und gerichtet der Pfeil auf der Sehne...." Das traf sie wie; ein Blitz. Wkr hat dies: gebracht? Die Zofe wußte es nicht. Sie kannte jedenfalls den Urheber. Sie versank in Nachsinnen. ' - (F o rts etzung so lg t.)

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