Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 50 (4.12.1848)
- Date
- 1848-12-04
- Page
- Seite 720 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Es bleibt nur noch eine dritte Ansicht übrig, welche belangreicherzu sein'scheint, da dieselbe auf Naturerscheinungen sich gründet, die selbst auf rohe und unwissende Menschen ihren Einfluß nicht verfehlen konnten. Ich meine den Lauf des Mondes, und die Abwechselung desselben nach sieben Tagen. Die Phasen des Mondes mußten dem Volke, obgleich sie noch wenig von Astronomie wußten, lebendig in das Auge fallen. Sie mußten bald bemerken, daß von sieben zu sieben Tagen der Anblick dieses, für die Morgenländer weit mehr noch als für uns nützlichen Mondes, sich veränderte; daß er Anfangs ganz verborgen, dann nach sieben Tagen halb und dann nach abermals sieben Tagen ganz sichtbarwird. Diese regelmäßige Abwechselung mußte ohne Zweifel auf die Einbildungskraft eines ungebildeten Volkes einen tiefen Eindruck machen. Munk hingegen meint (Palast. S. 181): Le fond de l’influence mysterieuse du nombre sept est probablement dans Ies sept planstes ä l’infiuence desquelles etait subordonne tout le monde subltmaire. Da jedoch der vermeintliche Einfluß der sieben Planeten auf die fublunarische Welt nicht so allgemein wahrgenommen werden konnte, so stimmen wir eher Herrn Mulder in Rotterdam bei, der am Schlüsse seiner Arbeit sagt: Lene vaste afwisseling om de zeven dagen, moest hun als een bovennatuurlijk iets voorkomen; en bet kon niet anders, of hot getal dagen, dal de maan scheen te beheerscben, moesl den voor sinnelijke indrukselen zoo vatbaren zuwen mensch, eerwaardig en heilig toesehijnen; de meer daar deoude volken bij de verdeeling des lijds, minder de schijnbare omwenleling der zon, wier faeschouwing reeds meerdere kundigheden veronderslelt, dan wel de meer gemakelijke, een zieh als van zeit aanbiedende omwenteling der maan, tot maastaf namon. Belletristisches. Hispania und Jerusalem. Novelle aus dem zwölften Jahrhundert. (Fortsetzung aus No. 47.) 2. " Tief erschütterte den Vater die Kunde von der Lebensgefahr seines einzigen Kindes; aber' unmuthkg ward er, als ihm Hulda *) über ihren Retter nichts anders, denn von seiner Gestalt und seinem Ansehen berichten konnte. Er ließ Alle, die er kannte, vor seiner Erinnerung vorübergehen, aber vergebens, die Beschreibung paßte auf Keinen. Freilich theilte ihm das Mädchen Nichts vom Inhalte ihrer Unterredung mit' — verstand sie ihn doch kaum selbst. Der fromme und reiche JudaHallevi spendete für die Rettung seiner Tochter große Gaben an die Armen. Dann brachte ihm der Drang seiner Geschäfte und Arbeiten das Ereigniß bald aus dem Gedächtniß. Länger lebte es im Herzen seiner schönen Tochter. In den Träumendes jungen Mädchens — ob nur wenn sie schlummerte? — erschien oft der herrliche Mann, der sie dem feindlichen Elemente entrissen, und sanft an's Ufer getragen; ihre Einbildungskraft entkleidete ihn der Armuth, und legte ihm glanzende Rüstung und Schwert an; auch war sie eine Zeit lang seines Wahlspruchs wohl eingedenk, und begann sogar, ihn in eine seidene Schärpe einzusticken.... Aber ein junges Herz, das vom raschen Treiben des Lebens umwogt ist, kann unmöglich auf die Länge sich mit dem Bilde ihrer Phantasie allein begnügen; nach wenigen Wochen verschwamm es, andere Gestalten traten an seine Stelle; die Schärpe blieb unvollendet im Winkel einer Lade liegen. Wer wollte sie verurtheilen? ... Zu derselben Zeit fand am Hofe des KönigsAlphons VIII. von Kastilien, der jetzt zu Kordova residirte, eine große Bewegung statt. Es war eine Gesandtschaft des Tempelritterocdens angelangt, welche eine öffentliche Audienz vom Könige forderte. Sie wies alle Vermittelung ab, sondern wollte öffentlich, vor den Großen und Rächen des Reiches, vor dem gesammten Hofstaate ihrevermeintlichen Rechtsforderungen vortragen. Es war dies dem Könige ganz recht, denn er hatte beschloffen, die stolzen Ritter ebenso öffentlich zu demüthigen. Er berief daher auf den zwanzigsten März was nur Bedeutendes und Stattliches in seiner Umgebung war; auch sein Rath Juda Hallevi war berufen, und seine Tochter sollte unter den Hofdamen der Königin in vollem Glanze erscheinen. Versetzen wir uns in einen großen, mächtigen Saal der königlichen Burg, in dem es nicht, fehlte an goldenen uud silbernen Zierrathen, an hellen Farben und buntem Schnitzwerk. Aber er warckeine Schöpfung des zierlichen maurischen Geschmackes. Plumpe Säulen versperr- *) Beiläufig bemerken wir, daß „Hulda" ein echt hebräischer Name (2 Kön. 22, 14.).. .V; ,i: