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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-12-04 · Heft 50 (4.12.1848) · p. Seite 718

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 50 (4.12.1848)
Date
1848-12-04
Page
Seite 718 (sequence 10)
Language
German
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m wol bei ihren Untersuchungen über den Ma-krokosmus (Himmel und Erde), wie über den Mikrokosmus (Menschen). Hievon nur einige Beispiele, die wir von Mulder entlehnen, da wir diese Schute nicht so genau kennen. Die Platoniker hielten nicht wie wir fünf, sondern sieben Sinneswerkzeuge als dem Menschen angehörig, indem sie das Sprach- und Aahlvermögen als zwei Sinneswerkzeuge annahmen. Nach ihnen bewege sich der menschliche Körper auf sieben Weisen, und habe innen und außen sieben vorzügliche Glieder, im Kopfe sieben Oeffnungen u. s. w. Das ebenso unrichtig als gezwungen ist. Ja das ganze Leben ward von ihnen in Heptomaden vertheilt und alle diese Vertheilungen wurden, so ungereimt auch einige waren, durch spätere Theosophen getreu angenommen und als unzubezweifelnde Wahrheiten von Geschlecht zu Geschlecht fortgepflanzt. Diese willkürlichen Spekulationen wurden auch in der Arzneikunde angewendet. So behaupteteHippokrates, daß das siebente männliche Kind, aber nicht das achte am Leben bleiben kann; der siebente Tag der Krankheit soll gefährlicher sein als der fünfte oder der neunte; das siebente, 14te, Lite, 28te, 35te, 43te, und besonders das 49te (das Quadrat von 7) und das .63te (das Produkt von 7X9) soll das gefährlichste Lebensalter sein. Das siebenblumige Kraut (oleum septem Üorum) wurde Jahrhunderts lang gegen verschiedene innere und äußere Krankheiten gebraucht. Aber nicht nur auf der Erde, sondern auch am Himmel suchte man diese mystische Zahl in Anwendung zu bringen. Es war den Alten nicht genug, der Planeten Zahl auf sieben zu setzen, und um das zu können mit Unrecht die Sonne hinzuzuzählen, auch auf die Bildung der Sternbilder (wie beim großen und kleinen Bär) hatte die Siebenzahl Einfluß. Wol konnten die Alten nicht wissen, daß die Plejgden aus viel mehr als sieben Sternen bestehen, aber das Gegentheil hatte statt. Sie zählten nur sechs Sterne und doch nannten sie die Plejaden das Siebengestirn, um für die siebente Tochter des Atlas eine geeignete Stelle zu erhalten. Und um die Abwesenheit der siebenten zu beschönigen, fügte man bei, daß die eine Schwester aus Scham sich mit einem Sterblichen verheirathet zu haben, sich im Himmel verberge. Zur Ehre des siebenten Planeten zählte man auch sieben Metalle und brachte dann das Quecksilber nicht zu den halben, sondern zu den ganzen Metallen. Es bleibt nun noch übrig. Einiges von den Träumereien anzugebenwozu diese Zahl in noch einigen anderen Fächern Veranlassung gegeben» Die meiste» alten Schriftsteller sagen vom Nil, daß er sieben-Arme und sieben Mündungen gehabt hatte und doch, hatte derselbe nach Herodot zwölf und die kleinen mitgerechneö, dreizehn Kanäle*), dasselbe.gilt vön den Mündungen der Donan, deren man früher sieben annahm, obgleich nur fünf bekannt sind. Ebenso unrichtig ist es, daß Rom auf sieben Hügln gebaut sein solle, genau genommen waren es zehn. Dasselbe Verhältnis ist es mit den zu Ehren Homer's angenommenen sieben Städten, den sieben griechischen Weisen, den sieben Weltwundern, und den .sieben alexandrinischen Dichtern. Auch weiß ich nicht, ob hierzu noch die sieben Könige Rom's gerechnet werden können, da es wol möglich, aber doch höchst unwahr-" fcheinlich ist, daß dieser Staat in 250 Jahren nicht mehr als sieben König gehabt haben soll, und sollte es nicht so mit den sieben freien und den sieben mechanischen Künsten gewesen feird Jene bestanden aus der Grammatik, Rhetorik und Logik (die Dreizahl) und der Arithmetik, Musik, Geometrie und Astronomie (dle Dierzahl), und diese aus dem Wollspinnen, Waffenschmieden, Schifffahrt, Ackerbau, der Jagd, der Arzneikunst und dem Schauspiel. Welche bunte Zusammenstellung und wie viele Willkür! Auch ist's bekannt, daß die Zahl sieben in der Tonkunst von Pythagoras ebenso, wie die Auffassung der alten Theorie von dem Lauf der sieben Planeten auf die Musik angewandt worden war. Doch genug von dem Einfluß, dm die Zahl sieben auf Kunst und Wissenschaft ausübte. Suchen wir nun de» Ursachen nachzugehen und zu erforschen, welche seltsamen Borurtheile zur Verehrung der Zahl Veranlassung gegeben. Daß wir dieselbe in. dem grauesten Alterthume aufsuchen müssen, in den Tagen, wo di« Astronomen noch Astrologen waren, ist wol unnöthig zu bemerken. Die spateren Geschlechter folgten den vorhergegangenen in der angenommenen Verehrung, und ein Vorurtheil, einmal beim Volke eingewurzelt, läßt sich, zur Schande des menschlichen Geistes, nicht sogleich austilgen; es klebt auch Besserdenkenden und dm Helden der Kunst und Wissenschaft an, und sie, die sich sonst ' über tausend Jrrthümer erheben können, sind denn doch in dev einen oder andern Sache Sklaven.des Herkommens. Die Ansicht der -Gelehrtenwelche dm Ursprung der Heiligkeit der Siebenzahl zum Gegenstand ihrer Forschung *) Siehe Califch Leknopte Handleiding tot de kennis der voornamste rivian. Mulder.

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