Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 50 (4.12.1848)
- Date
- 1848-12-04
- Page
- Seite 717 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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717 erklärlich bleibt. Wie gesagt, nicht nach unten ^sondern nach oben geht ihr Drängen. - Daß die hiesigen Gemeindeverhaltniffe urifefc solchen Zeitumständen gänzlich ruhen, wird nicht verwundern. Es haben sehr viele begüterte Familien Berlin verlassen; allein, wenn die Zustände sich erst wieder beruhigt haben werden, kehren sie zurück. Ob im Laufe dieses Winters, ist die Frage. Daß darunter - die Armen ungeheuer leiden, und daß die Aussichten in erwerblicher Hinsicht die traurigsten sind, kann man sich denken. . Berlin, 24. November. Heute starb hier im Alter von 78 Jahren der Bankier Joseph Mendelssohn. Der Verstorbene war der älteste Sohn des 1786 verstorbenen Philosophen Moses Mendelssohn. Die hiesige Kaufmannschaft erwählte ihn oftmals zum Vorsteher ihres Aeltestenkollegiums. Wie durch Geistesgaben, war der Verstorbene aber auch durch Gaben des Gemüthes und die Freundlichkeit seiner Sitten ausgezeichnet. — Von Moses Mendelssohns Nachkommen ist nun Niemand mehr jüdischer Religion. Aus Norddeutschland, im November. (Privatmitth.) Eigenthümlich genug wird in der nächsten Zeit die Stellung gerade der Rabbinen am Prekärsten werden, welche in Ländern fungiren, in denen die Regierung eine gewisse Organisation zu Stande gebracht. Wird nämlich der Grundsatz, von der Trennung der Kirche vom Staate, der Grundsatz völliger Religionsfreiheit verwirklicht, kann demnach die Regierung nicht mehr die Einzelnen zwingen, bestimmte Gemeindeabgaben zu leisten: so muß sie entweder solche Rabbinen selbst falariren, oder es den Gemeinden und Privaten überlassen, sich mit ihnen abzusinden. In Preußen, wo es den Gemeinden gänzlich , anheim gestellt war, ob und wen sie anstellen wollten, kann diese Umwandelung weniger Einfluß üben, da es ja schon ganz im Belieben der Gemeinden stand, und diese Rabbinen mehr Männer der Gemeinden, waren. Aber in anderen Ländern, wo es eine geschaffene Kollektivstellung war, da wird es schon sehr schwierig seindie einzelnen Gemeinden zu vereinigen, um so mehr die Privaten. -Da werden denn um so leichter die Parteien ihre Rolle spielen, eswird viel Zank und Streit setzen, und bei diesem Wirrwarr werden nicht allein Einzelne, sondern noch mehr die Religion selbst leiden. Sollte nicht durch die pxojektirte S y n o d e ein höheres Feuer angezündet, ein besserer Aufschwung gewonnen werden: so. ist es voraussichtlich, daß Jndifferentismus und Orthodoxie jede Neugestaltung, * jede Besserung, wenigstens in der nächsten Zukunft, erdrücken werden. Jndeß kann man hinwiederum in den Gemeinden, in welchen bis jetzt die Orthodoxie Alles im Zaume hielt, wieder voraussetzen, daß sich bei der erlangten freiem Bewegung auch die ermannen werden, welche einer Neugestaltung anhangen. Weimar, 15. November. Das neue Wahlgesetz ist zu Ende berathen. Wahlfähig ist jeder Staatsangehörige, sobald er 24 Jahre alt, unbescholtenen Rufes, selbstständig und steuerpflichtig ist; wählbar als Abgeordneter ist Jeder, wenn er eben dieselben erforderlichen Eigenschaften besitzt und das 30. Lebensjahr zurückgelegt hat. — Also auch im Großherzogthum Weimar, in welchem die Beschränkungen der Juden noch sehr bedeutend, sind sie der allgemeinen politischen Rechte theilhastig geworden. Darmstadt, im November. Der den Ständen vorgelegte Entwurf zu einem neuen Wahlgesetz enthält Nichts von einer Beschränkung oder Nichttheilnahme der Juden. Literarisches. Ueber die Zahl Siebe». Von Emarmel Hecht. (Schluß.) Im alten persischen Reiche waren sieben Fürsten, die des Königs Rath ausmachten und die sieben deutschen Kurfürsten wurden in der Bulle ihrer Wahl ausdrücklich' mit den sieben Armen des goldenen Leuchters verglichen. Auch unterstützen und begünstigen noch heute mehrere Staaten den siebenten, Sohn (Frankreich, Holland rc.). Auch die alten Philosophen und Aerzte legten auf diese Zahl ein besonderes Gewicht Vorzüglich wurde ihr diese Verehrung von Pythagoras, Philo und Plato. Die platonische Schule benutzte dieselbe, so- 50*