Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 50 (4.12.1848)
- Date
- 1848-12-04
- Page
- Seite 715 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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715 d. Z.) erließen, ein jüdisches Hospital und eine jüdische Schule in Jerusalem zu gründen, und dieses fromme Werk durch Beiträge zu unterstützen. Wir wiederholten ihn mehre Male (s. No. 41. das.), und bald hatte derselbe einen versprechenden Erfolg. Schon den 19. November 1842 konnten wir eine erste Liste veröffentlichen (s. No. 47. das. No. 3. Jahrg. VII. d. A.). Da trat die überraschende Erscheinung hinzu, daß die Freiherren von-Rothschild eine Summe von 100,000 Frcs. zu diesem Zwecke zu spenden sich entschloffen (s. No. 19. das.). Nachdem die Sammlungen demungeachtet nur einen langsamen Fortgang nahmen, erachteten wir es für nothwendig, um dieser Angelegenheit einen neuen Aufschwung zu geben, und einen bestimmten Mittelpunkt zu schaffen, die Gelder einsammeln zu lassen. Der löbl. Vorstand der 'Gemeinde zu Braun schweig, Männer von Geist, Herz und Thatkraft, übernahmen es bereitwillig, die Gelder zu übernehmen (s. No. 14. Jahrg. VIII. d. Z.). Wir veröffentlichten hierauf eine vollständige Liste der angemeldeten Beiträge, und forderten Alle, die Gelder in Händen hatten, auf, sie an den löbl. Vorstand zu Braunschweig zu übermachen. Demungeachtet^ liefen nicht einmal alle gezeichneten Gelder ein. Das Eingegangene belegte der Vorstand zu Braunschweig bei dem herzoglichen Leihhause. Allein das ganze Unternehmen mußte aufgegeben werden. Nicht aus Mangel an Mitteln. Die Gabe der Rothschilds, die versprochenen Gaben aus England und die Gelder aus Deutschland waren hinlänglich, um den Grundstein tüchtig zu legen, und für den Fortbau brauchte man dann nicht besorgt zu sein. Allein, woran es scheiterte, war der Fanatismus der Juden in Jerusalem. Dort hat eine mächtige Partei die Zügel in Händen, deren Träger der bekannte amsterdamec „Fürst des heiligen Landes" ist, eine Partei, die, wie es hinlänglich erwiesen ist, die abscheulichsten Mittel nicht scheut,, um sich ihre unbedingte Herrschaft zu sichern, eine Herrschaft, die zugleich eine vergoldete ist, da durch ihre Hände die Gaben Europa's an die Armen Zion's gehen. Diese Partei mußte bei der Nachricht von dem, was man in Europa beabsichtige, zittern. Würde man Nichts gewollt, als ihnen große Summen in die Hände geben — welche Worte des Segens würden hingereicht haben, die sie über uns ausgesprochen? Aber dazu die Anstrengungen nicht. Es sollte ein Hospital errichtet, eine Schule gegründet werden, es sollte der Boden für Industrie und Gesittung geebnet werden, es sollte ein Mittelpunkt geschaffen werden, um die Juden Palastknä's'und Syrien's aus ihrer tiefen Erschlaffung, aus Unwissenheit und Trägheit, aus Fanatismus und Rohheit herauszureißen — dazu waren jene Leute nicht befähigt, das kreuzte ihre Pläne und Zwecke. Sie zitterten — aber nicht lange! Bald erhoben sie sich mit Macht; sie schleuderten Bannstrahlen und Bannbullen auf die Häupter Aller, die sich daran betheiligt hatten; sie regten schon im Voraus den Pöbel auf; sie pochten auf den Einfluß, den sie — man weiß wodurch — auf die dortigen Behörden haben; sie ergossen auf alle Art ihre Galle bis nach Europa; kurz, sie isolirten das Unternehmen dermaßen, und organisicten den Widerstand schon im Voraus, daß an ein Heil nicht mehr zu denken war. Diese Männer sahen sich ja lieber Missionären und Paschas gegenüber, als Boten der Industrie und Gesittung: Nach vielerlei Versuchen müssen wir demnach das Unternehmen völlig aufgeben. — Der Leser bedaure uns nicht, wir sind an solchem ^Schmerz längst gewöhnt^ Ideen, die zum Schooßkind geworden, und denen wir erfolglos Änstrengungen genug geschenkt, in Nichts sich auflösen zu sehen. Am 31. August 1847 hatte der löbl. Vorstand zu Braunschweig an eingegangenen Geldern und aufgelaufenen Zinsen 917 Thlr. 17 Sgr. 7 Pf. in Verwahrung, nämlich 915 Thlr. in Leihhausobliga.tionen, 2 Thlr. 17 Sgr. 7 Pf. baar in Kassa. Die nächste Frage demnach ist, was mit diesem Gelbe beginnen? Hier tritt als das erste Anrecht, das der Zurückforderung der Geber ein. Die Spender spendeten zu einem bestimmten Zwecke; dieser Zweck ist aufgegeben; folglich haben sie das nächste Anrecht, ihre Spenden zurückzufordern. - Wir fordern daher hiermit Alle, welche einen baaren Beitrag unmittelbar zur Gründung des Hospitals und der Schule in Jerusalem eingesandt, auf, bis zum ersten Februar 1849 uns schriftlich zükorrrmen zu lassen, ob fie ihren Beitrag zurückhaben wollen. ' Diejenigen, welche einem Dritten ihren Beitrag bei einer Sonderkollekte übergeben hatten, haben ihre Rückforderung an diesen zu richten, weil, bei der Geringfügigkeit der Mehrzahl der Gaben, sonst mehr Porto entsteht, als Gelder da wären. ' ' Es ist vorauszusehen, daß Viele ihre Gaben nicht zurückfordern werden, da sie zu klein waren, und sobald