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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-12-04 · Heft 50 (4.12.1848) · p. Seite 714

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 50 (4.12.1848)
Date
1848-12-04
Page
Seite 714 (sequence 6)
Language
German
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714 Ausdruck dieses Prinzips, indem sie die Gemeinsamkeit des Bekenntnisses als einzige Norm der Befugniß aufstellt. Zweitens aber ist die Synode die thatsachliche Erscheinung, daß die Reformfrage aus den Händen der sog. Sachverständigen, hier des geistlichen Standes genommen, und, von der Strömung des Lebens ergriffen, im Leben zu einer Entscheidung kommen, also im Leben sich resultirend sich verwirklichen soll. Nachdem die Sachverständigen lang genug das Für und Wider diskutirt haben, „soll das Leben," als das letzte Tribunal aller Fragen, „entscheiden." Kommet aber hier nicht wieder mit den alten Einwänden, das Leben, die blöde Masse, und wie Ihr es nennet, könne nicht über höhere Dinge, über religiöse Fragen entscheiden. Erstens entscheidet das Leben, trotz allen Euren Einwänden, in letzter Instanz dennoch, , denn was kein Leben mehr hat, das ist doch todt und verfällt dem Staube. Zweitens gilt es nicht die ewigen Wahrheiten der Religion, die keine Synode abschaffen wird, weil sie es nicht kann, weil jene eben immer in der Mehrheit der Menschen leben , und das macht sie eben zu ewigen Wahrheiten. Vielmehr wird die Synode gerade diese aus dem Staube, der sich ihnen in verlebten Formen angeklebt, retten und säubern. . Und hierin haben wir wieder die nächste Anknüpfung für das, womit wir begonnen haben. Es bedarf für das Judenthum der anregenden und weckenden Mittel. Ist aber die Synode das eigentliche in's Leben Hinaustreten her so lange obschwebenden Fragen; ist es die Synode, welche darin an die ganze lebendige Masse der Bekenner appellirt; ist es die Synode, welche nur dann eine ist, wenn sie die ganze Masse für sich in Bewegung gesetzt hat --dann ist die Synode das Glücklichste, das Förderndste, was dem Judenthume in der Jetztzeit zur Hilfe kommen kann. Es fragt sich also nur: wie sie in's Dasein rufen? Jndem^wir auf die Beantwortung dieser Frage die Aufmerksamkeit unsrer Leser zum Schlüsse richten, ist es uns nicht darum zu thun, irgend eine angemessene Form fut; die Synode aufsuchen zu wollen — wir gestehen offen, so weit halten wir noch nicht -- sondern vielmehr die Wege anzudeuten, auf denen sie werden muß. Ja, um das Werden handelt es sich erst und vorzugsweise. Irgend eine auferlegte Form nützt dazu Nichts, ja schnürt sie vor dem Werden zusammen. Die Form findet sich wie von selbst, wenn jene überhaupt erst geworden.; Eine Synode kann nur von wahrhafter Bedeutung sein, wenn sie von der ganzen lebendigen Masse getragen wird^ wenn sie nicht'das-Zeugniß für einen Bruchtheil und von einem Bruchtheil giebt, sondern hervorgeht aus der Gesammtheit und innerhalb derselben ihren Boden und ihr Leben hat. Um in einer zerstreuten und zersplitterten Masse zu einem solchen Produkt zu gelangen, ist es wesentlich nothwendig, daß die einzelnen Gliedmaßen für diesen Gedanken belebt werden, daß ec in ihnen verarbeitet werde. Es ist eben kein Herz, kein Lebensmittelpunkt da, von dem aus auf organischem Wege der Pulsschlag bis zur äußersten Peripherie durchdringe und durchzucke. So ist denn die leinfache Folge, daß sich das Ganze aus den einzeln belebten Gliedern zusammenfinde. Ohne Bild. Die Synode muß erst in den einzelnen Landschaften und Kreisen bewirkt und bethätkgt werden, bevor es gelingen kann, sie in der Gesammtheit des deutschen Judenthums herzustellen. Wenn in den einzelnen deutschen Landern oder Provinzen sich 'unternehmende Männer finden, welche, sobald nur erst die politischen Stürme zu einiger Ruhe gelangt sind, Synoden in derselben veranstalten, Zusammenkünfte, Versammlungen zu gemeinsamen Besprechungen und Verhandlungen, wie sie in Süddeutschland schon hie und da statt hatten, damit erst in die Masse das Bewußtsein dringt, daß sie berufen sei, in ihrer heiligsten Angelegenheit mit thätkg zu-sein, daß sie es sei, in welcher die Erhaltung der Religion, ihre Läuterung und Erhebung beruhe :-* dann ist der allgemeinen Synode der Weg gebahnt, und ihr Zustandekommen kann nicht fehlen, und ihre Wirksamkeit nicht mangeln! Gehen wir daher mit Hoffnung an das Werk. Streben wir unermüdlich danach. Das Ziel ist groß. Die israelitische Religionsgemeinde würde dadurch auf eine glänzende und segensreiche Weise die unverwüstliche Lebenskraft erweisen, die ihr in religiöser Beziehung einwohnt. Sie würde den Jahrhunderten beweisen, daß sie nicht müde wird, an der großen Mission zu arbeiten, welche ihr die Vorsehung auferlegt hat. Aufforderung an Alle, welche einen Beitrag zur Gründung des projektirten jüdischen Hospitals in Jerusalem gespendet haben. Unsere Leser werden sich erinnern, daß wir, auf Grund mehrer Zuschriften aus der Türkei und Syrien am 11. September 1842 einen Aufruf (s. No. 39. Iahrg. VI.

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