Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 50 (4.12.1848)
- Date
- 1848-12-04
- Page
- Seite 713 (sequence 5)
- Language
- German
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Stand> ein Unterschied zwischen diesem und-'sM Lgken gebildet. Dies nahm irr der neuern Zeit zu. In vielen Landern bildete sich eine gewisse Hierarchie; man organisirte die jüdischen Theologen; es gab Kommunal-, Stadt-, Bezirks-, Land-, Konsistorial-, Ober- oder Oberlandesrabbiner; es waren dies nicht bloß Titel, sondern es verband sich damit auch eine gewisse Bedeutung. So sehr man sich auch.dagegen sträubt, so ist es demnach doch in der Wirklichkeit wahr, daß sich in der Judenheit ein geistlicher Stand hergestellt hatte, der nach der kirchlichen Organisation andrer Glaubenspacteien sich allmälig fester gestaltete. Indem man da dem Einen die alleinige Befugnkß zu predigen, dort dem Andern zu trauen, dem Dritten zu prüfen, seien es die Lehrer, seien es die Schächter u. f. w., zuertheilte, konnte es sich nicht anders machen. Ja , der geistliche'Stand in der Judenheit mußte verhaltnißmäßig zahlreicher sein, da die Vorsänger, die Schächter, und zum Theil auch die Lehrer, indem ihnen gesonderte gottesdienstliche Funktionen angewiesen waren, dazu gehörten. Ist es also unleugbar, daß es in der Judenheit bei aller losen und' freien Gestaltung, dennoch einen geistlichen Stand gibt: so mußte, so wie die Frage der Reform aufs Tapet kam, auch die Frage Hereinkommen, was für eine Stellung, für ein Verhaltniß dieser geistliche Stand zur Reform habe. Obgleich nun wol Niemand, abermals theoretisch, schwankte, diese Frage zu beantworten. Jedermann zugestehen mußte, daß in der Reformfrage der jüdische geistliche Stand gar kein Vorrecht habe, und jeder Einzelne vom menschlichen Standpunkt überhaupt die Gewissensfreiheit, vom jüdischen Standpunkt die Berechtigung habe — weil eben das Judenthum an sich keinen geistlichen Sta'nd kennt — diese Fragen für sich zu entscheiden, und zu ihrer Entscheidung, beizutragen, so viel er vermag: so machte sich doch auch hierin abermals die Sache faktisch anders. Denn die spezielle Autorität,- die der-vorzugsweise mit religiösen Funktionen Betraute immer, wenigstens in seiner nächsten Umgebung hat, das Ansehen, welches ihm sein Amt giebt, und die Lebensbeschäftigung und besondere Kenntniß, die ihm einwohnt, diese mußten die Reformfragen immerhin am Meisten in die Hände der jüdischen Theologen, der Männer des geistlichen Standes legen. Wie sie sich in diesen Händen befanden? Nun, wie alle Fragen bei allen Menschen. Der Eine ist für, der Andere wider, der Dritte sucht aus Eigennutz oder Charakter in .der Mitte hindurchzukommen. Aus der Frage wird' Streit, aus dem Streite Kampf; bas All-' gemeine wjrd auch persönlich, es wird nebenher viel Staub und Schmutz aufgewühlt. Eine nothwendkge, daher überall zum Vorschein koniÄ mende Folge ist dann aber: daß die Frage in den Handen der Sachverständigen zu keiner Entscheidung kommt/ die nur dann zur Verwirklichung gedeiht/ wenn die Frage eine allgemeine geworden, wie man gewöhnlich' sagt, „wenn das Leben entscheidet." Werfet' eine juristische Frage auf, und behandigt sie den Juristen, eine medizinische, und übergebet sie den Medizinern u. si w. -~ und es wird ein solches Konvolut von Für und Wider erscheinen, daß die Frage nicht eher gelöst wird, als bis sie eine allgemeine geworden, bis daß „das Leben ent-' scheidet." J 1 ' Jetzt, liebe Leser, haben wir erst für die Syno heben rechten Standpunkt und die rechte Bedeutung gefunden, und zwar zwiefach. Zuerst. Das Prinzip der Neuzeit ist: alle äüßere Autorität des geistlichen Standesinnerhalb der Kirche zü^ verneinen. Auch der mit 1>em geistlichen Amte Betraute' soll Nichts mehr gelten und vermögen, als er persön^ ,lich wiegt und sich Bedeutung verschafft. ' Eshat sichein geistlicher Stand in der Judenheit gebildet, und war nahe daran, in religiösen Dingen eine vorwiegende Au-: toritat zu erlangen. Die - Rabbinerversammlüng war' die äußere Erscheinung dieser Tendenz. Man glaubenicht, daß damit auf diese Versammlung selbst ein Vor-' wurf gewälzt werde. Wir schlügen uns damit selbst.kn'sr Angesicht, da wir ein wesentlicher Hebelderselben wareA Vielmehr giebt eine jede Zeit nur das, was sie hat, - und' die vergangene Zeit konnte nicht mehrgeben. Matt! erinnere sich nur an die Beschränkung alles Verernigungs»' rechtes, und die Schwierigkeiten, -nur für diese'VersamrM lung die polizeiliche Erlaubniß zu erhalten. Und dann lag es im Charakter der Zeit-, welche sich zunächst an den geistlichen Stand hielt. Auch wahrte die Rabbinecversammlung-diesen Charakter durchausnicht ernst', Mviele Mitglieder schon beim Beginn Schulmänner, litera-- rische ZelebritäteN u. s. w. auch außerhalbdes^ Rabbiner-? kceises verlangten, im Verlaufe auch Prediger, Religionslehrer, Schriftsteller ausgenommen.wurden - Es war also' nur eine gewisse Bezeichnung, welche die Zeit-verlangte. Jetzt aber, wojenes' Prinzip, die letzten Fädell' der; g'eist-i. lichen Abgeschlossenheit abzuschneiden, zur Oberherrschaftgekommen, und völlig formulier hecvorgetreten ist/' da weicht alle Göenzliniezurück- und dieEyri'ode ist 4&t