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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-12-04 · Heft 50 (4.12.1848) · p. Seite 712

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 50 (4.12.1848)
Date
1848-12-04
Page
Seite 712 (sequence 4)
Language
German
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m dke Rabbinerversammlungen. Alle, diese, früher unerhörten Momente mußten das Leben wecken, und die Streitelemente zur Schlacht der Gedanken führen. Mögen sie nun von mehr oder minder großer Wirksamkeit gewesen sein, mögen sich ihre Resultate an den Fingern herzählen lassen, mag das Eine und das Andere bald wieder vom Schauplatz abgetreten sein — dies allein macht ihren Werth noch nicht aus: sie haben das Leben geweckt, wo es wie erloschen war, sie haben in den Geistern das. Interesse rege gemacht, sie haben offenbar im großen. Ganzen das Judenthum auf eine Höhe gehoben, wo es wieder unter den Fragen der Zeit und unter den großen, welthistorischen Erscheinungen mitzählt, sie haben ihm nicht allein nach außen, sondern, was noch von größerer Bedeutung ist, bei feinen Bekennern selbst wieder Achtung und Beachtung gewonnen — und dies wird all dem' Aufgezählten die Geschichte als sein wahres Verdienst anrechnen. Man sage nicht, was ein Interesse enthalt, das wird dies auch ohne äußere Anregungsmittel erwecken. Es ist dies bei den wenigen größeren Geistern der Fall, obschon auch: hier der Zufall Vieles macht. Aber für die große Masse der Menschen ist es nicht wahr; die große, an sich unbewegliche Menge will erregt sein; sie wendet sich nur dem zu, was ihr Beschäftigung, Reiz und geistigen Gewinn verspricht. Sie verlangt sichtbare Erscheinungen, denen sie Gunst oder Ungunst zuwende, die-sie billigen, annehmen oder bekämpfen könne. Darum ist es allerdings nothwendig, daß die Kämpfe des Geistes nicht blos in den einsamen und abgeschlossenen Studierstuben der Forscher und Gelehrten abgewickelt, sondern daß sie hinausgetragen werden in die allgemeine Welt, in die Menge, und auf offenem Markte die Freunde und Feinde, die Für- und Widerkampfer aufrufen. Darum sind allerdings Hebel, äußere Hebel nothwendig, um Bewegung hineinzubringen. , Schon' aus diesem Gesichtspunkte begrüßen wir die Synode als einen nützlichen, als einen unabweisbaren Gedanken. Schon darum müssen wir es Allen, die es mit dem Leben im Judenthume redlich meinen, zur dringenden Pflicht machen, dafür zu wirken, diesen Gedanken immer mehr zu verbreiten und lebendig zu machen. Auch hier dürfen wir uns vom anfänglich geringen Erfolgevon Theilncchmlosigkeit und Abweisung nicht irre machen lassen. Was einmal für nothwendig erkannt worden, davon darf sich der feste Mann nicht abwenden lassen. Ein jeder Gedanke, davon haben wir uns doch nun wol hinlänglkchüberzmgt, will erst wachsen^ und seine Ranken durch das ganze Feld aussenden, bevor er' sich mit Macht verwirkliche. Ja, wenn er vorreif in'sv Leben treten will, wenn er unvorsichtig zu schnell sich bethätkgen will, wird er verdorren, ehe er eine Frucht getrieben. Wir müssen uns den ganzen Gedanken der Synode erst klar machen. Wir dürfen nicht wieder diese Synode so als eine äußerliche Erscheinung, als ein Stück unbewußter Thatsache hinwerfen. Es findet sich stets, daß zu einer Zeit irgend Etwas als eine Forderung chinaustritt, die darum sonderbar und ohne innem Zusammenhang erscheint, weil man diesen Letztem nicht aufsucht. Die Synode ist dke eigentliche Entscheidung der Frage: inwieweit in religiösen Dingen das Ansehn und die Beschlußkraft der Theologen, der Geistlichen gehe? oder vielmehr, sie ist die völlige Vereinigung des geistlichen Standes und seiner Autorität. Dies ist ihr eigenster Inhalt. Man hat lange Zeit die Frage ventklirt, ob es im Judenthume Geistliche gebe und Laien, oder nicht. Vom theoretischen Standpunkte hat man stets Nein gesagt. Bemerkenswerth war es dabei, daß man demungeachtet, sobald sich eine weltliche Regierung auf dieses Nein steifte, und in Konsequenz den jüdischen Theologen diejenigen äußeren Vorrechte und Funktionen absprach, welche den Geistlichen anderer Kirchen zuertheilt waren, dagegen opponirte, jene für die jüdischen Theologen in Anspruch nahm, und sich über deren Absprechung beklagte. Dieser Widerspruch erweist, daß man aus theoretischem Eigensinn die Wirklichkeit, den praktischen Standpunkt übersah. Es hatte sich allerdings in der Judenheit, den anderen Kirchen analog, ein geistlicher Stand gebildet, und dies seit langer Zeit. Mag man immerhin darauf Hinweisen, daß es bei den Juden am Meisten auf das Vertrauen zur Gelehrsamkeit und Religiosität der Theologen ankam, daß überhaupt wenig Abschluß und Einschränkung statt fand, daß es bei den Juden keinen gegliederten Studiengang, keine Priesterweihe oder Ordination gab: das Alles ist wahr, ist aber doch nur Aeußerliches. Sobald nur der Rabbiner war, der ein Diplom, ein Befähkgungsattest von anderen Rabbinen erhalten, sobald ein Solcher nur von dm Gemeinden angestellt, und Ihm gewisse Funktionen übertragen, gewisse Vorrechte, und seien sie der unbedeutendsten Art, überantwortet waren, und ließ man darin noch so viel Frei- 1 heit und Nebenerlaubniß zu: so hatte sich ein geistlicher

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