Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 49 (27.11.1848)
- Date
- 1848-11-27
- Page
- Seite 705 (sequence 9)
- Language
- German
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705 der Intelligenz (Geist-liche) sind. Im Christenthum liegt der Benennung „Geistlich" ursprünglich eine mehr spiritualistische Richtung und Bedeutung zu Grunde, dem allgemeinen Charakter und Inhalt dieser Religion ganz angemessen und ihm entnommen. Daß sonst die Bedeutung und Stellung der Rabbiner von der der christlichen Geistlichen von jeher -verschieden war, geht auch daraus hervor, daß sie nicht einmal in einem innern oder stetigen Konnex zum liturgischen Eheile des Gottesdienstes standen, welcher nach, dem Aufhören des Opferkultus von Laien (wir gebrauchen diesen Ausdruck weniger im Gegensatz zu Priestern, als zu Kultusbeamten), den Mitgliedern der Gemeinde, den Kinderlehrern oder sonstigen öffentlichen Gemeindedienern verrichtet wurde. Man erkennt aber, daß außer den Nothwendigkeitsgründen-,. welche wir hierfür angeführt, auch die,Würde des. Gottesdienstes, wie das Interesse für unsere Religion hierin eine Abänderung erheischt. Und welche ist da wol einfacher und natürlicher, als daß die Rabbiner auch den liturgischen Th eil des Gottesdienstes übernehmen. Freilich erfordert diese Einrichtung Modifikationen für den Gottesdienst, da sonst für die Abhaltung unsers Gebetgottesdienstes seinem ganzen Umfange nach nebst Predigt, Vorlesen der Tora rc. die physischen Kräfte eines Mannes nicht hinreichen. Aber auch in Rücksicht auf das Publikum erscheint dies als nothw endig, für welches der gewöhnliche Gottesdienst zu ausgedehnt würde,, wenn die Predigt, was sie an sich soll, und was wir auch für unerläßlich halten, als integrirender Theil des Gottesdienstes betrachtet wird. Daß endlich eine solche Modifikation des Gottesdienstes vom theologischen wie praktischen Standpunkte aus als ausführbar angenommen werden muß, werden wir später zu zeigen. Gelegenheit haben. Die Einrichtung und Unterhaltung der profanen Elementarschulen Seitens der.Religionsgemeinden erscheint hiernach nicht mehr als Nothwendigkeit, ja diese sind sogar dem Zweck zur Förderung und Erhaltung des Judenthums entgegen, wenn um ihretwillen Religionsunterricht und Gottesdienst darunter leiden und den Anforderungen der Zeit und ihrer Verhältnisse nicht zu genügen vermögen. Wo für solche Schulen ein Bedürfniß. vorhanden ist, wird die Bildung oder Schaltung derselben .sich von selbst ergeben. Vor Allem aber müssen auch wir hierin den Anforderungen der Gegeüwart genügen und nicht mit Hartnäckigkeit an Konfessionsschulen kleben bleiben wollen/ — Hiernach werden Rabbiner und Gemeinden ihre Maßnahmen zu wählen haben. Zur Förderung und Erhaltung des Judenthums ist es nothwendig, für bessere religiöse Ausbildung der Jugend in Schulen, für einen gehobenen Gottesdienst in Synagoge zu sorgen. Beides werden Rabbiner zu übernehmen haben, für Beides Rabbiner zu bestellen sein. Unserer Ueberzeugung nach liegt darin gerade der Hauptgrund für den Verfall, worin das Judenthum gerathen, weil die Gemeindelehrer, welche früher ausschließlich Religionslehrer waren, wie sie auch als Solche allein eine Beziehung zür Gemeinde haben, in letzterer Zeit (Elementar-) Lehrer für Profanwissenfchaften geworden sind, welche überall gepflegt werden können, und als Religionslehrer und Prediger, als welchen ihnen auch die Wahrnehmung anderer rabbinischer Funktionen obliegt, in der großen Mehrzahl, nur figuriren. Da mußte das Judenthum verfallen und wird es unter gleichen . Umständen immer mehr, wenn der Geist und das Herz der Jugend in religiöser Ausbildung so gut wie leer ausgeht, anfänglich mit Hebräischlesen nothdürstigem Uebersetzen, welches in der Regel ein unselbstständiges bleibt und sich nie über die ganze Bibel und die hebräische Liturgie ihrem ganzen Umfange nach erstreckt und später mit trockenen katechetischen Fragen abgefertigt wird, die Erwachsenen aber aus dem unverständlichen hebräischen Gottesdienste für Geist und Herz, Seele und Gemüth keine Nahrung ziehen. Es ist dies um so mißlicher, als die Pflege, der Religion sich immer mehr aus dem Leben zurückzuziehen und ausschließlich in die Synagoge zu flüchten beginnt. Nachschrift des Redakteurs. Wir haben unfern Herrn Korr, ausführlich sich aussprechen lassen, wie wir es mit entgegengesetzten Ansichten ebenfalls gethan haben. Wenn nun in der Theorie Vieles zugegeben werden muß, so wird doch die Praxis, die Wirklichkeit, nicht minder zu befragen und zu beachten sein. Theoretisch habe ich die Sache schon im Jahre 1834 als entschieden betrachtet, und gegen gesonderte jüdische Konfessionsschulen gesprochen, vielmehr die Errichtung tüchtiger Religionsschulen, die sich an die allgemeinen Schulen anlehnen, für nothwendig und wünschenswerth angesehen. Allein, wie gesagt, auch der Wirklichkeit muß Rechnung getragen werden. Hier zeigt es sich nun einerseits, daß in vielen Ortschaften die allgemeinen Elementarschulen 49*