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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-11-27 · Heft 49 (27.11.1848) · p. Seite 704

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 49 (27.11.1848)
Date
1848-11-27
Page
Seite 704 (sequence 8)
Language
German
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704 angeben und erklären, -r- Wegen des. Formalismus, worin, das Judenthum zuletzt fast ausschließlich sich bewegte, machte die Pflege und Beobachtung der Kasuistik die einzige, oder doch die bevorzugte Thätigkeit und Richtung der Rabbiner aus. Die Abwendung von dieser einseitigen Richtung des Judenthums bedingt eine erweiterte Ausbildung der Rabbiner, wie sie auch die Neuzeit zu fordern sich stets zur Pflicht gemacht hat.. — Wegen der Zerstreuung, woriü die Juden leben, und wegen der ebenso allgemeinen, als häufigen Verfolgungen, welche sie zu erdulden hatten, waren die gewohnten öffentlichen Vorträge der Rabbiner unterblieben. Darum müssen Predigten wieder ein integrireyder Theil des Gottesdienstes werden. Der Religionsuntericbt war zum Theil stets Angelegenheit 'der Rabbiner gewesen, namentlich der höhere. Für den Jugendunterricht waren Kinderlehrer bestellt und diese in der Zerstreuung oft die einzigen Beamten der Gemeinden. Die Forderungen der Religion überwogen bei den Juden alle Rücksichten, daher ..ging in der religiösen Ausbildung auch Niemand ganz leer aus. Sie war in theologischer Weise auf Quellenstudium gegründet, so daß eine Unterhaltung und Erweiterung derselben durch fortgesetztes Selbststudium ermöglicht würde. Lheils war hierfür durch die Synagogal- und Schul- (Bet Midrasch-) Vorträge der Rabbiner gesorgt. Jetzt überwiegt wegen der veränderten politisch-sozialen Stellung, wie der innern Entwickelung des Judenthums, welche.dasselbe erfahren, die Ausbildung in den weltlichen Wissenschaften. Es werden dafür in den Gemeinden (Elementar-) Lehrer bestellt, welche für die religiöse Ausbildung der Jugend in Schulen — und für Predigten in . Synagogen zur Erzeugung und Erhaltung eines religiösen Sinnes bei den Erwachsenen nur nothdürftig oder gar nicht sorgen. Der Religionsunterricht derselben bleibt bei den primären Elementen stehen, und für die Predigten fehlt ihnen mit sehr seltenen Ausnahmen das Talent oder umfassende Vorbildung. In der Unentbehrlichkeit des Religionsunterrichts für die Jugend stimmen gewiß Alle überein, aber auch Predigten sind um so nothwendiger, als der religiöse Jugendunterricht ein von der Vorzeitverschiedener ist. Denn der Religion'kann Niemand entbehren für alle Zeiten und Lagen seines Lebens, und unsere Schulen bieten von derselben kein so reichhaltiges Material, als daß es ausreichte zur selbstständigen Bewahrung und Pflege desselben, und Geist und Herz daraus für immer hinreichende Nahrung, schöpfen könnten. Für die Ausbildung in den Profanwiffenschaften ist auf andere Weise genügend gesorgt, und kann es nicht Hauptaugenmerk der Religionsgemeinden als Solcher sein, dafür Kräfte und Mittel zu verwenden, am allerwenigsten in einer so ausschließlichen und bevorzugenden Weife, wie bisher. Sache der Religionsgemeinden als Solcher muß es vielmehr sein, für die religiöse Ausbildung, für Pflege, Erhaltung und Fortbildung der Religion in Schule und Synagoge Sorge zu tragen, die Jugend in der Religion zu erziehen, die Erwachsenen darin zu stärken. Daher erfordert es das Amt und die Pflicht der Rabbiner, als Religionslehrer und Prediger zu fungiren, dem ganzen Umfange dieser Fächer nach. Wir müssen auf die letztere Bedingung, daß die Rabbiner den Religionsunterricht seinem ganzen Umfange nach, auch mit Einschluß des hebräischen Sprachunterrichts, übernehmen, um so mehr dringen, als sicherer Voraussicht nach die Schulen aufhören werden, Konfessionsschulen zu sein, und die Mittel der wenigsten Gemeinden zur Anstellung mehrerer Kultusbeamten hinreichen dürften. - Daß den Rabbinern jedoch darum keine -Seite des Judenthums fremd sein darf, folgt von selbst,, auch die formelle Kasuistik nicht, zumal die Umbildung derselben erst im Uebergang begriffen ist. Ebenso ist das Predigeramt kein neues Moment im Juden- und Rabbinerthum,^sondern mit demselben immer verbunden, gewesen. Das Verlangen nach Predigern bedingt also keine Apathie gegen Rabbinerthum, wie sich dieselbe vielfach zeigt. Auch hat jenes etnc Solche nicht, wie vielleicht theilweise die Geistlichkeit anderer Konfessionen,'durch Verhinderung wissenschaftlicher und religiöser Aufklärung unter dem Volke oder das Streben nach absolut-hierarchischer Herrschaft verdient. Wir haben die Rabbiner auch nicht deßhalb mit den Geistlichen anderer Confessionen zusammengestellt, neben diesen auch jene so genannt, weil sie in Stellung und Bedeutung ihnen gleich wären. Im Gegentheil haben wir diese oben als verschieden von einander nachgewiesen. Wir nennen die Rabbiner nur auch Geistliche, ohne gerade auf. diese Bezeichnung für sie zu dringen, weil sie ebenfalls als Lehrer der Religion, welche ehedem als der Inbegriff und die Spitze Mes Wissens galt, Förderer und Vertreter

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