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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-11-27 · Heft 49 (27.11.1848) · p. Seite 702

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 49 (27.11.1848)
Date
1848-11-27
Page
Seite 702 (sequence 6)
Language
German
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W2 zum Maire ernannt worden. Er Hai dabei seinem Gehalte von jährlich 3000 Fr. (800 Thlr.) zum Besten des Vaterlandes entsagt. Der Kriegsminister Lamoriciöre hat ihm ein schmeichelhaftes Schreiben dafür zukommen lassen. —. Unter den freiwilligen Kolonisten, die jetzt nach Algerien versetzt werden, befinden sich viele Israeliten. Türkei. Konstantinopel, 10. Oktober. Unter diesem Datum enthalten die Arch. ein Schreiben des Herrn I. de Castro, D. M. k., Oberarztes des Militärhospitals von Haidar-Pascha (kais. Garde). Die Prüfungen der Zöglinge der Schule von Galata-Serail haben vor den Bairamsfesten stattgefunden in Gegenwart des Sultans und der hohen Würdenträger des Reichs. Es war ein wahrhaft rührender Anblick, zum ersten Male seit Gründung der Schule einige junge Israeliten die erste Probe ihrer Studien geben zu sehen. Sie war sehr befriedigend, obschon ihre Zulassung zur Schule erst ein Jahr alt ist, und die Fortschritte, die sie in diesem kurzem Zeitraum gemacht, erwecken große Hoffnungen. Die Schule von Galata-Serail zählt bereits neun Jahre. Sie wurde vom Sultan Mahmoud begründet. Bis jetzt waren alle Glaubensparteien zugelaffen, mit Ausnahme der Israeliten. Diese Ausschließung könnte sonderbar unter einem Herrscher erscheinen, der so sehr Freund' des Lichtes gewesen, und keinen Unterschied unter seinen Unterthanen zuließ; aber sie hing nicht von seinem System ab, und war nur seinem guten Glauben entnommen worden. Man überredete ihn, daß es den Juden widerstehe, .ihre Kinder in dieselbe Schule zu schicken, wo Muselmänner und Christen vereinigt wären. Die wirkliche Ursache dieser Jntrigue lag in dem eingebornen Hasse, welchen eine damals sehr einflußreiche Person, deren Namen Sie mir zu verschweigen gestatten, gegen die Juden nährte. — Als Jsmael-Effendi zum Oberärzte des Reiches ernannt wurde, änderten sich die Verhält-' niffe, eine neue Zeit brach für unsere Glaubensgenossen an. Jsmael-Effendi, bewogen durch, ein Gefühl der Gerechtigkeit, das sich niemals verleugnet hat, wollte das Unrecht, das man an den Israeliten verübt, wieder gut machen. Er hat sofort 50 junge Israeliten in Galata-Serail zugelassen, indem er alle Maßregeln ergreifen ließ, die, um die Forderungen ihres Kultus in seinen kleinsten Details zu achten, nothwendig waren. Diese Maßregeln haben übrigens keinen Einfluß auf die Regelmäßigkeit der Studien, und in den Klaffen sind die Israeliten mit den übrigen Zöglingen vermischt; sie genießen dieselben Rechte wie diese, und sind Gegenstand derselben Fürsorge. Sie können sich kaum eine Idee vom' Geiste der Toleranz machen, welcher Jsmael-Effendi auszeichnet. Er hat ein Recht auf die Dankbarkeit nicht blos unserer Glaubensgenossen in der Türkei, sondern, in Betracht der Art von allgemeiner Solidarität, die unter uns besteht, aller Israeliten der Welt, denn er hat die Absicht, auch die Israeliten der Levante aus dem Zustande der Versunkenheit und Unwissenheit, in^der sie die Fanatiker aller Nationen, die unsrigen mit. eingerechnet, erhalten wollten, herauszureißen.. Möge die „barbarische" Türkei den sogenannten zivilisirten Ländern Europa's, die aus ihrem Schooße Kinder eines und desselben Vaterlandes stoßen, deren einziges Verbrechen ist, ihren Glauben nicht zu theilen, ein lehrreiches. Beispiel sein! Deutschland. Braunfchweig, 16. November. (Privatmitth.) Soeben ist ein Israelit, vr. jur. Aron heim, mit einer großen Majorität zum Mitgliede der Landstände gewählt worden. Es ist dieses ein um so größerer Triumph, da er bedeutende christliche Mitbewerber bei der Wahl gehabt hat. Was habe ich doch Alles erlebt? Als ich zum erstenmale. Braunschweig betrat, mußte ich noch 6 feine Gulden Meßzoll geben, ein Jude durfte Nichts als Trödelhandel haben, und heute — Landstand. Gott gebe ferner seinen Segen, daß keine Rückschritte wieder geschehen. Hamm, im November. (Privatmitth.) sDie Rabbiner und ihr Verhältniß zu Schule und Synagoge. Von vr. Rothschild.) Daß das Jutzenthum dem Fortschritt huldigt, davon zeugt seine Geschichte, davon zeugt eine oberflächliche Vergleichung des Mosaismus mit der spätem und heutigen Gestaltung des Judenthums. Von den allgemeinen Ideen der Zeit ist es hierbei zwar nicht ganz unberührt geblieben, aber - seine, politische und soziale Stellung - duldeten von jeher keinen wesentlichen äußern Einfluß auf dasselbe. Vielmehr ging das Judenthum seine eigenen Wege, die denen oft gerade entgegengesetzt würen,.

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