Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 49 (27.11.1848)
- Date
- 1848-11-27
- Page
- Seite 701 (sequence 5)
- Language
- German
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701 dringt, dann hebt man diese Hingebung und diese Rechtschaffenheit bis zu den Wolken, man bestimmt dem bescheidenen nnd loyalen Bankier ein Diplom als eminenter Finanzmann. Aber wehe ihm, wenn er mit Heftigkeit die von einem Jndustrieritter, der bei Gelegenheit Oekonomist geworden, geträumten Assignaten bekämpft! Wehe ihm, wenn er (unter dem Vorwände, daß in den Finanzen alle Stellen Sache des Vertrauens sind,) verweigert, irgend einem reinen, von Schulden erdrückten Demokraten eine besondere Einnahme oder ein Tabaksbüreau verweigert, denn dann vergißt man die geleisteten Dienste und die ehemaligen Hoffnungen, und mit jener hochmüthigen Verachtung, die einem Sozialisten von reinem Blute so wohl ansteht, auszurufen:, „der Jude Goudcheaux"! Aber es ist nicht blos in den niedrigen Schichten des geborenen Republikanismus, wo man dieser Unwürdigkeit begegnet; sie hat auch die Tribüne der Nationalversammlung zu betreten gewagt, und sich nicht gefürchtet vor den Augen des.erstaunten Europa's zu erscheinen, indem sie uns, französische Israeliten, zwang vor den Augen unserer Glaubensgenossen zu erröthen, welche in Deutschland und Italien ihr Blut für die heilige Sache der Freiheit vergießen. Diese Woche, in der Thal, in der sonderbaren Rede, die Garnier-Pages für die höchste Glorifikation der provisorischen Regierung sprach, hat er sich unter anderen hohen Thaten und glänzenden Handlungen gerühmt, aus der Gewalt gejagt zu haben „die Agioteure und die Juden!" Der Herr Exmaire' von Paris entschuldige uns, aber wir haben seine Phrase nicht recht gefaßt, und wir wagen es, demüthig dem Exminister der Finanzen Folgendes zu bemerken: Wir sind nicht beauftragt mit der Vertheidigung der Agioteure, wir denken überdies noch der umlaufenden Meinung, daß dieses Geschlecht bereits in den Stand der Mythe übergegangen; aber wir nehmen uns die große Freiheit zu fragen, was die Juden mit dieser Angelegenheit zu schaffen haben? Nur ein Republikaner von Geburt kann ein so feines Gesicht haben, um in der alten „Gewalt" einen Juden zu entdecken, den die Februarrevolution daraus verjagt hat... noch mehr, nehmt's buchstäblich, und man wird erweisen können, daß diese Revolution nacheinander zwei Juden zur „Gewalt" gebracht hat.... ,, Wenn Herr Bareste und Herr Garnier-Pages uns antworten, daß sie weder den jüdischen Glauben, noch die israelitischen Glaubenssätze (ui la croyance juive, ni les croyances israeiites) haben angreifen wollen, sondern daß sie, Opfer einer alten Gewohnheit, sich noch nicht haben davon losmachen können, so werden wir ihnen sagen: ihr habet Monsieur in Citoyen („mein Herr" in „Bürger") zu verwandeln verstanden, ihr habet euch vollständig daran gewöhnen können, nicht mehr „Abgeordneter", sondern „Vertreter" (äeputes, wai8 reprösentanZ) zu sein; ihr habt schnell euch bemüht, nicht mehr Straße Coquenard, sondern Straße Lamartine zu sagen; wenn aber ein alter Ausdruck eine Beleidigung für eine Klaffe eurer Mitbürger ist, warum beharret ihr darauf, ihn in einem böswilligen Sinne anzuwenden? Ist dies Brüderlichkeit? Kommet doch endlich zur Wahrheit, zur Gerechtigkeit, zur Mäßigung; für Männer von Herz und Talent müßte dies doch eine leichte Sache sein; und weil ihr Apostel der Gleichheit seid, unterdrücket, selbst in euren Worten gefährliche Unterscheidungen; sehet in Frankreich nur Franzosen, so wie wir in den Kindern unsers theuern Vaterlandes nur Brüder sehen; dann wird die Einigung und Eintracht unserm schönen Frankreich die Kraft geben, die ihm nothwendig ist, um die Prüfungen zu bestehen, welchen die Vorsehung uns gleicherweise unterwirft, Juden und Christen. W." —. In den Arch. war die Besorgniß ausgedrückt worden, daß das allgemeine Stimmrecht, unseren Glaubensgenossen ungünstig sein würde. Ein Schreiben aus Forbach (Mosel) zeigt das Gegentheil. In Metz ist H. Schwabe, zum Bezivksrath gewählt; in Cröhange H. M. Lövy zum Maire; in Sarreguemines ist Grumbach, in Forbach H. Cahn, in Bionville H. L: Lövy und noch ein anderer Israelit zu Munizipalräthen. So in fast allen Gemeinden, wo es Juden giebt. Aber leicht ist es zu bemerken, daß man viel von diesem Resultate dem Beispiele der Departementalbehörden schuldet, welche nicht aufhören die Gefühle wahrer Duldung und Brüderlichkeit anzuregen. (Auch in Deutschland hat sich das allgemeine Stimmrecht, so weit dies bis jetzt geltend geworden, den Juden günstig gezeigt. Wie ftüher die preußischen Stadtverordnetenversammlungen erweisen dies fast alle deutsche Parlamente.) —. In Mostaganem in Algerien ist H. Eli Cosmann, früher Adjunkt des Maires, seit der Republik