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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-11-27 · Heft 49 (27.11.1848) · p. Seite 699

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 49 (27.11.1848)
Date
1848-11-27
Page
Seite 699 (sequence 3)
Language
German
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«SS Nein! die Menschheit träumt nicht; sondern was sich in ihr einmal geltend gemacht hat, das bleibt auch in ihr, das wird nicht für wenige Wochen herrschend, um eine jähe Vernichtung zu erleiden. Gerade weil das bis jetzt Bestandene sich so kräftig wehrt, und noch so viel Stärke bewahrt, daß es nicht im Nu vergangen scheint; geradediese Erfahrung muß uns auch in der Ueberzeugung bestärken, daß das Neue kein Wahn, kein Traum ist, sondern, wenn es erst alle Stadien des Kampfes durchgemacht hat, ein ganzes, unbeschränktes Leben führen wird. Darum also hoffen wir, und, was auch die nächste Zukunft bringen wird, wenden wir vertrauensvoll unsere. Blicke in's Weitere. Was uns die nächste Zukunft bringen wird? Es kann erstens sein, daß die Macht, welche jetzt im Augenblick die herrschende ist, im vollen Umfange sich geltend macht, und alle Zugeständnisse zurücknimmt. Es würde dann der alte Zustand nicht allein zurückkehren, sondern jedenfalls für die Juden noch Härteres zum Vorschein kommen. Man müßte dann abwarten, wie lang es dauern würde. Oder es käme, wie es nicht den Anschein hat, zury Kampfe, und der Ausgang würde dann sehr zweifelhaft sein, die unmittelbare Folge sehr traurig. Oder es wird ein Akt der Vermittelung getroffen, eine Transaktion, um einen Mittlern Zustayd herbeizuführen. Für den Augenblick wäre dies das Erwünschtere, weil dann die materiellem Verhältnisse sich ordnen und zur Ruhe bringen können, uttd weil nothwendiger Weise der allgemeine Geist unter dem Einflüsse immer doch freierer Verhältnisse, als ehedem, sich noch mehr durchbklden muß. Es giebt noch zu_ viele Elemente in der Gesellschaft, welche starr im Alten festhangen, als daß sie nicht erst durch den Geist allmäliger Entwickelung überwunden werden müßten. , War nicht Mosche gezwungen, das Volk 40 Jahre zu führen in der Wüste bevor es das Land der Verheißung betreten konnte? Ruft uns nicht Jesaias zu: wird denn ein Volk an Einem Tage geboren? ■ ' , Also dies ist es: zu einem dauerhaften Gebäu gehören viele Steine und viele Hände und viele Tage. Aber weil es uns nicht hingezaubert wird in Einer Stunde, sollten wir darum zweifeln, daß es dennoch vollendet werde? Zeitungsnachrichteit. Frankreich. Paris, im November. Es liegt uns wieder einmal ein Heft Ared.'vor. Was das Judenthum in seinem Innern betrifft, so sieht man, es handelt sich in der französischen Synagoge noch immer um den Verkauf von Mizwot, und der Redakteur der Arch\ verspricht noch immerseine mächtige Hilfe, wenn man sich so weit versteigern wollte, einige Piutim abzuschaffen. Sehr unangenehm wird mün berührt, wenn man das jüdische Blatt Lärm machen sieht, weil das Mitglied der Nationalversammlung, Alcan, am Jom Kippur die Synagoge besuchte, und weil der Kommandant von Paris es den jüdischen Soldaten gestattet hat, an diesem Tage dem Gottesdienste beizuwobnen. Nicht minder ist es absurd, wenn immerfort wiederholt wird (S. 551), die Rabbinen sollen die Mißstände aus dem Tempel schwinden lassen! Die armen Gemeinden, die sich Alles von den Rabbinen .sollen kommandiren lassen, und die armen Rabbinen, die, so wie sie zu kommandiren anfangen, verketzert werden! — (Der Redakteur der Arod., der über die A. Z. d. Jud. Nichts-zu sagen weiß, als — sie liest die Arch. .nicht, sieht nun wohl, daß wir die französischen Quellen benutzen, wird aber eingestehen, daß wir da nichts Sonderliches, zu schöpfen-haben!) —. Franck soll in Paris eine jüdisch-theologische Fakultät organisiren, zu welchem Zweck die Rabbiner- >schule aus Metz dahin verlegt werden soll. Neben vier Lehrstühlen der eigentlichen Studien soll noch ein besonderer der -Kanzelberedtsamkeit errichtet werden. Wie nothwendig dies für die noch in der Kindheit sich befindende französisch-jüdische Kanzel wäre, weiß man längst, wenn die Franzosen nur Ausdauer genug haben, diesen alten Plan endlich einmal auszuführen. Die Metzer regen sich bereits dagegen. —. Die Ared. theilen einen Auszug aus der Rechenschaftsablage des Konsistorialkomilö's zur Unterstützung und Wohlthätigkeit für die Israeliten von Paris aus den Jahren 1846 und 1847 mit. Auch hier werden tiefe Stoßseufzer ausgestoßen, daß die Hilfsquellen sich mindern und die Bedürfnisse sich mehren. Man gesteht zu, daß sich die Franzosen auch nicht im Mindesten mit den Engländern hierin ver-

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