Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 49 (27.11.1848)
- Date
- 1848-11-27
- Page
- Seite 698 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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In allem diesem wird die „Allgemeine Zeitung des Judenthums" auch im Jahre 1849 nach Kräften zu wirken und zu schaffen sich bestreben. Wache halten an dm Marksteinen der Glaubensfreiheit, fördern, wo es immer noch gilt oder von Neuem gelten wird, die Fessel des Neligionszwanges zu brechen; an der Umgestaltung und Erkräftigung der jüdischen Gemeinde den regsten Antheil nehmen; an dem Fortschritt der Reformfragen arbeiten; zur Entwickelung des Geistes immer kräftiger und lebendiger wecken — dies sind die großen Aufgaben, die sie sich gestellt. _ Wir wollen unseren Lesern nicht verhehlen, daß wir in der nächsten Zukunft ihrer ganz besondern, thätigen Theilnahme bedürfen. Die Allgemeine Zeitung des Judenthums hat die Zeit der Gefahr, die für alle literarischen Unternehmungen in der jüngsten Vergangenheit vorhanden war, bestanden. Aber diese Zeit ist noch nicht vorüber. Das vorwiegende Interesse, welches die, politischen Bewegungen auf sich ziehen, und die materielle Noth, welche so Viele zwingt, sich auf's Aeußerste einzuschränken, hierzu endlich die Unruhe in vielen großen Länderstrecken, welche den Buchhandel geradezu abschneiden, stellen jedes literarische Unternehmen in Frage. Um so nothwendiger ist es, alle Freunde desselben zu kräftigster Theilnahme aufzufordern, weil nur dadurch dasselbe bestehen bleiben kann. Wir stehen daher nicht an, auch unsere Freunde darauf aufmerksam zu machen, und sie zu ersuchen, in der nächsten Zeit für uns thätig zu sein, um über diese Zeit der Bewegung hinwegzukommen, auf die sicher eine bessere und glücklichere kommen wird, in welcher jede Verzweigung des arbeitenden Geistes ihren vollen Wirkungskreis sich ungeschmälert wieder erringen wird. Die Redaktion der Allgemeinen Ieitung des Iudenthums. Magdeburg, im November 1848. Inhal t. Leitender Artikel: Die Gegenwart. ZeitungSnachricktenr Frankreich: Paris. Türkei: Konstantinopel. Deutschland: Braunschweig, Hamm. Literarisches: Ueber die Zahl Sieben. Von Emanuel Hecht. . (Fortsetzung.) Korrespondenzen: Debatten über das jüdische Schulwesen. (Fortsetzung.) Leitender Artikel. Magdeburg, 20. November. Die Gegenwart. Was wir befürchtet haben, es tritt immer mehr und immer stärker hervor. Es ist eine traurige Genugthuung, daß wir es waren, die in der Zeit, wo die Sache der Freiheit den kräftigsten Aufschwung genommen, es nicht verbargen, daß an der Dauerhaftigkeit, an dem vollen Bestand noch gezweifelt werden müßte, daß es der Wachsamkeit, des Kampfes noch viel bedürfen würde. Es wird dies nun Alles zur Wahrheit, und die Ungewißheit und die Frage ist größer, als je. Oft frugen wir uns damals: woher kommt es, daß du den allgemeinen Jubel noch nicht theilen kannst? sondern daß Ahnungen in dir aufsteigen, die den freien Athemzug "beengen? Jetzt ist es nicht mehr zweifelhaft, und die Antwort ist gegeben. Oder glaubet Ihr, daß der neue Umschwung, den die Angelegenheiten seit mehr als einem Monat genommen, gerade für die Juden die Zugeständnisse der vorhergegangenen Zeit annehmen, oder gar die Konsequenzen treu und fest wahren werde? Wir glauben es nicht, und die mannigfaltigen Zeichen der jüngsten Tage scheinen uns in unserer Voraussetzung zu bestärken.... ...Wenn wir aber eben in der Zeit der kühnsten Hoffnungen, wo Viele glaubten, das Gespenst des Religionszwanges sei auf immer gebannt, auf ewig vernichtet, diese nicht theilten: wohlan, so soll uns auch die Zeit der neuen Prüfung 1 nicht muthlos, nicht verzagend treffen. Als der Geist der Zeit so stürmisch den Durchbruch sich erzwang, da zweifelten wir an dem Bestände —warum? weil wir meinten, daß er nicht Wurzel genug geschlagen, und Millionen sich vom Rausche überwältigen ließen, ohne daß mehr als die Oberfläche ihres Geistes davon durchdrungen wäre. Jetzt, wo die Gegenschale wieder in die Höhe gestiegen, jetzt bekennen wir im Gegentheile, daß er dennoch wieder zu vielen Raum gefaßt, um mir Nichts, dir Nichts ganz hinweg gewischt werden zu können. Es ist eben der Kampf des Alten und des Neuen, der hin- und herwogt, der, nachdem er Vielen schon für immer entschieden schien, den »Sieg einmal wieder auf jene Seite neigt, bis denn die Kraft wieder erstarkt iss, und, von Neuem den Ausschlag gkebt. :