Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 49 (27.11.1848)
- Date
- 1848-11-27
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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xn. Jahrgang. Allgemeine No. 4S. Ern unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. - Redakteur Verlag von J&r. Ludwig Philippfon, Baumgärtners Buchhandlung Rabbiner zu Magdeburg. ZU Leipzig. Leipzig, den 27. November 1848. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 96 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registersu.s.w. Umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben di« allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig; mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — i Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12.gGr.) für sechs Monate — 22£- Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspcdition für beide Letztere hat sich die königl. sachs. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Anzeige. Die „Allgemeine Zeitung des Judenthums" steht mit dem Neujahr 1849 am BeginnihreS dreizehnten Jahrgangs. Eine bedeutsame Zeit liegt in den vergangenen Monaten hinter ihr, eine Zeit, die im raschen Fluge die äußeren Verhältnisse unserer Glaubensgenoffenschaft über Vieles hinweghob, über das sie in Jahrzehenden nicht hinwegkommen konnte. Aber vollendet ist noch Nichts. Noch ist dennoch nur in einigen Staaten die bürgerliche Gleichstellung zum vollen, unbezweifelten Gesetze erhoben; in anderen sind erst die Grundsätze ganz allgemein angenommen, ne.ben ihnen besteht aber die alte Gesetzgebung noch in voller Kraft. , In jenen Staaten ist der Blick ununterbrochen darauf gerichtet, wie das Leben dem Gesetze entsprechen werde; in diesen schwebt noch die Frage, werden jene Prinzipien in ihren vollen Konsequenzen gesetzlich werden? Und der Kampf mit seinen Schwankungen, und die bedrohliche Lage der Dinge in diesem Augenblick ist Niemandem verborgen'. Wir haben viel erlebt, wir können noch mehr, erleben. Ferner. Gerade wenn das Prinzip der völligen Religionsfreiheit zur unbedingten Geltung kommt, wer sieht nicht ein, daß dann der ganze Bestand der jüdischen Gemeinde in ihrer bisherigen Gestalt einer Umwandelung unterworfen wird? Bei dem Mangel an gesicherten Fonds und bei den großen inneren Spaltungen kann es nicht ausbleiben, daß, so wie die äußeren Zustände etwas ruhiger geworden, der Drang der Neuzeit sich nach innen wendet, und eine entschiedene Umgestaltung zur Bedingung des Lebens machen wird. Ferner, Die Neformfragen des Judenthums sind noch zu keiner Entscheidung gelangt. Mögen sie auch im Augenblick,vor dem politischen und sozialen Sturm in den Hintergrund gedrängt worden sein: sie werden um so schneller hervorkommen, wenn wieder Raum und Zeit vorhanden sein werden. Schon beginnt der Gedanke der Synode immer weiter sich zu verbreiten, und die Ueberzeugung zu schaffen, durch eine Solche zu weiterem Ziele zu gelangen. Endlich. Der Geist steht niemals stille und fordert immer weitere Entwickelung. Und wer könnte leugnen, daß auch im Judenthume der Geist eine neue Bahn sich längst eröffnet und in der jüngsten Zeit kräftig beschritten hat? Da werden aus den alten Schätzen immer wieder neue Kleinodien herausgeschafft, und an das Licht des Tages gefördert. Auch hinter den schnellen Schritten des Weltgeistes in der jüngsten Zeit ist das Judenthum nicht zurückgeblieben , sondern hat gezeigt, daß es seit den ältesten Zeiten mit ihm in dem engsten Bunde lebt, daß er im Judenthume seine eigenste Quelle hat.