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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-11-20 · Heft 48 (20.11.1848) · p. Seite 691

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 48 (20.11.1848)
Date
1848-11-20
Page
Seite 691 (sequence 7)
Language
German
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691 Berufe noch getreulich ob, bis er endlich das Bett zu hüten genöthigt war und, nach mehrwöchentlicher schwerer Krankheit, zur tiefsten Betrübniß seiner wackern und würdigen Gattin und der ihm mit der innigsten Liebe zugethanen Kinder und Enkel, am Morgen des 27. August d. I. seinen Geist zurückgab, dem nach dem Worte unserer Weisen nnrr n« tnm »in nu öirh („Wie Gott liebevoll und erbarmend ist, so sei es der Mensch") nachzustreben, sein stetes Ziel hienieden war! — Bei seiner Bestattung (den 29. August, bi>8 rrtS 'a) hielt auch ein höherer Staatsbeamter christlicher Religion eine eindringliche Rede an seinem Grabe, welches bisher bei der israelitischen Gemeinde allhier noch nicht der Fall gewesen war. Dresden, 10. November. (Privatmitth.) Gestern verstarb alhier ein christlicher Einwohner, Herr Partikulier Seiß, welcher der hiesigen israelitischen Gemeindeschule ein Vermächtniß von 500 Thlrn. und der israelitischen Krankenverpflegungsgesellschaft 100 Thlr. hinterließ. Die. Namen solcher Ehrenmänner verdienen auch in den Annalen des Judenthums genannt zu werden! B. B. glffyaffenfmvQ, 28. Oktober. JnBezug auf die Nachricht, daß der Landrath von Oberfranken die Juden von der Geschwornenliste ausgestrichen, weil angeblich im Talmud geschrieben stehe, daß die Juden immer den Christen zu schaden suchen müßten, enthält die Aschaffenburger Zeitung heute eine von Mitgliedern der hiesigen israelitischen Gemeinde ausgehende Widerlegung, in welcher es u. A. heißt: „Es ist hier nicht der Ort und es hieße auch wahrlich den Stein des Sysiphus wälzen, wollte man auf eine systematische Widerlegung'jener absurden, von graffer Unwissenheit oder boshafter Intoleranz zeugenden Anklage, eingehen. Es kann ebensv wenig unsere Absicht sein, gegen deren Konsequenz, nämlich gegen die Maßregel des Ausschlusses der Juden von der Geschwornenliste hier aufzutreten. Wir überlassen die Regelung dieser Angelegenheit getrost der frankfurter Nationalversammlung, die sich ja bereits mit einer viel größer» und viel intelligentern Majorität, als der Landrath von Oberfranken, für die Gleichberechtigung aller Konfessionen ausgesprochen und diesem Votum dadurch die Weihe gegeben hat, daß sie einen Juden, den edeln Gabriel Riesser aus Hamburgzu ihrem Vizepräsidenten erwählte. Wir bezwecken hiermit lediglich, der Welt und unseren christlichen Mitbürgern gegenüber feierliche Verwahrung gegen die Zumuthung einzulegen,, als bekennten wir uns zu einer Religion, die den Betrug gutheißt oder gar gebietet! Nein, unsere Religion, dieselbe, welche der Welt einen Baruch Spinoza, einen Moses Mendelssohn, einen Ludwig Börne gegeben, stützt sich auf den Dekalog, befiehlt die Uebung des Guten und den Abscheu des Bösen. In Frankreich (und das geben wir den gelehrten Herren Dekanen von Oberfranken sehr zu bedenken) in Frankreich find nicht allein die Juden schon seit langen Jahren Geschworne, sondern es werden in diesem Augenblicke die Geschwornenlisten nach den patriotischen Anordnungen des erst kürzlich abgetretenen jüdischen Justizministers Cremieux von den Generalräthen der Departements angefertigt." München, 7. November. (Privatmitth.) Ein Bericht aus Jchenhausen vom 17. Oktober (No. 45), der die Verhältnisse Baierns bespricht, veranlaßt mich, Ihnen auch Einiges über die Stellung der Juden Baierns mitzutheilen. Es heißt darin: „Ja, wir sind im Wesentlichen noch da, wo wir vor den Märztagen gewesen." Ich bin keineswegs gewillt, diese Aeußerung als eine unrichtige anzukämpfen, erlaube mir aber die Bemerkung, daß etwas Anderes unmöglich wäre, denn das Ministerium hat die Kraft nicht, uns die Emanzipationzu geben oder zu verweigern. Diese Befugniß hat nur der Landtag, welcher erst bis zum 15. kommenden Monats berufen werden wird. Was übrigens unser Ministerium betrifft, so ist es im Ganzen weder ein judenfeindliches, noch ein judenfreundliches zu nennen; allerdings, was unfern Herrn Bürgermeister-Minister Thon-Dittmer betrifft, so hat er — wer sollte es glauben — Abel noch an judenfeindlichen Handlungen übertroffen. So hat er z. B. den zwei israelitischen Wirthen in Schwaben das Recht, die Wirtschaft ferner auszuüben, entzogen, was Abel nicht thun zu können glaubte, da es ein altangestammtes Recht dieser beiden Männer war; doch das ist nur Verschiedenheit in juristischen Ansichten, und unser Bürgermeister-Minister scheint das historische Recht wenig zu beachten. Was aber unsere Minister Heinz und Lerchenfeld betrifft, so waren sie stets Vorkämpfer. für. die Judenemanzipation, ich erinnere an unsere früheren Ständekammern, und es soll wirklich im

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