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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-11-20 · Heft 48 (20.11.1848) · p. Seite 690

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 48 (20.11.1848)
Date
1848-11-20
Page
Seite 690 (sequence 6)
Language
German
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690 Zeiten selbst in Sachsen! — Allerdings stehet uns noch ein Kampf hinsichtlich der Aufhebung der materiellen Beschränkungen bevor, da die sächsische Regierung, nach der gestrigen Erklärung des Ministers v. d. Pforten in der Kammer, darauf bestehet, die Beschlüsse der frankfurter Nationalversammlung nicht so unbedingt anzunehmen, sondern Solche einer nochmaligen Erwägung und nach Befinden wiederholten Berathung der Stände vorzubehalten. Wie es nach solchen Erklärungen mit der deutschen Einheit aussiehet, weiß Gott! — Es wird sich bei Promulgirung der deutschen Grundrechte zeigen, ob die sächsischen Liberalen wirklich liberal sind oder die Freiheit nur so weit wollen, als es ihnen bequemist. Das Merkwürdigste bei der Sache ist, daß gerade die Radikalen dem Ministerio Beifall zollten und am Meisten gegen die freisinnigen Beschlüsse der deutschen Nationalversammlung sich auflehnten, während die Gemäßigten (von den Extremen. „Reaktionäre" genannt), für unbedingte Annahme aller Reichsversammlungsbeschlüffe stimmten. — Wie es heißt wird sich hier auch ein Israelit (Dr. med. Hirschel) bei den nächsten Landtagswahlen als Kandidat aufstellen lassen. Dresden, 10, November. (Privatmitth.) Unsere Gemeinde hat vor nicht langer Zeit in dem Ableben des Herrn Bankier Mendel Schie einen bedeutenden Verlust erlitten und da derselbe, besonders in früheren Jahren, einen großen Theil seiner Thätigkeit israelitischen Angelegenheiten mit Sorgfalt widmete, bis zu seinem Tode durch ungeheuchelte Frömmigkeit und biedern Gemeinsinn gewissermaßen als Zierde und edles Vorbild der hiesigen Israeliten galt, und selbst noch nach seinem Tode durch letziwillig verfügte Kapitalsstiftung alle hiesige israelitische so wie allgemeine städtischeWohlthätigkeitsanstalten und Vereine mit alljährlich an seinem Geburtstage (heute, den 14. Marcheschwan) auszuzahlenden reichlichen Spenden' wohlwollend bedachte, so glaube ich seinem Andenken auch in diesem Blatte einige Zeilen widmen zu dürfen, um so mehr da der Verewigte ein fleißiger Leser der A. Z. d. Jud. war und noch fast bis wenige .Lage vor seinem Hinscheiden die darin enthaltenen Mittheilungen über auswärtige israelitische Zustände mit warmem Interesse entgegennahm. — M. Schie hatte sich, bereits in seiner Jugend (er war im Jahre 1780 geboren) gern mit gemeinnützigen Angelegenheiten beschäftigt, er gehörte daher frühe schon einer sich damals 'hier gebildet habenden „Genossenschaft unverheiratheter Israeliten zur Unterstützung armer und kranker Mitbrüder" an und suchte deren Bestehen, gegen die unstatthafte Opposition der damaligen Gemeindeältesten, 'möglichst zu vertreten.— Bald nach seiner Verehelichung (1802) ward ihm die Leitung der Ostermehlverwaltung übertragen; sein milder und frommer Sinn bewirkte hierbei die Einrichtung zu treffen, daß den Aermeren nicht mehr wie früher bloßes sogenanntes Mittelmehl, sondern dieselbe feine Mehlsorte wie für die übrigen Gemeindeglieder bestimmt war, verabreicht wurde; ein Akt der Humanität, der damals große Anerkennung fand. — Im Jahre 1813 zum Gemeindevorsteher erwählt, verwaltete er dieses Amt bis zum 1.1837 mit der strengsten Pünktlichkeit und Gewissenhaftigkeit; besonders war sein Bestreben minder Bemittelten durch Fürsprache bei den Behörden, bei denen er durch unparteiische Darlegung der Verhältnisse viel. Gewicht hatte, möglichste Erleichterung in.Lasten zu verschaffen. — Obgleich in religiöser Beziehung der strengkonservativen Richtung angehörend, verschmähte er doch angemessene Reformen Nicht und gestattete bereits in der bis zum I. 1840 auf seine Kosten erhaltenen Privatsynagoge Konfirmationen, Abhaltung deutscher Predigten (vgl. Philippson's Predigermagazin, Bd. 2. S.22. 357., Bd. 3. S. 108. 357. rc.), Einführung von Responsen, größere Ordnung i.n Handhabung des Gottesdienstes u. dgl., zu einer Zeit wo derartige Einrichtungen in den übrigen kleinen Synagogen allhier noch nicht durchdringen konnten. — Bei Erbauung der jetzt bestehenden großen Gemeindefynagoge (1840) betheiligte er sich ebenfalls mit Liebe und Pietät und war bis zu seinem Ableben einer ihrer fleißigsten und andächtigsten Besucher. — Durch allgemeines Vertrauen wurden ihm mehrere Verwaltungsämter bei christlichen Wohlthätigkeitsvereinen so wie bei der städtischen Armenversorgungsbehörde übertragen, ingleichen bekleidete er auch die Stelle eines Vorstehers der israelitischen Beerdigungsgesellschaft (rfa 8i2N) und des israelitischen Gevattervereins (maprib man); in diesen Funktionen zeichnete er sich besonders durch Milde, Ausdauer und unablässige Fürsorge für die ärmere Klasse stets aus, so daß seine christlichen Kollegen ihn deshalb hochschätzten und häufig bewunderten. Trotz seines leidenden Zustandes lag er diesem edeln

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