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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-11-13 · Heft 47 (13.11.1848) · p. Seite 679

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 47 (13.11.1848)
Date
1848-11-13
Page
Seite 679 (sequence 11)
Language
German
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679 übrig bleibt.: Und fürwahr, das war des Larmens nicht werth....! Weil aber die Mt sich'nur wie ein Frosch aufgeblasen, uni schnell wieder zusammenzuklappen: darum ist es auch wftder Zeit, daß wir wieder dichten, wieder Novellen und Erzählungen schreiben in schöner Sprache, reichen Gefühlen, lebhafter Schwärmerei u. s. w. Wotan, Leser! Draußen ist es unschön. Der Regen gießt in, Strömen nieder, und klatscht auf das Straßenpflaster; dann und wann erhebt sich ein Windstoß, und bringt die kreischenden Lukenfenster und alle losen Laden und Thüren in Bewegung; die Bäume rauschen ihre letzten welken Blätter herab, und peitschen schon die nackten Ruthen und Zweige einander in's Gesicht; es. ist dichte Dunkelheit -draußen.. .. O komm, mein Leser, greife nach meiner Hand und folge mir. Wenn Du mir nur erst ganz schnell gelobet hast, daß Du, so lange Du mir zuhörst, an nichts Anderes, denken, und weder von den kleinen Büreau's der Redaktionen,. noch von den hohen Tribunen der Nationalversammlungen Dir was vorschwatzen lassen willst — dann schnell hinweg, in eine andere Zeit und in ein anderes Land.... Ha, höher und. schneller als ein Luftballon trag' ich Dich davon, mit reißender Eile über viele Gräber und Trümmer ... hinweg, Ihr drängt Euch hpcvoc, Schatten, nein! nicht Ihr ... die ich wecken will mit meinem Zauberstabe aus der siebenmal versiegelten Schlummerhöhle der Vergangenheit, ich werde sie selbst finden. . . . Wundere Dich nicht, mein Gast in der Gondoliere meiner Phantasie, wundere Dich nicht selbst darüber, daß Du mir folgest: schau, es bleibt zuletzt doch das ganze Kunststück des Menschen, um sich die Gegenwart erträglich zu-machen, die Vergangenheit blank zu scheuern von allem Rost und allen Flecken, , um es mit seiner Mitwelt aushalten zu können, die Reihen der Vorwelt zu mustern.,... Hispania und Jerusalem! O, es. sind die Wunderländer voll Sonnenscheins; dessen Strahlen zwar oft stechen und drücken, aber-doch immer glänzend durch den Weltraum bet Menschheit fahren.... Zwölftes Jahrhundert! jene Zeit, wo die Menschheit Kraft und Geist mit einander vereinigte, und der Geist dachte, wahrend die Hand kämpfte; ja, wo der Mensch sich beugte, tief beugte unter der - Herrschaft — aber unter einer geistigen Herrschaft, und sek es des Aberglaubens, doch wo er sich beugte, sich nur selbst und in voller Selbstständigkeit beugte.... Wundersame Länder! wundersame Zeit zu euch will ich mich und meine Freunde flüchten. Was für gewaltige Erscheinungen thaten sich in jener Zeit kund! wie trieb der Genius der Menschheit seine Pflugschaar mächtig in den Boden und streuete eine Saat in die Furchen, die zum Theil jetzt erst aüfgeht! Das Ritterthum in seiner-höchsten Blüte, in jener Verklärung der Tapferkeit durch' die Minne, durch den Schwur, für jeden Unterdrückten die Lanze einzulegen, und für jeden Schwachen das Schwert zu ziehem Das war damals noch nicht zum privilegirten Raubhandwerk oder zur Don-Quixoterie einer verfaulten Aristokratie herabgesunken. Und neben diesem das Erstehen'des Bücgerthums,. das, eben heraufgewachsen, 'seinen Inhalt in der Freiheit und Selbstständigkeit, im Widerstande gegen den Zufall der Geburt, in Mannhaftigkeit und Rechtlichkeit fand, aber noch weit ab vom Zerrbilde'der Pfahlbücgerschaft und Kramerei stand. Der Glaube, wie er so glühend die Brüst erfüllte, und hinter die erblassende Erde den goldenen Himmelmit morgenröthlichen Pforten malte — aber noch nicht das -düstere Gewand der Hölle um sich geworfen und die Marterwerkzeuge' blütrother Inquisition noch nicht ergriffen hatte. Und die Wissenschaftdie Philosophie, wie sie soeben auf Flügeln frischer Geistesbewegung, voll Ideale und Ziele, -aus langem Winterschlaf sich erhob, aber in ihrer Jugendkraft noch lange nicht die Grenzen der sophistischen Steppen überschritten hatte. Das war eine Zeit! Alles war Kraft, Alles Würde, Alles Bewegung. Und auf diese Zeit können auch wir mit Freude und Stolz blicken. Wenn wir von den zertrümmerten Zinnen Zions unser Auge schweifen lassen bis zu den Tagen der Jetztzeit, wir können es allein ruhen lassen auf jener spanischen Periode, wo die Söhne Juda's in die vordersten Reihen der Geisteshelden drangen, und sich selbst, mitten zwischen die mohamedanische und christliche Welt gekeilt, die Bewunderung und eine ächtbare Stellung bei Beiden errangen. Wie immer, arbeitete der jüdische Genius erst eine Zeit lang unbekannt, 'für sich,- im stillen Schooße der Gemeinden, 'in den niedrigen Hörsälen der Glaubensgenossen — bis er in mächtigen Geistern hervortrat, mit den Edelsten der Zeit Freundschaft und Bündniß schloß, moch strahlte, als es/ich schon in der allgemeinen» Welt wieder zu verfinstern begann- und endlich sank, nachdem Alles gesunken. - Aus jener Zeit, meine Leser, ruft ich Euch zwei Gestalten heraufderen Namen Ihr wol Alle gehört;

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