Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 47 (13.11.1848)
- Date
- 1848-11-13
- Page
- Seite 678 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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§78 sacht hattefandern eher das Gegentheil, als ich Mahrgenommen, daß mir meine Vorreden doch Nichts helfen, und ich selbstdurch sie. die Weltnicht überredete , daß es. etwas Vorzügliches sei, was ich ihr, lieferen Einmal diese. Einsichterlangt, was sollte mir noch ein Vorwort? ,, Und warum werde ich dennoch diesem V.orsatz untreu, und gerade jetzt? - Ich,will es Dir sagen, .Leser — aus Rache, und aus Oppositionsgeist. ' Ich denke, Leser, um von dem Letzter» zuerst zu reden, Du glaubst mit mir, es sei jetzt fürwahr!' keine Zeit, lange Vorreden zu halten/ und Niemand wird' diesen Stand halten, und dem Verfasser dafür Dank wissen. Soll man in einer Zeit, wie die: welche eben draußen ihre vulkanischen. Ausbrüche in feuerrothen Garben, in glühendem Steinregen, in mächtigen Lavaflammenströmen entsendet, daß eine Welt krachend zusammenstürzt, oder stillschaucig.mit Aschenbergen zugedeckt wird r~ soll man im einer solchen Zeit den Leser packen können, muß man ihn.gleich und ganz zu packen., und festzuhalten wissen. Und weil dies der Leser < glaubt, und ich es mit ihm.: darum rhu' ich es gerade nicht.. . . 7 Und zu diesem hartnäckigen Widerspruchsgeiste kommt denn der. Kitzel - der Rache. Ich habe so' oft meine Vorreden in die Welt gesendet, um den Leser auf alle meine Vorzüge und. Herrlichkeiten aufrichtig aufmerksam zu machen, und. er hat sie nur so sich gefallen lassen, und im Grunde haben sie mir gar Nichts geholfen, und ich bin'immer noch kein berühmter Dichter und kein gefeierter Name ... . darum soll er um so weniger davonkommen, je eher. er sie mir diesmal geschenkt hätte. Verwünscht er nun.; mein Vorwort, und kann doch nicht, davon loskommen, so. bin ich befriedigt, ich bin gerächt, der Leser bestraft.... ' Doch, nein! Leser/ laß uns Frieden schließen.. Siehe, es sind noch wenige. Wochen erst, da hielt ich es. für. das Lächerlichste, mindestens steberflüssigste von der Welt: eine .. Dichtung anzulegen und; auszuführen, und sei. e§. die bescheidenste- Novelle. . Eine .große Zeit, so schien es,.. schreitet über -die Weltbühne, ein-. Schauspiel , ein Drama, wie es niemals so - riesenhaft dem Geiste eines Menschen entsprungen. O, die Dichter sind, sp klein, so. winzig. geworden gegen die sonst so verachtete. Wirklichkeit; nicht diese kann mehr von der Phantasie auf ihre Schwingen genommen werden, sondern die Ein? bilhungskraft wird in Zukunft ihr; Feuer,/ihre-Begeisterung,.ihren. Aufschwung allein vom. der. Wirklichkeit.ent-.; nehmen. Wer kann mächtigere Leidenschaften, wer. ge'- waltigern Umsturz, wer kühnem Aufbau sich erde nk en, als er jetzt denken muß, wenüer nur den Aeitereigniffen folget. Ja, jedes Zeitungsblatt wäreine Tragödie im höchsten Pathos, jeder Minister ein Oedip, jeder Parlamentsredner eine Jungfrau von Orleans; die Wilhelm Telle liefen nur so auf der Straße umher. Wozu Gestalten schaffenda' die höchstenauf unermeßlich hohem Kothurn in jeder Volksversammlung hervortreten? Alles, Alles lieferte die Gegenwart: die großen Böfewichter, die Jntriguanten, die grausamen Vater, die falschen Freunde, kurz was das Arsenal der Dichtung enthält und braucht, es ist da, es braucht nicht gesucht zu werden. Wie lächerlich,- da, noch dichten zu wollen!//-. ' ' - ' Wenige Wochen, und es ist anders worden. Ich will es Dir nicht verhehlen, Leser. Es ist mir bereits Alles zum Ekel geworden. - Die ^große/Zeit ist so schnell wieder klein worden, daß die Besten schon wieder gebrochen mit ihr. O nein, es ist Nichts und wird Nichts. Wo die großen Fragen auf die Spitzen der Säbel und die geballten Fäuste wieder gepackt worden; wo - einen Theils der Soldat in seinem Ränzel, andern Theils der Proletarier in seiner Blusentasche die Entscheidung mit sich herumträgt; wo der Geist so tief,: so tief wieder herabgestiegen, daß auf ihn gar. nicht mehr gehört und geachtet wird, und es Schade ist um jedes Pfund Luft, was die Lungen in der Paulskirche, in der berliner Singakademie und an sonstigen Plätzen, wo die Nationalversammlungen ihre Redeübungen haltenverbrauchen da ist fürwahr! die Zeit wieder klein/ sehr klein geworden, und eigentlich noch gar nicht anders. Wo ich nicht hintreten kann^im Namen meines Menschenthums-und im Aufträge'der Wahrheit, wo Alles wieder einerseits das. Spiel der Jntrigue, andererseits der brutalen Gewalt ist: da ist Nichts anders worden,-da ist Alles wieder sehr klein. O Paulskirche, wie hast Du Dich und Deine Zeit verkleinert, welche Niederlage hast Du dem Geiste bereitet! Du konntest: Dich zur Herrscherin^ der Welt erheben, und hast Dich selbsthingestürzt,-wo . . / ' kein Mensch Dich aufheben will. Ja, hast Dich selbst gemordet, und weil dies in so junger Zeit geschehen; ist es fürwahr! lächerlich./ Ich beneide Dich nicht um Deinen-Platz; in der Weltgeschichte. - -! - ' Nein, es ist-Nichts. Es! läuft zuletzt auf ein Bis- ' chen Preßfreiheitein Wenig Bereinigungs recht rc. Hinaus, was mit der Zeit schon Alles wieder zugestutzt und beschnitten wird, daß die Abfälle mehrsind,! als^^was-