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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-11-13 · Heft 47 (13.11.1848) · p. Seite 675

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 47 (13.11.1848)
Date
1848-11-13
Page
Seite 675 (sequence 7)
Language
German
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675 ist es ganz allein, der sich diesen gewaltigen Einfluß auf diese selbst in Momenten eines vollständigen Freiheitsschwindels noch so überaus nüchterne Versammlung schafft; Hier gilt der Kalkül, hier gilt die Berechnung, hier gilt die Disziplin als Solche. Jacoby ist und bleibt übrigens eine ehrenwerthe Persönlichkeit. Die Anspruchslosigkeit dieses mächtigen Parteihauptes wird einen Jeden für ihn einnehmen. Wir können uns mit dem Politiker Jacoby in diesem Augenblicke nicht befreunden, aber wir freuen uns der tiefen Humanität, die in seinem ganzen Wesen liegt und welche keineswegs alle seine Parteigänger mit ihm theilen. Als man nach dem ersten großen Siege der Linken am 7. September auch Jacoby von der Nationalversammlung aus im Wagen nach Hause fahren wollte, gerieth dieser in den eigenthümlichen und, wie wirmeinen, für ihn höchst charakteristischen Widerspruch, daß er als Mensch Bedenken trug, von dieser Ehrenbezeugung, bei der eine Anzahl seiner Mitmen-, schen eine so eigenthümliche Rolle hatte spielen müssen, Gebrauch zu machen, während er als Parteihaupt sich gewissermaßen dazu verpflichtet fühlte. Er soll daher den Anhängern der Linken, welche ihm statt der Droschkenpferde dienen wollten, gesagt haben: „Meine Herren, wenn es Ihnen einerlei ist, mir wäre es lieber, wenn ich zu Fuß nach Hause gehen könnte." Das Volk beschloß hierauf, das humane Bewußtsein ünsers Politikers zu schonen, und Jacoby — durfte zu Fuß nach Hause gehen." —. Bekanntlich hat Jacoby in diesen Tagen, bei Gelegenheit der bekannten Deputation der Nationalversammlung an den König, insbesondere die Augen auf sich gezogen, indem er, da der Präsident auf des Königs Schweigen ebenfalls schwieg, das Wort ergriff. Er hat sich dabei als ein Mann erwiesen, der das Herz auf dem rechten Fleck hat. Seine Kollegen von der Deputation desavöuirten ihn zwar, nachMinisterportefeüilles haschende Herren drangen selbst zum Könige ■, um seine Worte von der Mission der Deputation unterscheiden zu lassen, in der; Nationalversammlung kanzelte man ihn ab — --- Schade, Schade, daß da dem Jacoby die Beredtsamkeit nicht zu Gebote stand., wie hätte er seine winzigen Gegner.; zermalmen können! Aber die- Edelsten selbst aus dem Zentrum haben ihm -Gerechtigkeit widerfahren lassen, und durch'ein "Schreibet ihre Anerkennung ausgesprochen. Wie viele wol den Abend zwischen die Zähne geknirscht: „Der Jude!"? Breslau, 29. Oktober. (Privatmitth.) Hierher hat der talentvolle vr. Goldstein einen Ruf als Prediger bei der Brüdergemeinde in Posen erhalten, welchem derselbe auch gefolgt ist. Wir können der Gemeinde zu dieser Wahl nur Glück wünschen; denn bald ist eine solche rednerische Fertigkeit bei einem so jungen Manne nicht anzutreffen. Zu. bedauern ist, daß unsere Provinz, die doch selbst tüchtiger Redner entbehrt, nicht auf Anstellung und Verwendung solcher Kräfte denkt, und ihre eigenen Söhne in die Fremde schickt. So soll auch Dr. Landsberger, der für die hohen Feiertage nach. Kassel berufen wurde, mit entschiedenem Beifall gepredigt haben,' und sollte auch dieser sehr gewandte Redner der Provinz genommen werden, so wäre dies den Gemeinden, die mit der Wiederbesetzung der vakanten Rabbinatsstelle so lange zögern, nicht zu verzeihen^ Beide, Herren sind ergebene Freunde der vernünftigen Reform. Frankfurt am Main, 23. Oktober. Von der in Frankfurt versammelten Vorsynode ist uns bis jetzt Nichts zu Gesicht gekommen, als folgender Artikel des Fr. I.: „Die auf Anregung eines hiesigen Komite's veranstaltete vorberathende israelitische Sy n o da lv er sa m m lu n g wurde heute hier im israelitischen Andachtssaale eröffnet. Zu derselben haben sich Notabilitäten und Deputationen aus den meisten Theilen Deutschlands eingefunden. Die Versammlung hat Herrn Dr. jur. Marcus aus Mecklenburg- Schwerin, Mitglied der dortigen israelitischen Oberkirchenbehörde, zu ihrem Vorsitzenden, und Herrn Dr. S; Weil von hier zu dessen Stellvertreter erwählt. Der in "der heutigen Vorberathung kundgeLebene Geist hat auf erfreuliche Weise gezeigt, daß die Lösung der religiösen Fragen fortan-von den Gemeinden selbst und nicht blos.won TheoloAn, sondern von den gesinnungstüchtigen Männern aller Stände erwartet wird. § Frankfurt am Main, 25. Oktober. Unter den. Lausenden vüfi Petitionen, welche die Post nach Frankfurt, zu spedirenbat,/ befindet.sich jetzt auch Eine „g eg e n die EmanziWion der Juden". Sie ist verzeichnet No. 4419^.unter den Eingängen .hinter No. 99 der Verhandlungen. - Woher diese Eine? Sie ist eine

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