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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-11-13 · Heft 47 (13.11.1848) · p. Seite 674

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 47 (13.11.1848)
Date
1848-11-13
Page
Seite 674 (sequence 6)
Language
German
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674 wird, sich in mehre aufzulösen und sich frei und selbstständig ihre innere Organisation zu geben, wenn auch unbeschadet den Verpflichtungen, welche die Korporation als Solche kontrahirt hat? — Jedenfalls ist die Finanzkrisis nun durch diesen Regierungsentscheid auf unbestimmte Zeit verlängert, daher die Situation unserer Verwaltung um so mehr eine verzweifelte zu nennen ist, als ein etwas undelikater Gläubiger, der, wie es sich jetzt offenbart, aus purer Eitelkeit und L)stentation zum Bau des Tempels ein unbedeutendes Kapital ä 5 pCt. vörgestreckt, ihr um Rückgabe desselben die Hölle heiß macht, in einem Momente, wo die Möglichkeit hiefür nicht vorhanden. — Unter solchen Wirrnissen und Kalamitäten leiden natürlich die Gemeindebeamten und unter diesen die Lehrer, als permanente Sündenböcke, am Meisten. Denn diese Haben — es lebe die Freiheit! — das Verhungern in naher Aussicht, wenn nicht der blutdürstigen Nemesis der blanke Chaleph in Bälde entwunden, oder auf andere Weise ihnen geholfen wird. Radikal würden freilich nur dann alle ihre Uebel getilgt, wenn die Schule zur Staatsanstalt erhoben und sie als Staatsdiener ihr Gehalt nicht ferner von der Gemeinde beziehen müßten. Wird doch wahrlich keinem Staatsbeamten, trotz aller Revolutionen, im Oktober sein Gehalt pro Juli gezahlt worden sein! Verdenke man's da noch den Lehrern, wenn sie solchem Jammer zu entrinnen streben! Gerne würden sie mit Jrrlands Priestern (welche jüngst die Staatsbesoldung zurückgewiesen) sprechen: „Wir haben den Wohlstand der Gemeinden getheilt, wollen wir auch die Leiden mit ihnen theilen," wenn sie nicht zu allen Zeiten von ihren Gemeinden wie die Meschubodim und Chateisim, wie die Heloten und Parias behandelt -worden waren. Sapienti sat. — Ueber die kirchlichen Verhältnisse in Kurzem. x. Berlin, 30. Oktober. Der §. 5 der Verordnung vom 6. April d. I. verordnet wörtlich: „Die Ausübung staatsbürgerlicher Rechte ist fortan von dem religiösen Glaubensbekenntniß unabhängig." Der Sinn dieses Gesetzes ist so klar und deutlich, daß man, wie der Abgeordnete vr. Kosch in der Nationalversammlung neulich bemerkte, dessen Anzweiflung gar nicht begreifen könne. Das Kammergericht hat sich bisher geweigert, jüdische Auskultatoren bei sich zuzulaffen. Schon der Justizminister Bornemann hat dem Kammergericht aufgegeben, dem Gesetze gerecht zu werden, die Sache sich indeß wegen Mangels einer Eidesform oder dergleichen äußeren Förmlichkeiten bis jetzt verzogen. Inzwischen hatte, obgleich andere Obergerichte die Zulassung jüdischer Glaubensgenossen zum Richteramte nicht beanstandeten, das Kammergericht sich wiederholt an das Staatsministerium gewandt, und von diesem ist Ende der vorigen Woche der Bescheid ergangen, daß die Weigerung des Kammergerichts jedes gesetzlichen Grundes entbehre und dasselbe' daher ohne Weiteres jüdische Glaubensgenossen zunächst als Auskultatoren (die erste Stufe zum Richter- oder Advokatenamte) zuzulaffen habe. Es werden demgemäß zwei schon wartende Aspiranten, der Doktor der Rechte Herr Jonas und Herr Friedländer, eingegeführt werden. ’ —. Der erste Jude, der Mitglied der Akademie der Wissenschaften geworden, vr. pv. P. L. Rieß, hat das Prädikat „Professor" bekommen. Berlin, 6. November. Je öfter jetzt aus den Reihen der Reaktionäre Beschuldigungen gegen die Juden ausgesprochen werden, desto aufmerksamer müssen wir auf diejenigen Glaubensgenossen sein, welche in der Politik jetzt voranstehen. Unter diesen befindet sich sicher vr. I. Jacoby, Arzt, aus Königsberg, Abgeordneter für Berlin, in erster Reihe^ Was dieser für ein Mann sei, ersehe unser Leser — denn wir lieben fremde Quellen, wo man uns leicht der Parteilichkeit zeihen könnte—am Besten aus einem Feuilletonartikel der Köln. Zeit., die wahrlich die Partei, der Jacoby angehört, nicht mit verschönernden Farben malen wird. Dieselbe sagt von Jacoby Folgendes: „Wir wenden uns jetzt der Linken ziu Wer verdiente hier wol mehr zunächst beachtet zu werden,* als jener^ kleine Ostpreuße mit den'scharf markirten jüdischen Gesichtszügen, um den vor jeder wichtigem Sitzung sich die lebhaftesten-Gruppen bilden? Wir brauchen nicht zu sagen, daß wir Jacoby meinen. Sein Einfluß ist besonderer Art, und es möchte in der Geschichte der Parlamente kaum vorgekommen sein, daß er so entschieden einem Privatmanns zu Theil wurde, der die Gabe der Rede, welche hier eigentlich allein entscheidend sein sollte, gar nicht besitzt. Und es ist dies nicht etwa nur ein Mangel an Rhetorik bei Jacoby/nein, es fehlt Hier überhaupt alles Hinreißende und Bewältigende. Der „klare Rektorverstand"

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