Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 47 (13.11.1848)
- Date
- 1848-11-13
- Page
- Seite 671 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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671 Leit. Art., den Sie in der Ä. Zeit. des Jud. mitzutheilen ersucht werden *). „Die Republik und — die Juden. In einem der stets sehr lesenswerthen, leitenden Artikel in No. 241 d. Ztg. werden diejenigen Bestandtheile im Volke aufgeführt, bei welchen die ultrarevolutionäre Idee die meiste Unterstützung finde, es sind: die Polen, das jüdische Element in der Bevölkerung, die große Masse der I u g e n d, die große Zahl literarischer Proletarier u. s. w. Wir halten uns namentlich für verpflichtet und auch, durch unsere näheren Erfahrungen, für befähigt, einige Einwendungen gegen dasjenige vorzubringen, was über das ,,jüdifche Element" gesagt wird, in der Überzeugung, daß der geistreiche Verfasser des Aufsatzes sich hierin gern widerlegt sehen werde. Seine Worte sind, daß das „jüdische Element in unserer Bevölkerung, wo nicht ein leicht gefährdeter Reichthum es dem Wunsch nach Ruhe zugänglich mache, aus Verwandtschaft des Schicksals jetzt der eifrigste Bundesgenosse der Polen" sei. ),Die Juden", so heißt es weiter, „durch eine mehr als tausendjährige Knechtschaft gegen, die Staatsform erbittert, die ihre Unterdrückung legalisirte, glauben die Erinnerung an die Rechtsentziehung, die sie haben dulden müssen, nur mit der letzten Spur der Monarchie auslöschen zu können, und jene republikanische Gleichheit, die nicht blos keine Glaubensunterschiede, sondern überhaupt vom Menschen Nichts übrig läßt, als das nackte Abstraktum der Person, scheint' ihnen die einzig sichere Gewähr gegen den gefürchteten Rückfall in jene Verachtung', die der Pöbel stets gegen das Unglück hegt." Sollten die Juden in der Lhat den hier zuletzt angedeuteten Glauben haben, so wären sie unstreitig nicht nur sehr herzlos, sondern auch thöricht; denn kaum dürfen sie wol von jenem hier geschilderten nackten Abstraktum republikanischer Verhältnisse ein größeres Wohl für sich hoffen, als unter den von der jetzigen Konstitution gewährleisteten, noch auch haben sie zu einem Solchen, oder irgend einem Haffe gegen jede Monarchie einen ihre besonderen Beziehungen betreffenden, vernünftigen Grund, noch endlich, wenn sie ihre Emanzipation dem bessern Sinne der Bevölkerung überhaupt verdanken, können sie beabsichtigen, *) Vgl. unfern zweiten leit. Art. in No. 43 d. I. Redakt. d. A. Z. d. Jud. diese unter dem Ruimder Monarchie mit zu begraben. Ueberwiegend'e Lhorheit und Herzlosigkeit aber sind Eigenschaften, die noch Niemand den. Juden im Allgemeinen vorzuwerfen veranlaßt war. — Ob nun die Juden zunächst wirklich der „eifrigste Bundesgenosse" der republikanischen Bestrebungen der Polen sind, das hätten die posener Ereignisse zeigen müssen. Bezeichnet der Verfasser ferner denjenigen Theil der Juden als Ausnahme, dessen Interessen die des Besitzes sind, so hat er gewissermaßen die Gesamwtheit und Regel zur Ausnahme gemacht; denn bei dem bisherigen Ausschluß der Juden von jeder andern Karriere, mußten sie» fast sämmtlich Handel- und Gewerbetreibende werden und ihre Existenz auf den faktischen Besitz basiren. Sollten die Juden endlich durch den tausendjährigen Druck gegen die bisherige Staatsform wirklich „erbittert" sein, so müßte diese Erbitterung vollkommen dadurch schwinden, daß diese Staatsform geschwunden und eine andere an ihre Stelle getreten ist. Man kann nicht gegen etwas erbittert sein, was nicht mehr existirt. Durchaus aber befindet der Vers, sich darin im Jrrthume, daß er annimmt, jene „Erbitterung" richte sich gegen die Monarchie als Solche und in jeher Gestalt. Die 'Juden halten nie eine ausnahmsweise Veranlassung zur Erbitterung gerade gegen die Monarchie. Denn nicht die Monarchen etwa waren es besonders, die sie unterdrückten und knechteten, sondern der frühere unaufgeklärte Geist ganzer Massen der Bevölkerung, der Eigennutz und Krämergeist, der es verkannte, daß jede.Art von größerer Konkurrenz geistig und äußerlich nur nützlich sein könne. Besonders aber waren es schlechte, oder doch dieser Verhältnisse unkundige Räche der Fürsten, die die Emanzipation so lange, zum Schaden des deutschen Vaterlandes, zurückhielten. Ja, gerade edle Fürsten waren es, bei welchen die Juden in früheren Zeiten oft Schutz gegen Verfolgung fanden. Wie treu aber namentlich die Juden Preußens bisher an dem Throne hingen, davon konnte man sich wol damals, überzeugen, als der Schlachtruf lautete: „mit Gott für König und Vaterland." Denn, wurden ihnen auch in Preußen lange die wichtigsten Rechte entzogen, so würdigten sie doch die Vorth eile einer allgemeinen/ gerechten Staatsverwaltung und sie erkannten dankbar in den Königen Preußens die Träger dieser Gerechtigkeit. Nachdem nun aber endlich das Königthum in Preußen den Fortschritt zur konstitutionellen Mo-