Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 46 (6.11.1848)
- Date
- 1848-11-06
- Page
- Seite 666 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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666 gern widerstehen wir der Versuchung, noch einige andere Punkte zu besprechen, in denen uns der hebräische Ger nius am Eigenthümlichsten entgegentritt. Wir bezeichnen als Solche die Auslassung des Aussagewortes „ist", die Bezeichnung der zueignenden Fürwörter, wie auch den Status conslructus und endlich die Bezeichnung der vom -Verbum abhängigen Satztheile und bemerken, daß man dem Herrn L. schwerlich einen wesentlichen Vorwurf machen kann, sobald man ihm die Berechtigung zugesteht, sein Lehrbuch „mit Beziehung auf Becker's grammatische Grundsätze" auszuarbeiten. Diese wären zuvörderst zu beseitigen, wollte man ihn mit Erfolg bekämpfen. Becker aber ist ja heute Herr des Sprachunterrichts in den Elementarschulen, und er wird es noch lange bleiben. Hier nur ein Wort, um den Unterschied unserer Ansicht von der Becker-Leeserschen anzudeuten. Herr L. - hat eine deutsch-hebräische Grammatik gegeben, wir hätten eine hebräisch-deutsche gewünscht. Herr L. hat gezeigt, daß und wie die hebräische Sprache alle die Kategorien, welche überhaupt in der allgemeinen Natur menschlicher Rede begründet sind, ausdrückt, wir aber meinen, man müsse unbekümmert um jene allgemeinen Gesetze nur danach fragen, welche. Kategorien und wie nur diese geraoe in dieser bestimmten, hebräischen Sprache bezeichnet werden. Denn vermittelst der Sprachen wird weit mehr (weil Alles) ausgedrückt, als von ihr selbst wirklich bezeichnet wird. Nicht das durch die Sprache Ausgedrückte, sondern das von und in ihr Bezeichnet gehört in die besondere Grammatik. Doch gestehen wir, daß Herrn L.'s Auffassungsweise dem Kinde einleuchtender als die unsrige sein Mächte, daß er also das Recht der Praxis für sich hat. Jeder Paragraph in Herrn L.'s Lehrbuche zeigt, daß es ihm nicht genügte, aus anerkannten Werken nur abzuschreiben, sondern daß er selbstständig geforscht hat, wodurch sein Buch einen viel höher» Werth erlangt hat, als den, ein gutes Schulbuch zu liefern. In der Aufstellung der grammatischen Formen wie in der Bestimmung ihrer Bedeutung ist er mit der größten Sorgfalt verfahren (vgl. S. 90, 87 und viele andere Stellen). Nirgends vielleicht sind die Veränderungen, welche die Vokale in psusa erfahren, so genau angemerkt; Vieles ist schärfer oder sorgfältiger angegeben (vgl. S. 30 über fr» und nwV>) als bisher selbst von Gesenius geschehen ist,- so daß Herr L. mit Recht von sich rühmen kann (in seiner hebräischen Vorrede): o-'hsn ''rinnn rvmipa S-iftDSi Es liegt zunächst nur der erste Kursus vor, welcher nur Kal und Niphal giebt, aber durch alle Arten sogenannten unregelmäßigen Verba hindurch' verfolg Möchte der zweite Kursus, wie versprochen ist, bafd folgen! Chajim Steinthal, Dr. ph. Korrespondenzen. Debatten über das jüdische Schulwesen. (Fortsetzung aus No. 31. 32. 35. 36. 37. 38. 40. 41. 42. 43.) XU1. Von der Warthe, im Oktober. Nochmals sehe ich mich genörhlgt, für meine Ansichten von der Simultanschule in die Schranken zu treten, nachdem in No. 40 d. Bl. ein neuer Gegner sich gemeldet. Treten wir ihm näher und sehen, was für Waffen er gegen uns in Anwendung bringt. Zuerst sagt er, die Simultanschule erziehe oberflächlich; dann, in ihr kann das konfessionelle Ziel nickt erreicht werden; ferner, die Gemeinden sind gegen Simultanschulen und endlich, der Fortbestand der Konfessionen bedinge auch die Fortdauer der Konfessionsschulen. Zwischen diesen Gründen ist eine Jdealisirung des jüdischen Lehrers, Ermahnung, diesem Ideale nachzustreben und ein Lobgesang auf die jüdische Religion ringeflochten. Was habe ich darauf zu erwidern? Eine Erziehung ist oberflächlich, wenn sie in ihrer Einwirkung auf den Zögling diesen nicht in seinem innersten Wesen ergreift, die in ihm schlummernden Kräfte zur harmonischen Entfaltung fördert, sondern ihm äußere, der Konvenienz huldigende Formen anlehrt, die wie falsche Farben an der Sonne des Lebens bald erblassen und verschwinden; oder, die das Wachschum des zu erziehenden Objekts, nicht wie es in der organischen Welt naturgemäß, von innen nach außen begünstigt, sondern es groß machen will durch Anhäufung von außen. Was für ein Objekt hat aber die Volksschule bei ihrer erziehlichen Thätigkeit? den Menschen in seiner reinen, göttlichen Natürlichkeit; das Kind. Wird aber Jemand zu behaupten wagen, daß das jüdische Kind mit Anlagen für die jüdische Konfession und das christliche mit Solchen für die Konfession seiner Eltern geboren wird? Wol schwerlich. Die Anlagen zum Gottesbewußtsein und zur Humanität, die in dem unerzogenen Menschen nur in dunkelen Ahnungen vorhanden find, hat die Schule auf geeignete Weise zum vollen, klaren Bewußtsein zu b rin«'