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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-11-06 · Heft 46 (6.11.1848) · p. Seite 667

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 46 (6.11.1848)
Date
1848-11-06
Page
Seite 667 (sequence 11)
Language
German
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667 gen und danach zu handeln, das Kind zu gewöhnm. Thut sie das, dann erzieht sie nicht oberflächlich, sondern g r ü n d l i ch. Die Simultanschule kann das mindestens ebenso gut erreichen, als die Konfessionsschule, und darum ist der Vorwurf der Oberflächlichkeit ganz ungegründet. Daß die Simultanschule keine konfessionellen Zwecke verfolgt, habe ich durchaus nicht bestritten. Die Frage war nur, ob wir Lehrer, big sämmtlich die Schule al§ Staatsanstalt anerkannt wissen wollen, Simultan- oder Konfessionsschulen beantragen sollen. Da das Judenthum dabei nicht nur keine Gefahr läuft, sondern, wie ich zur Genüge dargethan, in seiner Stellung im Staate dadurch nur gewinnen kann; da ich es für'eine nie zu realisirende Zumuthung halte, vom Staate für drei Familien die Errichtung einer Schule zu verlangen; da ich es ebenso für eine lächerliche Jllussion erkenne, daß eine Dreifamiliengemeinde dem Lehrer eine sorgenfreie und gesicherte Existenz je bereiten wird, wie zum Schluß des erwähnten Aufsatzes gewünscht wird: so nahm ich keinen Anstand, mich für die Simultanschule zu erklären, wodurch auch dem jüdischen Kinde -überall die allgemeine Menschenbildung garantirt ist. Wo eine Konfessionsschule'besteht, ist allerdings ihre Aufgabe, auch konfessionelle Bildung ihren Zöglingen beizubringen. Das bewirkt sie nur durch den konfessionellen Religionsunterricht und den im Ebraischen und der jüdischen Geschichte. Oder soll sie auch voy einem jüdischen und christlichen Kettensatz, einem .jüdischen und christlichen Dreieck lehren? Oder soll der jüdische Lehrer die Kalligraphie, Orthographie, Lese- und Sprachregeln nicht nach den bewährten Methoden, sondern auf konfessionelle Weise lehren, und was heißt Letzteres? Etwa die Sätze der konfessionellen Lehren bei den Haaren herbeiziehen und sie da zup Anwendung bringen, wo sie dem naiven kindlichen Verstände als aufgezwungen erscheinen müssen? Durch solche Verkehrtheiten kann die konfessionelle Religiosität nur verlieren. Wol kann und soll die Schule bei dem Unterrichte in den Realien den religiösen Sinn nähren und stärken. Dieser ist aber von der Konfession ganz unabhängig. Hier muß das Meiste das Haus, die fortgesetzte Synagogalerziehung, und nicht die Schule thun,"wril dieEmpfänglichkeit für konfessionelle Bildung erst recht nach dem schulpflichtigen Alter einrritt. Was den Wunsch der Gemeinden betrifft, so ist das sehr gewagt, von den katholischen Gemeinden auf die jüdischen zu schließen. Waren die Petitionen auch aus freiem Antriebe der Gemeinde hervorgegangen, so könnte das nur beweisen, da-ß das konfessionelle Bewußtsein in Folge des bisherigen Regierungssystems noch sehr lebendig ist, und die Abneigung gegen Simültanschulen aus Furcht vor einer Schwächung dieses Bewußtseins entspringt. Ich würde diesen Petitionen die Anträge der Provinzialkonferenzen gegenüberstellen, die fast alle für die Simultanschule votirt haben. Ist es denn aber ein Geheimniß, auf welche Weise jene Stimmung und ihre Manifestationen, hervorgerufen wurden? Ist es denn nicht allbekannt, daß die despotische Hierarchie und das herrschsüchtige Pfaffenthum dahintersteckl? Den jüdischen Gemeinden aber Abneigung gegen Simultanschulen unterschieben, zeugt nur von Mangel an Erfahrung. In der ganzen Provinz Schlesien bestehen nur vier jüdische Konfessionsschulen. Im Posenschen besuchen jüdische Kinder auch da die christliche Schule, wo di« Gemeinden stark genug sindeine zwei- und dreiklafsige Schule zu erhallen, Pleschen, Gratz, Kojanowo, Kosten u. v. A. Und wenn diese Fälle nicht noch häufiger sind, so ist der Grund hiervon nur in dem Widerwillen der christlichen Schulvorstände, die jüdischen Kinder aufzunehmen, nicht auf Seiten der Juden zu suchen. Referent wirkt an einer dreiklassigen jüdischen Konfessionsschule, und die intelligenten Mitglieder der Gemeinde haben ihre Unterschriften für die Kapp- Dicsterwegschen Anträge hergegeben. Aus Sachsen, Brandenburg — Berlin ausgenommen — Pommern und Ostpreußen hat man noch von keiner jüdischen Konfessionsschule gehört. In Westpreußen hat wol der erwähnte Grund viel dazu beigetragen, sie an einigen Orten in's Leben zu rufen. Das vierte Argument ist die Akkomodation an's Leben. Ist aber dieser, nur relativ richtige Grundsatz unbedingt anzuwenden? Den Vorurtheilen und Verkehrtheiten des Lebens kann doch die Schule offenbar nicht huldigen. Betrachten wir nun die Trennung in Konfessionen als eine Unvollkommenheit in den Zuständen der menschlichen Gesellschaft,'und fassen wir den Beruf Israels dahin auf, dieses mißliche Verhältniß einst gänzlich zu beseitigen; so liegt es wol nahe, daß der Israelit jedes zu diesem großen Zwecke/ dienende Mittel ergreifen muß. / Indem wir zugeben, daß die Simultanschüle sich vorzüglich dazu eignet, auf die friedliche Stellung der verschiedenen Konfessionen versöhnend eknzuwicken. Wird sie allgemein eingeführt und erfüllt sie überall ihren Beruf, so ist jener große. Tag ^der Menschenverblüdecung und Uebereinstimmung in den Hauptlehren des Mosais-

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