Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 46 (6.11.1848)
- Date
- 1848-11-06
- Page
- Seite 659 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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650 sein und die in Rede stehende Angelegenheit durch Gemeinde- und Bezirksversammlungen im Volke Boden gewonnen haben wird, die Synode in hiesiger Stadt abgehalten werden soll. Es wurden demgemäß folgende Beschlüsse gefaßt: 1) Eine vorberathende Versammlung soll im Laufe dieses Herbstes veranstaltet werden; 2) Man wendet sich zu diesem Zwecke privatim an bestimmte Männer, um sich ihrer Theilnahme an einer solchen Vorversammlung zu versichern; 3) Diese Männer sollen Gleichgesinnte in ihren Gemeinden oder Umkreisen einzuladen gebeten werden; 4) Sobald man sich einer genügenden Anzahl von Theilnehmern auf dem Privatwege versichert hat, soll dies den israelitischen Gemeinden Deutschlands durch die öffentlichen Blätter mitgetheilt werden, damit dieselben schon an der vorberathenden Versammlung durch Hiehersendung von Vertretern sich betheiligen können. Wir glauben durch letztere Bestimmung jeden etwaigen Vorwurf der Eigenmächtigkeit von uns ferne zu halten und der Sache den Charakter der Allgemeinheit von vornherein zu sichern. Auf den Grund dieser Verhandlung nun sind die Unterzeichneten mit dem Aufträge beehrt, Sie, hochgeschätzter Herr, auf Montag den 23. Oktober d. I. hierher einzuladen und Sie zu bitten, gleichgesinnte Männer in Ihrer Umgebung dahin zu bestimmen, daß sie sich gleichfalls durch ihr Erscheinen dahier an der Grundsteinlegung eines Werkes betheiligen möchten, auf welchem allein, wie wir überzeugt sind, das jüdische Religions- und Gemeindewesen zu neuer Dauer und Festigkeit sich wird erheben können. Wir bitten Sie ergebenst, uns zunächst Ihren Entschluß, ob Sie zu der bezweckten vorberathenden Versammlung sich einzufinden gesonnen sind-, dann aber auch Ihre Ansicht über den in Rede stehenden Gegenstand überhaupt, binnen vierzehn Tagen vom Empfange dieses Briefes an um so sicherer mittheilenzu wollen, als wir nach Punkt 4 der obigen Beschlüsse gehalten sind, noch einige Wochen vor dem bezeichneten Termine die öffentliche Aufforderung ergehen zu lassen. Zugleich^ glauben wir schließlich die Bemerkung anfügen zu dürfen, daß, da dieses Schreiben lediglich den Charakter einer Privatmitthei lung tragen und nur den Zweck haben soll, zu ergründen, ob die angeregte Idee bei Männern von Einfluß in den israelitischen Gemeinden auch lebhaften Anklang finde, Sie es gewiß mit uns für die Zukunftdieser bedeutsamen Angelegenheit nur als sehr nachtheilig erachten werden, wenn von diesem Schreiben Kunde in die Oeffentlichkeit gelangen sollte, bevor wir uns einer entsprechenden Anzahl von Beitretenden würden versichert haben. Hochachtungsvoll zeichnen Dr. Jakob Auerbach. Leopold Beer. vr. Formstecher. Moses B. Goldfchmidt. vr. I. M. Jost. 'Louis Lotmar. Rabbiner Stein, vr. Jakob Weil. Da ausdrücklich in der Zuschrift gesagt worden, es möchte Nichts davon in die Oeffentlichkeit kommen, so konnten wir sie nicht mittheilen. Leider! war es uns aber auch nicht möglich zu dem angegebenen Datum nach Frankfurt zu reisen. Wir hörten Nichts wieder davon, bis das Franks. Journal vom 11. Oktober folgenden Artikel brachte: „Ein neues Zeugniß von der Bedeutsamkeit der geistigen Regung unserer' Zeit auch auf nicht politischem Gebiete erblicken wir in dem Umschwung, welcher sich in der Entwickelung der israelitischen Gemeinde kundgiebr. Bekanntlich haben die zeitgemäß gebildeten Volkslehrer derselben in Deutschland seit Jahren Kultusreformen versucht und angebahnt. Die Erfolge blieben jedoch vereinzelt, und oft wurden sie verkümmert durch Theilnahmlosigkeit oder Parteiung" im Innern, und noch mehr durch Hemmungen von oben herab. Die Hinwegräumung der traurigen Reste mittelalterlicher Gesetzgebung, — hoffentlich bald im ganzen einigen Vaterlande allgemein beschlossen, sicherte auch' hier dem geistigen Leben eine freiere Entfaltung. Schon jetzt erkennt die irNnelen Gemeinden stets wachsame Intelligenz die Nothwendigkeit, Hand an's Werk zu legen, um der großen Aufgabe, welche die Zeit herbeiführt, zu entsprechen. Mit lebhaftem Eifer haben sich Hierselbst eine ansehnliche Anzahl gesinnungsvolle Männer über das Erforderliche verständigt, und der erste Schritt zur Ausführung ist geschehen. Es ist nicht mehr von Reform einzelner Mißstande die Rede; die neu eintretenden Verhältnisse verlangen eine durchgreifende, gemeinsame, gehörig begründete und das religiöse Leben kräftig anregende, so wie zugleich der Zeitbildung zusagende Form deS