Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-10-30 · Heft 45 (30.10.1848) · p. Seite 653

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 45 (30.10.1848)
Date
1848-10-30
Page
Seite 653 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3225551-3225597--09764-3238044
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

kannt, daß dieBildüngsanstaltfür jüdische Lehrer am 7. November s. F.'Eröffnet wird. Als Oberlehrer der Anstalt ist der mitunterzeichnete vr. S. Frensdorfs angestellt. Der volle Kursus ist ein dreijähriger. Die Unterrichtsgegenstände sind vorläufig: Hebräische Sprache, Bibel mitKommentaren, Mischna, Orach chajim, biblische und jüdische Geschichte, Religiondeutsche Sprache und Literatur, Pädagogik, Geschichte, Geographie- Naturkunde, Rechnen, Schreiben und Singen. Nach dem- Betzürfniß der Schüler werden darin-, so wie in der Dauer des Kursus Modifikationen eintreten. Bei der Beschränkung der Mittel können zunächst höchstens zwölf Schüler ausgenommen werden. Dieselben müssen 15 Jahre alt, sittlich- und religiös-unbescholten sein, die nöthigen Vorkenntnisse und Fähigkeiten besitzen und sich darüber durch ein Examen ausweisen. Für ihren Unterhalt müssen sie selbst Sorge tragen; auch müssen ihre Heimathsverhältniffe genügend nachgewiesen sein. ' Das Schulgeld beträgt 12 Thlr. per Jahr; doch kann dasselbe nach dem Ermessen der Kommission ganz oder theilweise erlassen werden. Meldungen sind, soweit Solches noch nicht geschehen, mit den behufigen Zeugnissen unverzüglich bei dem mitunterzeichneten Landrabbiner einzureichen, und haben sämmtliche Aspiranten, behuf der nöthigen Vorprüfung, sich spätestens am 5. . November d. I. Hieselbst persönlich einzufinden. Hannover, den 9. Oktober 1848. Die Kommission zur Verwaltung der Bildungsanstalt für jüdische Lehrer. Unger, vr. Meyer, Adolph Berend, Reg.-Rath. Landrabbiner. Bankier. Salomon Abr. Cohen, Frensdorfs, vr., - Bankier. Oberlehrer. Jchenhauferr (Baiern), 17. Oktober. (Privatrnitth.) Wenn ich seit fast einem Jahre die Verbindung mit Ihrem geschätzten Blatte unterbrochen, so glauben Sie ja nicht, daß es Mangel an Stoff gewesen,. der mir dieses Stillschweigen auferlegt, imGegentheile, des Stoffes in Hülle und Fülle,. aber gerade die Menge des hereindräng enden Stoffes war es, die einem nicht zur ruhigen Fassung desselben gelangen ließ: Und dann,: wer wollte, auch bei dem allgemeinem Sturm und -Drang nach deutscher Einheitein speziell bairisches Interesse geltend machen? Wer wollte in den allgemeinen Freiheitsruf und Freiheitsjubel Mißtrauen schleudern, die das Festhalten an unserer Ausnahmsstellung von Seiten der Verwaltung allerdings in uns hervorrief? Ja, wir sind im Wesentlichen noch da, wo wir vor den Märztagen gewesen. Denn das Zulassen der Juden zu den Wahlen für die Ständekammer war eine nothwendige Konsequenz, hervorgegangen aus den Parlamentswahlen, die man der Kammer gegenüber ohne sich selbst in's Gesicht zu schlagen nicht verleugnen konnte und durfte. Das Zulassen einiger Juden zur Advokatur will nicht viel heißen, es ist eine vereinzelte Maßregel, die in das Ressort des Justizministers Heinz gehört, eines Pfälzers, der, wie alle seine Kollegen aus der Pfalz von jeher sich für unbedingte Gleichstellnng ausgesprochen. Der zäheste Festhalter an unserer Ausnahmsstellung und in dessen Hände vorläufig unsere Sache gelegt ist, das ist der Minister des Innern.' Hat er doch, als eine jüdische Deputation .bei ihm war, etwas vom Messias in die Zähne hineingemurmelt und das Matrikelwesen, oder vielmehr Unwesen wird von dem ehemaligen Bürgermeister der ehemaligen freien Reichsstadt Regensburg zäher festgehalten, als selbst von dem furchtbaren Abel, dem.Hvch gewiß Niemand extravagante humane Ideen zur Last legen konnte und der dennoch gerade in solchen Fällen von der Form absah, was Thon-Dittmer noch nie gethan. Glauben Sie aber nicht, daß wir uns deshalb trüben Besorgnissen für die Zukunft hingeben, bewahre, wir wissen gar wohl, daß die neuen Eichhom's und Scheele's ebenso wenig vermögen als die alten Dittmer's und Stüve's, daß sie Alle Nichts vermögen gegen den lauten Posaunenschall der Zeit, vor dessen Donnern die Mauern des Vorürtheils und der Unduldsamkeit dröhnen und Zusammenstürzen, und sie werden unter ihren Trümmern alle die begraben, welche mit dem schlechten Mörtel ihrer Sophistik und ihrer Unduldsamkeit oder Kurzsichtigkeit sie noch mühsam' zusammenkitten wollen. Ja, es wird Keiner vor der strengen Richterin Z eit bestehen, der ihr nicht bis zu den äußersten Konsequenzen Rechnung trägt, denn Nichts rächt::sich fürchterlicher und schneller als Inkonsequenz; wer die.Freiheit erner einzigen Klasse, habe sie Namen welche , sie wolle, verkümmern kann, der meint esmit'der Freiheit: nicht ehrlich, der-wird bald weiter, gehen, er wird naturgemäß weiter getrie?

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.