Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 45 (30.10.1848)
- Date
- 1848-10-30
- Page
- Seite 651 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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651 von einer Entschädigung die Rede sein, weil ja die Steuer nicht-in-den Säckel von Privaten floß, sondern der Gesammtheit-zu Gute kam; und - die kann doch wo! aufheb'en, wovon sie merkt, daß es ein himmelschreiendes Unrecht sei. Nicht minder falsch ist die Behauptung jener, als sei diese Steuer eine Ausgleichung für anderweitige unzureichende Steuern. Ich habe weder im 20. Gliede Verwandte unter den Juden, noch Gläubiger unter ihnen; aber ich weiß, es giebt ein Proletariat unter ihnen, ein größeres als unter den Christen, ein beklagenswertheres als irgendwo, obwol sie-als Beispiel von Genügsamkeit und rührendem Familienleben dastehen. Diese Steuer ist meist in den Händen von Finanzpächtern; auch unter den Juden giebt es eine Aristokratie, aber keine edle, ritterliche, sondern eine aus ihr Geld pochende, nicht minder hartherzig gegen das jüdische Proletariat, wie gegen das christliche. Lassen Sie uns beweisen, daß die christliche Liebe praktisch werde.Der Abg. Mannheimer hat uns zugerufen: ,,£>, nehmet den Schimpf von uns!" ich aber rufe Ihnen zu: „Meine Herren, nehmet den Schimpf von euch!" Den Bemerkungen wegen der Einquartirung habe ich nur cntgegenzusetzen, daß man auch die GheUo's öffne, welche in der Zeit der Freiheit wenigstens in Prag wieder geschlossen wurden. So Mancher hat darüber geklagt, daß so viele Anarchisten unter den Juden sind; ich aber kann wieder nur im Interesse der Volks-, sreiheit dringend anempfehlen, ihnen die Freiheit zu gewähren; dann können sie 'selbst versichert sein , daß selbst solche Auswüchse, welche die. Verzweiflung an ein Besserwerden' ihrer Zustände hervorgerufen, dann von selbst wegfallen werden. (Ratschender Beifall.) Füster: Die 'Geschichte'hes.Wischen Volkesist eine Leidensgeschichte. Wer die Geschichte kennt, muß in diese Morte Anstimmen. Ich will nicht behaupten, daß das jüdische Volk sichkeines Vergehens schuldig gemacht; aber' wer es kennt, ' muß die Thalsache eingestehen, daß in dem Kinde auch das Ehrgefühl unterdrückt werde, wenn" es' mißhandelt werde',, wie 'kein anderes. Man sagt, das jüdische Völk fröhne der Habsucht: auch andere Völker stöhnen der Habsucht. Aber weny -dem Menschen - Nichts übnI^Ueibt,^ als Handel und' Schacher,' rst es 'dann eist Wunders wenn er der Habsucht' stöhnt? rf : IÖ(>rr' als dunkele Folie gMäüchtz mchk damit^ der Mmant der christlichen Mebe?chellerr leuchte,^sondern charnik die Herrschaft der Christen - desto glänzender hervörtrete^ Es wurde als Blitzableiter gebraucht, woran man oft sein Müthchen kühlte. Die Geschichte des jüdischen Volkes ist eine Leidensgeschichte, die Judensteuer ist ein Beweis" davon. - Sie hateinend religiösen oder vielmehr irreligiösen Anstrich. Sie ist eine Glaubenssteuer, die man gegen eine verhaßte Sekte erlaubt glaubte. Ich will damit nicht sagen, daß nicht auch Christen gedrückt wurden; ein verehrtes Mitglied aus Schlesien hat gezeigt, wie dort noch die ungerechten Stolgebühren eine Christensteuer bilden; aber der Geist, der über so vieles Unrecht den Stab gebrochen, wird auch hierüber den Stab brechen, und die Stolgebühr wird zu Nichte werden. Wir sind Vertreter des demokratischen Prinzips; an dem Tage, als die neue Aera aufging, als man die Fessel brach, kämpften Hunderte von israelitischen Jünglingen für Erringung der Freiheit! Es fielen ihrer verhältnißmaßig mehr als anderer. Die Universität,- die Wissenschaft hat sie emanzipirt. Im Volke tragen sie noch das Joch. Wer Sklaven hält, ist der Freiheit nicht werth; die Judensteuer ist ein Beweis, daß es noch Sklaven giebt; wenn man sie beibehält,, so ist die Freiheit auch gefährdet; denn, -wie der Abg. aus Prag bemerkt: „Wer der Leidenschaft und dem Vorurtheil stöhnt, der ist selbst ein Sklave!" Ich habe nicht geglaubt, nöthig zu haben, die Sache zu beweisen. Ich. habe einen Antrag gestellt, er ist im-Wege der Geschäftsordnung gefallen. Er ging dahin, daß auch die Rückstände erlassen werden; denn ich dachte, daß diese keine große Summe betragen, daß das Unrecht einmal aufhören müsse. Ist die Steuer unrecht, so ist sie .auch unrecht für die Rückstände. Diese Rückstände werden grvßtentheils auf den Armen lasten. Ein Sprichwort sagt: „Doppelt giebt, wer schnell giebt;^ ich-sage: Doppelt giebt,. wer ganz: giebt!- -Ich habe 12 Jahre in einem Lande gelebt/ wo. Napoleon seine schmachvollen Fesseln von den- Israeliten genommen; dort sind sie geheilt worden am .Strahle der Freiheitssonne. Ich appellire an Ihr-Rechtsgefühl-! . Als Vertreter des .Christenthums erkläre ich, dass es keine Sklaven geben darf. - Jesus. Christus hat. erklärt,, daß es blos Brüder gebewirtverehren ihn, er war ihr. Landsmann, und wir haben sie geknechtete Meine Herren, der Genius der Zeit schwebt über uns; er nehme den irrenden Mhasver bei ,drmWirdr- und Isagerz l»Wine Wanderschaft..ist beendet!"- s ^(Allgemeiner, lange^an-