Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 45 (30.10.1848)
- Date
- 1848-10-30
- Page
- Seite 650 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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650 v. Ladenberg ihm mündlich dasVersprechen gegeben, daß. er sich: über den Ehatbestand, unterrichten und danach verfügen werde.. Er bitte seinen Antrag -auf die Tagesordnung vom 5.. November.zu setzen. Den 5. November wird also der Minister bestimmt darauf antworten. Daß also, die Sache , zur -besten Erledigung kömmt, ist: nicht fraglich. ,; Berlin, 21. Oktober. Wie viel Wust selbst in Preußen hinsichtlich der jüdischen Verhältnisse noch hinweg zu raumen ist, giebt sich täglich kund. In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung wurden zu §. 1 des Gesetzes über unentgeldliche Aufhebung von Lasten folgende Amendements eingebracht: Von Baur (Krotoschin): „namentlich auch die persönlichen Abgaben derJüden und die aus der Ablösung derselben hervorgegangenAblösungsrenten. Von Schwonder: „DieAbgaben und Leistungen der jüdischen Gemeinden an Gutsherrschasten und christliche Kirchen, welche für die Genehmigung zur. Niederlassung der Juden, Erbauung von Synagogen und Ausübung des Gottesdienstes entrichtet werden. So weit den jüdischen Gemeinden für die Abgaben von den Gutsherrschaften zugleich -Grundstücke überlassen und dafür nicht ein besonderer Grundzins stipulirt worden, bleibt dieser Zins nach den am Orte für gleiche Grundstücke üblichen Grundzinsen, durch die Auseinandersetzungsbehörden, zwischen den Betheiligten zu reguliren." Stolp, 2. Oktober. (Privatmitth.) In hiesiger Gegend hat sich seit den Märztagen zwischen Juden und Christen eine wahre Verbrüderung hergestellt, und während durch das unselige Gesetz vom 23.Juliv.J. selbst bei den Christen eine Mißstimmung gegen die Juden erregt wurde, weil sie glauben mußten, die Juden verdienten eine solche Zurücksetzung, ist jetzt durch das offene Aussprechen und. durch annähernde Vereine Viel des Guten schon gewonnen. — Innerhalb der hiesigen Gemeinde gehen angemessene Reformen, wie sie der bessere Sinn erheischt, ruhig und besonnen vorwärts, und die hiesige Gemeinde behauptet ihren seit Jahren mit Recht erworbenen Namen einer fr i edli chen noch immer; möge er ihr bleiben! Wien, 5. Oktober. Der Reichstag hat die Aufhebung der .Judensteuer dekretirt. Da uns die stenographischen Berichte fehlen, so können wir nur folgende zwei Reden, - die als die bedeutenderenbezeichnet werden, mittheilem Den- Standpunkt der Redner:als österreichisch en, - wird man leicht erkennen. Borrosch: Mit Schmerz habe ich.ersehendaß die Aufhebung der Judensteuer nicht aus , dem. richtigen Standpunkte aufgefaßt werde. . Das Judenthum in solcher Gestaltung, wie wir es sehen,: ist eine Eiterbeule des Staatsorganismus, .die nur im Luft- und Sonnenbade der Freiheit heilen kann. Ich wünsche es im Interesse der Volksfreiheit selbst, daß die.Völker Oesterreichs selbst beitragen, diese Heilung zu beschleunigen; denn jetzt würde die-Schuld der Unterdrückung eines Volkes auf Oesterreichs Völkern liegen, 'und man ist noch nie.ungestraft ein Unterdrücker, ohne selbst .ein Sklave zu sein, ohne ein Knecht, der Leidenschaften, des Uebermuthes zu werden; die Folge davon war stets Einbuße der Freiheit. Zwar hat das .Gesetz schon die staatsbürgerliche. Gleichberechtigung der Juden ausgesprochen, aber damit-ist noch nicht ihre gesellschaftliche.Amalgamirung herbeigeführt, dazu gehört auch der gute Wille der christlichen Vaterland.sgenossen, die hoffentlich auch im Juden den Heimathsgenoffen betrachten werden; aber an Ihnen, ist es, meine Herren, dies möglich zu machen. — Man hat hier didse Steuer eine Glaubenssteuer genannt; aber ich glaube, daß dies , nicht der Fall ist, sonst wüßte es eine, noch viel herbere Glaubenssteuer geben, nämlich bei den Zigeunern, die noch dazu, großentheils Heiden, sein sollen; allein ich halte diese kränkende Steuer für eine Fremdlingssteuer. Der Jude hat ohne Zweifel das tragischeste Geschick unter, den Völkern. Nationen haben - ihr Staatenrecht. eingebüßt, aber wenigstens haben sie ihre Nationalität bewahrt; diesen Trost hat der, Jude nicht. In Frankreich, ist er Franzose, in Deutschland Deutscher, und doch muß er als ewiger Jude umherwandeln, belastet mit dem Drucke des ewigen Judenhasses,, der-nur erklärbar ist als fortgesetzter Haß. von Jahrhunderten^. Endlich dürfte doch die Zeit gekommen sein, daß er.vom Geiste der Humanität für immer soll begraben sein. Einige meinten, es müßte bei Aufhebung dieser Steuer sofort eine Entschädigung gezahlt werden,. vergaßen aber, daß dies eine auf die persönliche Freiheitsbestrebung haftende Beschränkung sei,>die ich somit durch das Unterthän.igkeitsaufhebungsgesetz vom7. September d. I. aufgehoben betrachte. Es kann um so weniger