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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-10-30 · Heft 45 (30.10.1848) · p. Seite 648

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 45 (30.10.1848)
Date
1848-10-30
Page
Seite 648 (sequence 8)
Language
German
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648. barkeit, oder der Verschuldung gegen Gott auszufprechen, oder dem Eindruck Worte zu leihen, den die Vorstellung des unendlichen, unerforfchlichen Gottes in) der Seele,hervorruft: - was hat da das. Alterthum -aufzuweisen, .das t den Psalmen an einfacher Klarheit, Innigkeit, Tiefe, - Erhabenheit gliche? Was zieht so, wie das Buch Hiob, die ernstesten Fragen zu würdiger Beantwortung aus der Tiefe der Seele an's Licht hervor?^ Woi zeigt sich Alles, was dichterischer Reichthum und Schwung, .sittlicher Ernst, rednerische Eindringlichkeit, .lebendige Betätigung;; des Gedankens vermag, so zu gewaltiger Rede vereinigt, wie in den prophetischen Büchern?. Daß die hebräische Poesie gleichwol dem allgemeinen Interesse ferner gerückt ist, das hat theils die Einseitigkeit einer ältern Aheologie., verschuldet, die Nur dogmatische Beweisstellen, im alten Testamente aufsuchte,, theils die Seichtigkeit einer neuern, welche namentlich zu Ende des vorigen Jahrhunderts von einem poetischen Wahnsinn sich ergriffen.fühlte und bald die alttestamentlichen Propheten als moderne Jmprovisatöris darstellend,-bald durch Umsetzung der Psalmen in lahme Jamben jeden gesunden Sinn abstieß; theils aber liegtdie Ursache jener Interesselosigkeit gewiß auch in dem Umstande, daß uns die alttestamentlichen Dichtungen durch eine lange, zum Theil zu frühe Bekanntschaft mit ihnen zu sehr als tägliches Brod erscheinen, dem man fremdartigere, seltenere Gerichte vorzieht. Jetzt, da ein so offener Sinn für alles Volksthümliche unter uns unleugbar sich regt, da es Rückert so schön gelungen ist, den viel sprödern Schacht der arabischen Volksdichtung für uns auszubeuten, jetzt sehnt man sich nach einem zweiten Herder, der ^auf dem Grunde der seit des Ersten Zeit so weit ^fortgeschrittenen alttestamentlichen Wissenschaft auf's Neue „den Geist der hebräischen Poesie^ seinem Volke deute: und noch mancher Stelle, die jetzt ein spröder Fels scheint, würde, wenn der Stab , des Geistes sie rührte, ein herzerfceuender lebendiger Quell ent-, sprudeln." Zeituttgsvachrichten. Deutschland. Hamburg, Mitte Oktober. (Privatmitth.) SBo; ist mein alter Bekannter, der Risches *), nur geblie- -*) Idiotismus für Judenhaß. j ben?. Ichkann, ihn hier: in meiner liebenVaterstadt,! wo er-noch vor ganz Kurzem aus allen-Fenstern guckte, vor allen Kneipen kneipte,.-inallen Logen saß, auf allen-Straßen umherlief,, gar nicht , mehr auffinden! Ganze Heere von -Petrussen haben diesen ihren Meister beim ersten - zweiten - und dritten Hahnenschrei verleugnet. Kein Mensch -will es gewesen, sein, der diesen Erzdemokraten, diesen.Ur-Ur-Aufwiegler beherbergthat. „Trauen Sie - den Handwerkern nicht, die werden schon wieder losbrechen gegen die Juden, sobald es nur erst an's Zunftwesen geht", ruft mir ein Aristokrat zuder gern meine.Stimme für seine Wahlliste habenwill. -.»Sehen Sie; diese Heuleran, wenn sie könntensie jagten die Juden lieber heute als morgen aus der Stadt", sagt der Demokrat, der mich ungefragt zu den Seinigen zählt. Volk. und Kaufmannschaft,, beideschwören -Stein und Bein, daß„ . hatten sie nur allein zu sagen gehabt, schonlängst wären die Juden, gleich, gestellt. . ' Denken Sie. sich, wo es sich jetzt aufhält, das alte^ kleine. Teufelchen, denken Sie sich! Der Schelm hat sich's bequem gemacht und sitzt ganz abgemagertWar und zitternd, aber doch trocken und wohlbehalten als Mignon zwischen PatchoUli und Neroli, auf Rokokosesseln und Spitzenkissen, m den Boudoirs der aller-, sublimsten, auserlesensten, .exklusivsten Damen. Da sitzt er und wartet auf bessere Zeiten. Klug ausgedacht ist das; denn dies Sanktuarium wird, wol am Längsten ungeneckt bleiben. Er kann noch lange-da sitzen und. uns wie Kaspar dem .Max zuknurren: meinst du, der. Adler sei dir geschenkt?.' . Nein, was .diese Nace vernagelt ist!; Jahre,, Jahrzehende, Jahrhunderte lang thun sie .alles. Mögliche um die Juden, eine Menschenklasse, der sie. eine .noch reichere Begabung - zugestehen.als sie. wirklich besitzt, in-., die äußersten Reihender - Opposition zu treiben,- und nun wundern sie.' sich, ärgern sie sich, daß-die Juden dort sind. Aber was ist auch Alles hier vorgegangen.! . - Zuerst Heckscher, der dem Publikum doch immer für einen Juden gilt, Reichsminister, und selbst von seinen Gegnern als. einer der eminentesten Männer Deutschlands.anerkannt. Dann aber Rießer, der Jude Rießer, der zuerst, das Wort Jude, wieder zu Ehren gebracht hatm Mann, der hier Nichts werden konnte^ als:höchstens: Notar, als Vizepräsident der Nationalversammlung^

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