Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 45 (30.10.1848)
- Date
- 1848-10-30
- Page
- Seite 646 (sequence 6)
- Language
- German
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646 hova's, des eigentlichen Königs des Volkes, durch das Gesetz: es verlangte .einen sichtbaren König, der sie „richte und vor ihnen her ausziehe, wenn sie ihre Kriege führten." Gedrängt von der Gewalt des Augenblickes, willigt Samuel mit Widerstreben in ein solches Nachlassen von der Strenge des Gesetzes, durch welches so leicht ein äußerlich politisches Interesse die Forderungen des göttlichen Gesetzes zurückdrangen konnte. Schon im ersten Könige regt sich das Streben, von diesem Gesetze die königliche Macht unabhängig zu machen; aber es kann nicht aufkommen gegen Samuel, dessen Persönlichkeit in diesem Kampfe in fast furchtbarer Kraft und Größe hervortritt: Saul unterliegt, der Liebe seines Volkes durch den jüngern Nebenbuhler beraubt und von Gott- und Selbstvertrauen verlassen, findet er in finsterm Tiefsinne den Tod durch eigne Hand. Er war nicht das Opfer einer nur das Ihre suchenden Prieste.rherrschaft geworden — dem Stande der Priester hat Samuel niemals angehört — sondern er war der reinen Begeisterung für die Idee der Gottesherrschaft unterlegen. Mit Worten, die kein Hierarch wagen dürfte, tritt Samuel bei Niederlegung seines Richteramtes vor sein Volk: „Siehe hier bin ich, antwortet wider mich' vor dem Herrn und seinem Gesalbten--ob ich Jemand habe Gewalt oder Unrecht gethan, ob ich von Jemands Hand ein Geschenk genommen habe und mir die Augen blenden lassen, so will ich's euch wieder geben." Und sein Volk antwortet aus Einem Munde: „Du hast uns keine Gewalt, noch Unrecht gethan und von Niemands Hand etwas genommen." Und daß jene streng theokrarische Ansicht für Israel gleichwol auch die politisch heilsamste war, bewährte schon die nächste Folgezeit: David sehen wir seine Macht bis an den Euphrat ausdehnen, so wie aber Salomo anderen Reichen sich gleichzustellen suchte und seine Residenz Jerusalem mit dem vollen Glanze der Hauptstadt eines großen orientalischen Reiches umgab, mußte die israelitische Macht zersplittern, wie es durch die nach seinem Tode sofort eintretende Trennung wirklich geschah. Damit war die Hoffnung zernichtet auf plötzliche vollständige äußere Verwirklichung, des Gesetzes, und die, in welchen der Glaube, auf dem es beruhte, lebendig war, mußten ihn ihren Volksgenossen allmälig innerlich zu eigen zu machen suchen: dies war die Aufgabe der Propheten. Sehr mit Unrecht hat man die Weissagung oder gar die Wahrsagung als deren eigentliche Aufgabe bezeichnet und sie deßhalb vielfältig sÄr müssige Träumer gehalten, deren Wesen und Wirken die Mühe einer nähern Betrachtung nicht lohne: kein Volk hat Männer aufzuweisen, die in solcher Zahl, in so ununterbrochener Reihe, so frisch, so unermüdlich, so kräftig in ihre Gegenwart eingegriffen hätten, als die alttestamenttichen Propheten. Kein äußeres Standesanfehen empfahl sie: der Hirte Amos nimmt in ihrer Mitte eine nicht minder würdige Stellung ein, als der Priestersohn Iecemka; denn nur die aus dem innigsten Glauben an den wahren Gott hervorquellende lebendige Begeisterung macht den Propheten. Indem sie nun diese lebendige Begeisterung auch Anderen mitzutheilen suchen, tritt ihnen von zwei Seiten her Hemmung entgegen. Einmal von Seiten derer, die aus Leichtsinn oder Schwäche oder offener Verläugnung des ihnen geoffenbarten göttlichen Gesetzes sinnlicher Selbstsucht sich Hingaben; und hier schont die Freimüthigkeit der mahnenden und strafenden prophetischen Rede die abtrünnigen Großen so wenig, wie das irrende Volk. Auf der andern Seite müßte nicht minder, als diese Ungläubigen, ihr heiliger Zorn die vom Geiste Gottes ebenso sehr verlassenen Blindgläubigen strafen, die rin Bekenntniß des Mundes und ein Werk der Hände sich genügen lassen, von dem das Herz Nichts weiß, und dann sich verlassen auf den Herrn und sprechen: „Ist nicht der Herr unter uns? Es kann kein Unglück über uns kommen." Wurde nun durch diese Hemmnisse ein Zustand des Volkes erzeugt, der die wahren Israeliten nicht befriedigen konnte, so mußte doch auch an diese die Mahnung gerichtet werden, nicht zu verzagen; und so fest, als der Glaube an den lebendigen Gott selbst, und durch kein Leiden erschüttert stand bei den Propheten die Ueberzeugung, daß der Herr sein Volk, das er zum Träger jenes Glaubens erwählt, nie ganz verlassen könne, daß einst auf dem Grunde jenes Glaubens ein neues Leben siegreich erstehen müsse, und als die Chaldäer die politische Selbstständigkeit des jüdischen Volkes vernichteten, da blieb doch der Geist des Volkes lebendig, der gerade im äußern Unglück imyer am Kräftigsten sich geoffenbart hatte. Er erhielt sie unter den Leiden des Exils, inmitten heidnischer Feinde bei ihrem Glauben, und ihre Zuversicht wurde belohnt, als ZyruS die Rückkehr und den Wiederaufbau des zerstörten Tempels gestattete. Unter steten Anfechtungen stellten sie das thrure Heiligthum wieder her: „mit der einen Hand", wie das Buch Nehemia schön erzählt, „thäten sie die. Arbeit und mit der andern hielten sie die Waffen." Freilich konnte die unter persischer Botmäßigkeit vollzogene künstliche Restauration das frische Leben, welches die