Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 45 (30.10.1848)
- Date
- 1848-10-30
- Page
- Seite 645 (sequence 5)
- Language
- German
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m selbst aber schuf'jener Glaube die freieste: Verfassung: Jehova allein: ist. der wahre Herrscher, das Gesetz sein eigentlicher Repräsentant, vor. dem . Allmächtigen und Heiligen sind alle äußeren Vorzüge nichtig, . vor seinem Gesetze, alle Angehörigen seines heiligen-Volkes gleich: die Leviten: nur. die Verwalter des Kultus, die Aeltesten nur die Vollstrecker der auf das bürgerliche Leben sich beziehenden i Gesetze: Ueberhaupt wie. die Israeliten die Gottheit als selbstbewußten Geist.verehrten, so -findet sich bei ihnen auch eine Achtung vor der menschlichen .Persönlichkeit, die im ganzen Alterthum ihres Gleichen nicht hat. Gebrauche, .wie die Tödtung altersschwacher Verwandten, die bei vielen Völkern des Alterthums üblich war, das Aussetzen schwächlicher Kinder, wie es die.spartanische Gesetzgebung forderte, - oder der neugeborenen Mädchen, wie. es unter den mit den Israeliten stamckverwandten Arabern bis auf Mohammed grausame Sitte blieb, wären auf israelitischem Boden unmöglich gewesen., Hier gebietet vielmehr das Gesetz: „ vor: einem grauen Haupte sollst du aufstehn und die Alten ehren," und gerade das verkündet, der.Israelit , mit besonderer Freude, wie Jehova bic; Gewaltigen durch die Hand, schwacher Weiber gebändigt, und wie die Hand des. auf. seinen Gott vertrauenden. Hirtenknaben den Philisterriesen niederschmettert. In dieser ekgenthümlichen Werthlegung auf die .innere Kraft der Begeisterung offenbart sich die geistige Richtung, des israelitischen Volkes besonders deutlich. In Folge 'jener Achtung vor. der Persönlichkeit war denn auch das Loos der Sklaven nirgends , so erträglich, nirgends so durch milde - Gesetze. geschützt, .. wie hier, und■ abgesehen von unseren germanischen Vorfahren, offenbart sich bei keinem Volke des Alterthums so schön die Achtung vordem weiblichen Geschlechte. Diese Achtung ist die. Grundlage eines wahren-Familienlebens,; und die Familie ist. des, Israeliten Heiligthum: damit: sie in. rechter Weise gegründet werde, so ,verboten -Gesetze, die diesem Volke-ganz eigenthümlich sind und ihre Geltung zum Theil bis jetzt behauptet haben, die. Ehe in näheren Verwandtschaftsgraden, damit nicht an die Stelle, freier Wahl, welche verschiedene Elemente zur.Gründung eines neuen kräftigen Stammes verbindet,, gewohnheitsmäßiges,Zusammenbleibm Solcher trete, die eben von Jugend auf.beisammen waren; die schwerste Strafedroht denen, die dies Heiligihum der Ehe befleckten, .und: das Bewußtsein, in einer zahlreichen Nachkommenschaft fortzuleben, ersetzte den Israeliten sogar: die. ihnen fehlende Hoffnung auf Unsterblichkeit. Ausgezeichnet ist ferner das mosaische Gesetz durch! Heilkghalten der Gesetze, auf welchen die eigenthümliche Natur eines Wesens beruht: ein jedes verdient eben Achtung als Geschöpf, des heiligen Gottes. Daher vor Allem jener. Abscheu gegen. die die göttliche Ordnung umkehrenden .unnatürlichen Laster, von welchem selbst das hochgebildete Griechenthum keine Ahnung hatte. Daher.das Verbot, Menschen und Thkere zu verstümmeln, oder durch Zucht von: Bastaröen die göttlichen Gesetze zu stören, daher selbst das Verbot, Stier und Esel zusammenzuspannen, oder zweierlei Frucht auf einem Acker zu ziehen. Und ist nicht das alte.Gesetz.: „du sollst dem Ochsen, der da drischet, das Maul nicht verbinden!" schon weit hinaus über alles das, was man in neuester Zeit gegen Tierquälerei zu bestimmen erst angefangen hat? - Das Gesetz hatte Moses gegeben, das, Land, auf dessen Boden das .Gesetz Grundlage werden sollte für eine selbstständige nationale Entwicklung, sollte Josua erobern. Man hat gefragt: mit welchem Rechte? Vier lange Paragraphen stehen in des ehrlichen Michaelis mosaischem Recht, zum Zeugniß, daß man viel Mühe gehabt hat, diese Frage zu beantworten. Wir fassen uns kürzer, und antworten: mit demselben Rechte, mit welchem vor vier 'Jahrzehenten auf deutsche^ Boden .der.Franke gebot; mit demselben Rechte, mit dem wir jetzt diesen Boden wieder unser nennen dürfen; mit demselben. Rechte, mit dem früher oder spater auf-ihm abermals Feinde aus West oder Ost herrschen"würden, wenn wir wieder unsrer selbst vergessen könnten.; mit demselben.Rechte, .mit welchem auch die Israeliten, sobald sie die.von Gott ihnen gestellte-Aufgabe verkannten , .in alle Welt zerstreut-wurden;, mit dem Rechte, wonach eben der Lebende Recht hat; mit dem Rechte der Weltgeschichte,. die das.Weltgericht ist und auf den Trümmern gesunkener,:-verwesender Stämme frische, kräftige pflanzt, die sie ersehen hat, ihre Mission zu erfüllen.; t Noch in der Richterperkode? ließen die fortdauernden Kämpfe das Volk nicht zu ruhiger innerer Entwicklung kommen; schön aber und charakteristisch laßt die alttestamentliche Darstellung dieser Zeit in den Beispielen der Debora, Gideons, Simsons auch hier den Sieg der Begeisterung über-die Masse hervortreten. Der gewaltige Geist, der die durch den - äußern Kampf zerstreuten und. ihrer geistigen Güter theilweise verlustig gewordenen Stämme auf dem Grunde des Glaubens der Vater, vereinte und so den Anfang machte zur allgemeinem. Verwirklichung des Gesetzes, das Moses gegeben, war Samuel. Dem Volke aber genügte nicht die ideale- Stellvertretung Je-