Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 45 (30.10.1848)
- Date
- 1848-10-30
- Page
- Seite 644 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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zu erheben, auf die. bedeutsamste ünd.ansprechendste Weise darstellt. . . > . - - . Es ist ein altes Wort, daß der Mensch , seine Götter bilde nach sich selbst; und so wird auch , umgekehrt der Schluß von der Auffassung des Wesens seiner Gottheit auf die Anschauung von seinem eigenen Wesen gelten. Vom Israelitismus insbesondere läßt sich mithin voraussetzen, daß er, wie er die Gottheit als selbstbewußten freien Geist auffaßt, auch in dem Menschen .ein selbstbewußtes, .freies geistiges Wesen anerkennen.werde. Daß dies m der That der Fall ist, beweist der zweite Abschnitt des alten Testamentes^ die Erzählung vom Sündenfall. Zur Freiheit erwacht der Mensch nicht eher, als bis in seinem Geiste der Gegensatz zwischen gut und böse aufblitzt. Der indischen Weltanschauung ist dieser Gegensatz als ein in dem Individuum selbst hervortretender und zu versöhnender eigentlich fremd: das Böse ist die Existenz des Endlichen selbst, das Gute die Selbstyernichtung, das Zurückgehen in die Ununterschiedenheit Brahm's, aus der Alles hervorgegangen. Herrschend , tritt, jener Gegensatz im Dualismus der alten Perser hervor; aber als ein in der Gottheit-selbst begründeter,, der darum auf den Menschen mit unausweichlicher äußerer Gewalt einwirkt und ihn somit auch hier zum vollen Genüsse und Gebrauche seiner Freiheit nicht kommen läßt. Nach der israelitischen Urgeschichte dagegen sah Gott nach Vollendung des Schöpfungsweckes, „daß Alles gut war": das Böse tritt in die Melk erst ein mit des Menschen freiem Widerstreben gegen , das göttliche. Gebot. So begegnen wir schon an dem Eingänge des alten Testamentes der von der Einseitigkeit des . Orients wie von der des Okzidents gleichweit: entfernten höher» Ansicht: dem Menschen wird weder zugemuthet, durch unthätiges Versenken in das göttliche Allgemeine seine Individualität zu vernichten, noch wird die Gottheit in eine Menge menschlicher .Gestalten zersplittert, und dadurch, daß sie selbst Theil nimmt an der menschlichen Sünde, die Sünde entschuldigt; sondern in freier selbstständiger Lhätigkeit soll der Mensch sich bewegen, durch Uebereinstimmung aber mit dem heiligen Willen Gottes den Zustand wahrer Freiheit verwirklichen. . Damit waren die Grundprinzipien des Israelitksmus gegeben; folgen wir nun in raschem Gange ihrer historischen. Entwickelung. Moses war dazu berufen, diese allgemeinen Ideen zur Grundlage eines vollständigen nationalen Grundgesetzes zu machen. Eine geistlose Geschichtsbetrachtung, welche-vom der ursprünglichen, innern schöpferischen Tha- Ligkeit ausgezeichneter Geisteskraft keine Ahnung zu haben scheint, und wenn ein. gottbegnadigter Geist seinen - Gedanken ausspricht, Nachweisen, zu müssen glaubt, woher er ihn gestohlen habe, so. z. B. inallem Ernste die Frage aufwirft und mit großer Breite sie. behandelt,, ob der Heiland bei den Pharisäern,: oder Sadduzäern,-oder Essaern, oder Alexandrinern in die Schule gegangen, — diese Geschichtsbetrachtung hat auch herausgebracht, daß Moses seine ganze Weisheit den egyptischen Priestern verdankte, deren Mysterien er, so weit sie für-sein Volk zuträglich erschienenbestens für dasselbe appretirt habe, diejenigen Ideen, von deren Mittheilung er vorerst noch Nachtheile befürchtet, z. B. die von der Unsterblichkeit.weislich in der Tasche behaltend. . Die Einfalt -der alttestamentlichen Darstellung hat auch hier wieder schärfer gesehen, als der Verstand der Verständigen. Nach ihr hat. Moses nicht in diesen heiligen Hallen von Isis und Osiris, . inmitten von heiligen Katzen, Stieren und Krokodilen und Hunds-, schweins- und ibisköpfigen Götzen seine Offenbarung empfangen von dem einzigen, bildlosen Gotte; sondern in die Einsamkeit der Wüste mußte er sich zurückziehen, damit dl> wahrend der Sklaverei , im Herzen des Volkes zurückgedrängte, aber nicht ausgelöschte Idee des von den Vätern schon verehrten rein geistigen Gottes in flammender Helle-ihm wieder aufleuchte. Der. alte eigenthümlich israelitische Glaube war es, der in seinem Geiste wiedecgeboren wurde; was er vom den Egyptern empfing, das war die -Vorstellung einer festen nationalen Einheit und einer geregelten Verfassung, und daß er hierzu auf dem Grunde jenes. Glaubens sein Volk : erzog,, das ist sein, großes Verdienstwelches ihn zum zweiten geistigen' Stammvater seines Volkes macht. . Wenn das erste. Gebot des: Dekalogs befiehlt: ,-bu sollst keine anderen Götter neben mirchaben": und das zweite: „du sollst dir kein Bildniß, noch irgend ein Gleichniß machen;" so ist damit der Glaube-an.die Einzigkeit und Geistigkeit Gottes : deutlich genug an die Spitze der ganzen Gesetzgebung gestellt. Das stolze Selbstgefühl, im Bewußtsein, allein im Besitze dieses Glaubens zu sein, ließ das israelitische. Volk, allerdings eine zu scharfe Gränzlinie ziehen zwischen sich und:der heidnischen Wejt; gleichwol hatte selbst dieser Partikulacismus seine historische Berechtigung, indem er allein dem bei. näherer Berührung - mit heidnischen Nationen stets zum Abfall geneigten Volke das Kleinod seines reinem Glaubens be- I wahren konnte. Inmitten der israelitischen Gemeinde