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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-10-30 · Heft 45 (30.10.1848) · p. Seite 642

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 45 (30.10.1848)
Date
1848-10-30
Page
Seite 642 (sequence 2)
Language
German
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642 dies der Beweist Daß eben 'der Geist lebendiger geworden, der in die bloße Form sich nicht mehr füget. Was wird daher nothwendig fein? Daß dieser Geist immer mehr geweckt und ihm die Richtung auf den geistigen Inhalt des Judenthums immer mehr gegeben werde.- Mit diesen einfachen Sätzen erklärt sich Vieles. Freilich ist dieses Geschäft schwieriger. Formen lasten sich leichter lehren und einprägen, wenn der Mensch einmal'dazu geneigt ist, als Ideen und Liebe zu Ideen. Nach diesen Sätzen tritt nun der Lehrinhalt an die Stelle des Formgesetzes. Was tritt aber an die Stelle jenes äußern Verbandes, welcher den Juden schon durch ihre gemeinsame gedrückte Stellung aufgelegt war? Einfach : ihre Geschichte und das Bewußtsein der Bedeutung derselben. Dies ist ein geistiger Verband, der, wmn er fest geworden, wahrlich nicht minder umschließt und fesselt. Ein solches geschichtliches Bewußtsein zu wecken und festzustellen ist aber jetzt, wo augenscheinlich eine alte Epoche der Iudenheit zum Abschluß, eine neue zur Eröffnung gekommen, der passendste, ja nothwendige Zeitpunkt. Wir werden daher auch hierüber in einigen Artikeln anregend uns auszusprechen suchen. Heute beginnen wir mit den Worten eines Nkchtjuden, eines Christen, eines christlichen Theologen. Es ist höchst bedeutend gerade durch die Aussprüche eines Mannes außerhalb unser die Pforte zu. öffnen. Es ist einmal der Menschen Art, darauf besonderes Gewicht zu legen. Der „Lizentiat und außerordentliche Professor der evangelischen Theologie zu Gießen, Herr vr. Gustav Adolph Ludwig Baur," hielt am, 14. August seine Inauguralrede „über die weltgeschichtliche Bedeutung, des israelitischen Volkes". Auf Verlangen wurdtz dieselbe dem Druck übergeben, undsie kam uns vor einiger Zeit zu. Der Vers. ging davon aus, die Nothwendigkeit des Studiums des alten Testaments im Urtext erweisen zu wollen. Hören wir die größere Stelle der Rede. Wir können nicht sagen, daß die Auffassung eine sehr tiefe ist, aber jedenfalls eine sehr warme, geistreiche, gewandte, und von seinem Standpunkte aus sehr unparteiische. Die Rede, umfaßt die Periode unserer Geschichte, über welche die Schrift selbst Aufschluß giebt. „Das Vaterland des Volkes, welches unter allen Völkern des Altecchums auf-unsere religiöse Weltanschauung und die von ihr abhängigen Lebensverhältnisse entschieden, den bedeutendsten und nachhaltigsten Einfluß geübt und zumal unter allen orientalischen Völkern allein durch seine geistige Richtung auf den Okzident dauernd einzuwirken vermocht hat-ist em Land von etwa 460 Q. M., an Flächeninhalt also das Königreich Württemberg kaum übertreffend. Das Volk selbst ist den aufeinanderfolgenden Kolossen des assyrischen, babylonischen, persischen, mazedonischen und römischen Reiches jedesmal zur Beute geworden; aber wahrend jene Reiche um es in Trümmer, zusammenstürzten, blieb es selbst in seiner Eigenthümlichkeit unerschütterlich stehen, und während jene aus dem Schutte von Jahrtausenden zum Theil jetzt erst mühsam wieder aufgegrabenen Trümmer in räthselhaften Zügen von verschwundener Größe zeugen, ist die Literatur des kleinen israelitischen Volkes für die stolzen Sieger bald ein Gesetzbuch geworden, ja ein Gesetzbuch für Völker, welche die Zügel der Weltgeschichte erst zu einer Zeit ergriffen, da die Israeliten , als Nation zu bestehen längst aufgehort chatten. Schon diese Thatsachen zeigen klar genug, daß die Bedeutung dieses Volkes nichtauf, seine materielle Macht, sondern aus sein geistiges Leben und Wirken sich gründet. Allerdings führten günstige Verhältnisse auf diesem kleinen Raume ein unerhörtes Vylkergewühl zusammen und machten das Land zu einer wahren Brücke zwischen Orient und Okzident; auch in Beziehung auf die geistige Richtung und auf'die Weltanschauung eine solche Brücke zu werden, das eben war die weltgeschichtliche Aufgabe des israelitischen Volkes. Wenn das eigentlichste Wesen des Menschen darin besteht, daß er, über seine individuelle Beschränktheit sich erhebend, die Idee des Allgemeinen ffassen und zu ihr sich in Beziehung fetzen kann, so unterscheidet sich die orientalische Weltanschauung, von der okzidentalischen vorzugsweise dadurch, daß dort das Allgemeine, hier das Individuelle verwiegt. Die Anschauung: nun, wodurch der Iscaelitismus gleichsam' die Ausgleichung der beiderseitigen Ansprüche und die wahre Versöhnung der entgegengesetzten Einseitigkeiten vorbereitete,, war nicht das natürliche Produkt Kanaans und seiner Bevölkerung. Die natürliche Religion, der Kanaaniter hatte als die alles Leben und alle Veränderung begründenden Mächte das zeugende und daS zerstörende Naturprinzip zum Gegenstände der Verehrung, jenes erschien in dem Sonnengotte, als der zeugenden, und der Erdgöttin als der empfangenden Kraft vorzugsweise repräsentier, von diesem galt das Feuer als der. natürliche. Repräsentant;, dort forderte der Kultus die Hingabe des Individuums m

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