Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 44 (23.10.1848)
- Date
- 1848-10-23
- Page
- Seite 634 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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das Muß, man sehnt sich danach, heraus aus dem Schwanken! V Doch ich merke, ich darf mich nicht Hinreißen lassen. Ihr Blatt ist nicht geeignet, das Detail über den Stand der Dinge aufzunehmen, zu sagen/ wo der Feind steht, wie stark er ist, wie sich das Volk der Magyaren erhebt, wie es zum Kampfe zuströmt.... Nur das ist meine Absicht, über unfern, der Juden, Antheil am Kampfe, einige Bemerkungen rasch hinzuwerfen. Was in Frankreich, Holland, Belgien schon längst durch die That erwiesen worden, was die Juden in Deutschland mit ihrem Blute 1813—15, aber allerdings ohne Wirkung, erwiesen haben: das erweisen wir jetzt auch den Völkern des südlichen Ostens, nämlich daß wir Juden dem Vaterlande angehören, in welchem wir unsere Stätte gefunden. Dort steht das Heer des kroatischen Bans, und in demselben sind Juden genug als Kämpfer vorhanden; dort liegt Kroatien, und in demselben stehen die kroatischen Juden in der Nationalgarde, einbrechenden Feinden zur Wehr. Und hier strömen Tausende von Juden in das ungarische Lager, reihen sich unter den Landsturm, achten weder Sabbat noch Festtag zu schanzen, Proviant zu schaffen u. dgl. Sie haben es vergessen, daß man sie höhnend aus den Reihen -er Bürgergarde trieb; sie denken nicht daran, daß man vor wenigen Wochen noch sie überfiel, plünderte, hetzte; sie erinnern sich nicht, daß noch vor Kurzem man ihr Recht anerkannte, aber es dennoch zurückwies — — das Vaterland ist in Gefahr, die Freiheit bedroht — undsie schaaren sich, zu fechten, zu wehren, zu vertheidigen, zu sterben.... Da wird doch die Binde von Eueren Augen fallen, ihr Völker? Da wird doch das Vorurtheil aus Eueren Herzen weichen? Saget Ihr noch, daß wir eine abgesonderte Nation seien, da in den beiden feindlichen Lägern Juden gegen Juden in Waffen stehen? Saget Ihr noch, daß die Juden Sonderinteressen haben und verfolgen, da sie Alles vergessen, nur nicht das Interesse des Vaterlandes und der Freiheit? Und wenn Ihr jetzt vor der großen, herrlichen Thatsache schweiget, wenn die Ruhe gekommen/ werdet Ihr dann wieder so sprechen? ... Ich weiß es nicht, ich bin dessen nicht gewiß — aber wir wollen darum jetzt schon darauf gefaßt sein. ... Allerdings giebt es auch unter uns Solche, die an der schönen Erhebung, an dem großen Aufschwung nicht Theil nehmen — aber Viele, sehr Viele Solcher giebt es auch unter Euch / unter Allen : der Kern der Masse hat. sich herrlich bewährt, und, -während wir Haß und Verfolgung gern vergessen, wollen wir dies nicht vergessen! Magdeburg, 16. Oktober. (Privatmitth.) Im Anfang des laufenden Jahres forderten einige angesehene Mitglieder der israelitischen Gemeinde zu Stockholm den Redakteur dieses Blattes auf: er möge doch an Se. Majestät den König von Schweden ein Schreiben richten, worin er den König um die Förderung der bürgerlichen Gleichstellung der Juden in Schweden angehe und um seine hohe Begünstigung dieser Sache der Gerechtigkeit und Freiheit dringend nachsuche. Zugleich ersuchten sie ihn, ein Exemplar feines Bibelwerks beizulegen, damit der König, von den Bestrebungen der jüdischen Kultur und Wissenschaft Kenntniß nehmend, die Fortschritte des jüdischen Geistes angemessen vor Augen bekäme. Wir standen nicht an, im Beginne des März der Aufforderung jener geehrten Männer Genüge zu leisten, und sandten denselben ein aus dem wärmsten Herzen geflossenes Schreiben und ein Exemplar des Bibelwerkes, welches sie dann auch Sr. Majestät zu überreichen die Ehre hatten. Heute empfingen wir per Post folgendes Schreiben: „Herr Doktor Ludwig Philippson. Ich habe erst ganz kürzlich Ihren Brief vom 15. März dieses Jahres erhalten, nebst Beischluß der von Ihnen herausgegebenen Bearbeitung des uralten Schrift- ., wortes, welche den Beifall so mancher Kenner erlangt hat, und worin Sie sich bemüht haben, das Beste, was gründliche Forscher über den ursprünglichen .Lehrbegriff des alten Testaments gedacht und gefunden, zu erörtern. Ich nehme diese Sendung mit Vergnügen an, und bin Ihnen dankbar für Ihre gegen Mich persönlich geäußerten Gesinnungen so wie die Glückwünsche, welche Sie Mir und Meinem königlichen Hause darbringen. Es ist Mir angenehm diese Gelegenheit zu ergreifen, um Sie, Herr Doktor Philippson, Meines aufrichtigen Wohlwollens zu versichern, und Gott zu bitten, daß Er Sie stets in Seine heilige Obhut nehme. Ihr wohlaffektionirter Oskar. Stockholm, den 4. Oktober 1848."