Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 44 (23.10.1848)
- Date
- 1848-10-23
- Page
- Seite 633 (sequence 5)
- Language
- German
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dieser Zeit, wo unter dem Sturme der politischen Bewegungen jede Wohlthätigkeitsanstalt dem Schiffbruch nahe ist, namentlich eine Solche, welchenur vom Augenblick existirt, und nur von den augenblicklichen Gaben bestehen kann. Zum Erstaunen ist es allerdings, wenn man auf so viele jüdische Stiftungen aus alter Zeit sieht, die, reich dotirt, nur zur Erhaltung von Müssiggängern und Tagedieben dienen, wie die s. g. „Klausen", in deren Meisten auch nicht einmal nach dem Willen der Stifter „gelernt" wird — ich sage, zum-Erstaunen ist es, daß sich in den modernen Juden für eine Anstalt wie die Haindorf'schenoch keine Testatoren und Stifter gefunden haben. Freilich! wäre es Lei ihnen kein frommer Wahn, der die Stiftung bewirkte, es wäre wahrhafte Humanität, wahrhafte Menschenliebe — und die scheint noch immer weit weniger Thatkraft zu besitzen, als der fromme Wahn! — Der 17te und 18te Bericht erstreckt sich über die Einnahmen und Ausgaben von 1843 und 1844. Die Einnahme in diesen beiden Jahren aus der Provinz Westfalen belief sich auf 5395 Thlr., die Ausgaben auf 5126 Thlr., so daß 269 Thlr. Bestand blieb. Hingegen die Einnahme aus der Rheinprovinz nur auf 1211 Thlr., und die Ausgabe auf 2807 Thlr., so daß Dr. Haindorf einen Vorschuß von 1596 Thlrn. geleistet. Beim Abschluß des Jahres 1842 belief sich dieser Vorschuß nur auf 321 Thlr., so daß er also ungeheuer angewachsen. Unter den Gebern bemerken wir Staatsdiener aller Stufen und christliche Wohlthäter von 6 Pf. bis zu 20 Thlrn. Als besondere Geber heben-wir hervor den Rentner E. Marks in Hamm mit 2000 Thlrn.,, den Dirigenten Dr. Haindorf selbst mit200 Thlrn., die Gebrüder Levifon zu Minden mit 96 Thlrn., und den Dbervorsteher Hellwitz zu Soest mit 80 Thlrn. Ehre den Wohlthatern! Neu aufgenommene Schulamtspräparanden sind 23, entlassen wurden nach bestandenem Examen 27. Seit Begründung der An-' statt sind 130 Lehrer ausgebildet worden, und außerdem 2 Verstorbene. Zur-Erlernung von.Handwerken und Künsten sind 24 neu untergebracht, im Ganzen 260 Knaben bereits ausgebildet worden. Eine solche Anstalt von solchen Leistungen darf auch in der bewegtesten. Zeit nicht vergessen werden! Magdeburg, 15. Oktober. (Vermischtes.) 2000 Israeliten sind aus Pesth zum ungarischen Heere gestoßen. Als Pesth verschanzt ward, haben die Juden auch am Sabbat auf's Eifrigste gearbeitet. — Die Voice of Jacob zu London hört auf zu erscheinen. An deren Stelle soll eine Monatsschrift trsöa?a the Anglo-Jewish Magazine treten. Krakau. Krakau, 9. Oktober. Am 2. sind hier die Munizipalwahlen beendigt und 30 Christen und 20 Juden zu ordentlichen Mitgliedern, 9 Christen und 3 Juden zu Stellvertretern gewählt worden; allgemein ist man mit diesen Wahlen zufrieden, da die Meisten das öffentliche Vertrauen besitzen. Wie es allgemein heißt, ist der Bankier und ehemalige Senator Wolff zum Präses, Herr Paprocki zum Vizepräses des Munizipalraths ernannt worden. Ungarn. Pesth, im Oktober. (Privatmitth.) Ich habe es Ihnen schon oft genugbewiesen, daß ich im größten Sturm und Drang um uns herum Ihrer und Ihres. Blattes nicht vergesse. Es könnte fast thöricht scheinen, in einer Zeit, wo Leben, Gut, Vaterland in höchster Gefahr schweben, und jede Stunde Verderben bringen kann, sich hinzusetzen, um in die. Fremde zu schreiben, und zwar an ein Blatt, das zwar zu den bedeutendsten Lebensmomenlen des Judenthums in der Neuzeit gehört, und niemals ermüdete für unser gutes Recht zu kämpfen, aber doch auf dem politischen Kampfplatz der großen Nationen keine Stimme hat. Allein ich fühle es im Innersten, daß auch in der stärksten Brandung man des Freundes nicht vergessen darf, und ein Freund, ein inniger Freund ist. mir dieses Blatt. Ich fühle, daß wir im größten Völkerdrange, an dem wir den hingebendsten Antheil nehmen, dennoch nicht vergessen dürfen das, was der Augenblick auch für uns wiegt, um in einer spätem Zeit darauf zurückweisen zu können. Sie werden aus diesen Worten schon ersehen, daß wir hier muthig sind, wenn auch todesmuthig. Der Kampf, der fürchterlich entbrannt ist, erdrückt uns nicht, nein! er erhebt uns! So nahe der Feind, wir wissen, je näher, je sicherer ist sein Verderben, denn desto mehr gilt es, und im Moment der Entscheidung müssen wir siegen. Es ist ein Herrliches um