Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 44 (23.10.1848)
- Date
- 1848-10-23
- Page
- Seite 632 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Bewußtsein unserer Zeit. Es ist dringend nothwendig, daß dieser Widerspruch beseitigt werde." D'Ester, wird an die Fachkommission überwiesen zur Berichterstattung. Aus der Provinz Preußen, 5. Oktober. Das Concilium generale der königsberger Universität hat im Interesse der Wissenschaft es sich angelegen sein lassen, die Schwierigkeiten zu beseitigen, 'welche seine Statuten bisher noch der Zulassung jüdischer Gelehrten zu akademischen Lehrämtern in den Weg legten. Auf seine Vorstellung hat unser Kultusministerium den israelitischen Prediger vr. Saalschütz zu Königsberg als akademischen Lehrer daselbst angestellt. Herr Saalschütz ist in der gelehrten Welt seit mehr als 20 Jahren als Schriftsteller rühmlichst bekannt. Namentlich hat er noch in jüngster Zeit sich durch sein umfassendes Werk über das mosaische Recht ein bedeutendes Verdienst erworben. Eben diese Disziplin und außerdem die orientalische Archäologie werden zunächst die Gegenstände seiner Vorlesungen ausmachen. Uebrigens ist, wie mir glaubwürdig versichert wird, das ministerielle Rundschreiben, welches die Zulassung jüdischer Gelehrten zu akademischen Lehrstühlen verfügt, zunächst durch die erwähnte Vorstellung der königsberger Universität veranlaßt worden. (Köln. Zeit.) Bemerkung der Red. d. A. Z. d. Jüd. Es ist hier von „Anstellung" die Rede. Ist es, in der Wirklichkeit Anstellung, oder nur Zulassung als Privatdozent? Wir wünschten Nachricht darüber. Posen, im Oktober. (Privatmitth0 Während in den österreichischen Provinzen der Kampf zwischen Deutschen und Slaven immer heftiger entbrennt, bis er unvermeidlich in die hellsten Flammen ausbricht, glüht hier der Vulkan still fort, aber wir können nicht sagen, daß er etwa dem Verglühen entgegengehe. Wie weit es bei uns geht, kann man daraus sehen, daß die'Gegnerschaft bereits in das Materiellste, in Verkehr und Gewerbe, eingreift. Wenn ein Feind in des Feindes Land einrückt, so bekommt er von den Bewohnern desselben doch, auch ohne Requisition, Lebensmittel und Fourage zum Ankauf. Hier aber, im Großherzogthum Posen, ist es weiter gediehen — man will, da man es mit den Waffen nicht vermag, sich durch Hunger und Verarmung vernichten. Diese Weise der Befehdung ist von den Polen ausgegangen, fällt aber'jetzt auf sie selbst zurück. Die Polen thaten die deutschen und-jüdischen Kaufleute und Geschäftsmänner völlig in den Bann, und hatten beschlossen, durchaus von denselben Nichts mehr zu kaufen. Dies sollte die Strafe dafür sein, daß sie nicht das polnische Reich proklamirt haben. Jetzt beschlossen die Juden und Deutschen, auch , von den Polen Nichts zu kaufen, und Getreide, Holz, Vieh rc. allein von deutschen Gutsbesitzern und Bauern zu entnehmen, und es erschienen in diesem Sinne sogar öffentliche Bekanntmachungen. Ohne Wirkung konnte dies nicht bleiben, und jedenfalls konnten es die Juden und Deutschen länger aushalten, als die polnischen Bauern. Die nächste Wirkung war denn, daß die Polen zu prügeln begannen, und so haben einige Juden bei Kurnik bereits die Früchte dieser Zwistigkeiten auf den Leib in sehr empfindlichen Farben gezeichnet erhalten. Die Posener werden aber solange nicht nachgeben, bis die Polen ihr Interdikt aufgehoben. Es handelt sich hier um die einzig mögliche Repressalie, die namentlich in dieser und der bevorstehenden Jahreszeit sehr bedeutsam ist, und die dürfen sie nicht außer Augen lassen. So sind wir hier auf das Gebiet des Naturrechts versetzt, und bewegen uns auf demselben in den ungezähmten Leidenschaften der Bestien. Wo die Gewalt schweigen muß, wirst man sich auf die List. Man will sich gegenseitig zu Grunde richten, es koste was es wolle — ja, man wird zum Ziele kommen — wir werden Alle, Deutsche- Juden, Polen, zu Grunde gehen — wenn wir nicht endlich einmal uns zu verständigen verständig genug werden. Münster, im Oktober. (Privatmitth.) Sie haben in No. 40 bereits aus der Köln. Zeit, einen Bericht über den von vr. A. Haindorf gegründeten und bereits so lange Zeit mit den außerordentlichsten Anstrengungen und persönlichen Aufopferungen erhaltenen „Verein für Westfalen' und Rheinprovinz zur Bildung von Elementarlehrern und Beförderung von Handwerken und Künsten unter den Juden" gegeben. Erlauben Sie mir aus dem soeben erschienenen 17ten und 18ten Bericht einige Data , anzuführen. Wahrlich, diese Anstalt ist so einzig ihrer Art, und hat bis jetzt noch keine gleicher Art zur Seite, daß nicht oft genug die öffentliche Aufmerksamkeit darauf gelenkt werden kann. Dies ist aber um so mehr Pflicht in