Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 44 (23.10.1848)
- Date
- 1848-10-23
- Page
- Seite 630 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225551-3225596--09740-3238019- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
zu Ende zu führen obliegt. Und' hier ist es um so natürlicher, weil sich diese drei Nationen untereinander verschränkt chnbAaHer einander zu' bekämpfen haben, und rxeil.dieD.Nationen in sich keine, organische Einheit gebildet haben, und daher in sich aufgelöst, wenigstens zer- . splittert sind. Wenn es daher an dem einen Ende ruhig geworden, schlagt die Flamme an einem andern Ende auf, während in Frankreich die Schlachten, die in Paris geschlagen werden, für das Ganze entscheiden. ' Als im Februar und Marz die große Bewegung ausbrach, da glaubte man wol mit dem Siege der Volksmacht sei die Sache zu Ende. Die alten Machthaber benahmen sich so, daß man es glauben konnte. Die Einen flohen, die Anderen erkauften ihre Erhaltung mit einer unbegrenzten Nachgiebigkeit, die ständischen Kammern voticten die geforderten Gesetze im Sturme. Aber Zeit gewonnen — man erholte sich^ in zu' vieler Individuen Interesse war der alte Zustand gelegen; zu viele Individuen glaubten bei wenigstens theilweiser Herstellung des allen.Zustandes zu-gewinnen, da sie bei ganz neuen Zuständen eine Rolle zu spielen nicht Kraft genug in sich verspürten; zu viele Individuen hatten schon durch die erste Bewegung in ihrem Besitzstände verloren; zu viele Individuen hatten zu große Furcht vor der Macht, die sich bei Völliger Geltung des Neuen herrschend machen könnte — man sammelte sich, man Äbersah seine Streitkrafte, man beschloß den Kampf von Neuem zu beginnen, um den verlorenen Böden entweder ganz, oder doch zum Theil wieder.zu gewinnen. Die Kanonen, die von S. Elmo auf Neapel ‘ donnerten, gaben das Zeichen des Kampfes. Der Sieg Radetzky's, das Bombardement Prags, die Stärke der Rechten in der Paulskirche und Singakademie, die Erhebung der Slaven in Ungarn und den Nebenländern gegen die Magyaren, setzten das Begonnene fort, und die Putsche der Republikaner in Baden, Frankfurt u. a. O. mit Rohheiten und Gtausamkekten nährten es schnell'und zogen es groß. So erholte sich das alte Prinzip, gewann ein bedeutendes Terran im Schooß der noch schwankenden.Völker selbst wieder, und der Kampf währt fort. . Jetzt ist er an die Ufer der Donau versetzt. . Nachdem, er, die westliche Wasserscheide, des Rheins verlassenglitt ersgn der östlichen der Weichsel,.Moldau und Donau. hinunter. Hier, an dem Brennpunkt der .drei großen Nationalitäten,-chec Slaven, Magyaren und Deutschenin Wien, schlägt er.eine, für den Augenblick entscheidende Schlacht. Im Augenblicke, wo wir dieses niederschreiben, ist er^noch in den Nebel der». Unentschiedenheit gehüstf -^ ^wahrscheinlich/dast Am Augenbjick, Ho Jnsere Leser.dieses Blatt in den Händen haben,, die Stunde der Entscheidung schon' gewesen ist. Sie wissen dann mehr, als wir, weil sie dann schon als Vergangenheit haben, was wir noch als Zukunft. Mag es aber dort aüsfallen, wie es wolle: das wissen wir im Voraus, dann ist es auch noch nicht zu Ende. Wer dort Sieger bleibt-^4der Besiegte wird nur eine kurze Zeit ruhen: dieweil es zu einem Kampfe auf Leben . und Tod geworden; wer dort Sieger bleibt — an einem andern, Ende wird es von Neuem beginnen, weil es ebenzwischen den drei Nationalitäten und innerhalb derselben .noch tausend andere Kampfplätze giebt, auf denen der Streit entbrennen kann und wird. Wo zwei Prinzipien im Kampfe sind, da ist es nicht, wie in den Kriegen der Fürsten, wo man Frieden und Bündnisse schließt zwischen Parteien, die sich eben .mit dem Säbel bekämpften — da ist höchstens eine Waffenruhe, nicht einmal ein Waffenstillstand möglich; da muß es zu Ende geführt werden, bis ein Prinzip auf dem Kampfplatz geblieben, und nur noch der Geschichte angehört. Es liegt dies in der Natur der Sache, nicht etwa der Personen. So sehen wir allerdings noch in eine lange Zeit der Wirrsale hinein, deren Ende nicht abzusehen. Wir können nur noch schwere Kämpfe voraussehen, die zahlloses Familienglücktausend Institute des Friedens verschlingen werden. Aber wer darf sich hiergegen auflehnen? Was hat unser Geschlecht, unser Zeitalter voraus an Anrecht und Anspruch vor den früheren Geschlechtern und Zeitaltern, um eine friedliche Lösung zu fordern? Als der Mazedonier über die asiatische Welt, als der Römer mit eisernem. Schritt und nimmervollen Händen über die zivilisirte Welt-, als die Völkerwanderung über Europa zog, als das Fa.ustcechtgalt, die Religionskriege Hollands, Frankreichs, i Deutschlands Fluren zertraten: schlugen da keine Meyschenherzen, die zerdrückt,, gab es da kein Familienglück, das - zertümmect, keine Institute der Gesittung und Wohlthätkgkeit, die vernichtet wurden? Es geschah dennoch,, und mußte-geschehen. .. So also auch wir dem:.Sturm der Bewegung unterliegen mit unse.rm Einzelglück.-und Einzelbestande, dürfen wir uns beklagen? sind wir:mehr uls die waren, deren:-Staub -jetzt-verweht ist?