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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-10-16 · Heft 43 (16.10.1848) · p. Seite 626

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 43 (16.10.1848)
Date
1848-10-16
Page
Seite 626 (sequence 14)
Language
German
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626 Kollegen in einer Petition baldigst kurfürstl. Ministerium vortragen, er würde dieselbe befürworten und dürften wir vielleicht einer Gewährung entgegensetzen. Diese Aufforderung, so wie die hindurchblickenden günstigen Aussichten für die Ankunft erachtete ich für wichtig genug, um sofört die geeigneten Schritte zu einer Versammlung der Lehrer hiesiger Provinz zu thun, die sich denn aucham 6. d. M. zahlreich dahier einfanden. Bei der Berathung beifolgender Petition, die ich ihnen zur Genehmigung vörgelegt hatte, zeigte es sich aber, daß viele den Ruf der Zeit noch gar nicht recht vernommen: sie scheuten sich um ihre Selbstständigkeit zu kämpfen; sie konnten sich gar nicht recht hineindenken,wieman ohneBevormundung nurleben könne; ja Einige wähnten unsere Religion, die doch schon so vielen Stürmen getrotzt, in Gefahr, wenn den Lehrern größere Selbstständigkeit eingeräumt würde. Da wollte der Eine den Rabbiner, der Andere den Pfarrer erst um Rath fragen. Während-die drei ersten Punkte der Petition, die die materielle Verbesserung unserer Lage bezwecken, ohne weitere Diskussion angenommen wurden, erlitten die-Petita 4, 5 und 6 von Seiten einiger Lehrer außerordentliche Anfechtung, weshalb-denn 4 theilweise, 5 und 6 aber gänzlich gestrichen wurden. Dessen ungeachtet führten die Verhandlungen noch immer zu keinem Resultate. Da wollte es mich denn doch bedünken, daß unsere moralische Stellung nicht weniger traurig sei, als unsere materielle; daß eine Hebung der Erster» eine ebenso unabweisbare Forderung geworden, als der Letzter». Ich. zog deshalb die Adresse, die sich bereits mit Unterschriften zu bedecken begann, wieder zurück, fügte die angefochtenen Punkte auf's Neue hinzu und ließ dieselbe nur von Gleichgesinnten unterzeichnen und an den Ort ihrer Bestimmung abgehen. Indem ich die Petition hier Nachfolgen lasse, ersuche ich meine Kollegen, vornehmlich die im Kurstaate, schleunigst ähnliche Schritte zu thun, gleiche Wünsche ungesäumt höhern Orts vorzutcagen. Möge Gott unserm Bemühen zum Heile derjenigen, von welchen es heißt: nw trpim •’Db, seinen Segen geben! ' Lewisohn. Kurfürstliches Ministerium des Innern! Die Unterzeichneten Lehrer'bitten gehorsamst um materielle und geistige Hebung des vaterländischen israelitischen Schulwesens. Unter den Fragen des Tages nimmt die vom Volksschulwesen unstreitig eine der ersten Stellen ein. Es ist dies -ebenfalls eine der großen -Ercungenschaften der Neuzeit, daß dieser Gegenstand, nachdem er auch in früheren Jahren zuweilen in Anregung gebracht ward, jedoch da man ihn nicht für erheblich genug erachtete, meistens bald wieder fallen ließ, endlich einmal seine Erledigung finden soll. Um so gewisser darf dies' der deutsche Lehrerstand hoffen, als es ihm jetzt vergönnt ist, bei Behandlung dieser für ihn so hochwichtigen Frage seine Stimme ebenfalls vernehmen zu lassen, als er glauben darf, für seine Vorschläge ein geneigtes Ohr, für-seine Wünsche ein willfähriges Herz zu finden; um so zuverlässiger dürfen es , die Lehrer des Kurstaates erwarten, als verschiedene hohe Verfügungen kurfürstlichen Ministeriums des Innern — wozu wir vornehmlich die uns zu innigstem Dank gegen Hochdasselbe verpflichtende Uebertragung der hohen Mission an den Herrn Dr. Gräfe, Vertreter unserer Interessen, Dolmetsch unserer Wünsche zu fein, zählen — uns die sichere Bürgschaft geben, daß unsere Stellung eine andere, eine bessere werden wird.- Obgleich wir nun so wie fast alle übrigen hessischen Lehrer jüdischer Konfession uns bereits an den Adressen und Petitionen der Lehrer überhaupt betheiligt haben; obgleich wir von der Weisheit und Gerechtigkeit einer hohen Staatsregierung mit Gewißheit erwarten dürfen, daß alle Vortheile, die aus der bevorstehenden Reorganisation des Volksschulwesens entspringen, in ihrem ganzen Umfange und in all ihren Konsequenzen auch uns gleich unseren christlichen Kollegen zu Gute kommen werden, ohne Unterschied darauf, ob wir den Gesammtunterricht oder nur gewisse Disziplinen, als z. B. den Religionsunterricht allein zu ertheilen haben, so wie anders unsere Befähigung zur Ertheilung des gesammten Jugendunterrichts durch eine Prüfung dargethan haben, und jenes Verhältnkß also nur in Folge örtlicher Umstände entstanden ist: so erheischten es dennoch unsere eigenthümlichen Verhältnisse als jüdische Lehrer, unsere Wünsche zu hochgeneigter Berücksichtigung nochmals besonders in Folgendem gehorsamst vorzutcagen. Das israelitische Schulwesen bedarf Nothwendig, soll es anders auf eine höhere, blühendere Stufe gelangen, einer materiellen und intellektuellen Hebung. In diesem Satze ist schon Alles enthalten; das Weitere geht als nothwendige Folge von selbst daraus hervor. Wenn der Lehrer von Mangel gedrückt, von Nahrungssorgen gequält wird, wo soll er da die für ein ge-

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