Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 43 (16.10.1848)
- Date
- 1848-10-16
- Page
- Seite 625 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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625 Gemeinde ist, »och dev dortige Kantor, Herr Mag nus, ein tüchtiger Talmudist.- Unterricht ertheilt. Allerdings find die Ausgaben für Synagoge und Schule nicht gering; Mr wo. es; sich um so Wich tige s handelt, darf schon: kein Opfer gescheut werden. Ferner merken wir hier Kalberg, das erst im Jahre 1812 seine Thore den Juden öffnete,, mit. etwa 25 Familien; es hat ein sehr, schönesvor einigen Jahren erbautes Gotteshaus, einen geregelten Gottesdienst (wenn wir nicht irren, mit Predigt) nnd eine ziemlich gute Religionsschule. Belgart hat eirp Religionsschule, an Herrn Jakobsohn einen recht guten Kantor und wird wahrscheinlich auch einen Lehrer und Prediger engagiren. (Köslin brauchen wir hier nicht zu erwähnen. Wer kennt nicht die große Ke hilla Köslin mit ihrem' modernen Reformgottesdienst!) Auch B üt o m hat an Herrn L. Auerbach einen tüchtigen Kantor, nur mit dem Schulwesen will's da nicht sehr fort. Die B uto w. er haben Recht, sehr Recht, daß sie den Kantorvondem Lehrerposten trennen; Beide lassen sich in einer solchen Gemeinde nicht gut vereinen, was die Erfahrunggenugsam dargethan; aber, für die Schule müßte mehr gethan, sie müßte Gemeindeinstitut werden. Dasselbe sollte auch in Polzin geschehen,. das sonst eine ruhige Gemeinde, wo aber durch den leider so oft vorkommenden Lehrerwechsel nicht Viel geleistet werden kann. Seit einem Jahre ungefähr haben die Polziner einen neuen Lehrer, den wir. Segen und Ausdauer wünschen. Doch genug für dies Mal;, mehr über diesen Gegenstand,, sowie namentlich über die anderen Regierungsbezirke Pommerns, will's Gott, späterhin. Heute: nur noch den innigsten. Wunsch, daß man an allen Orten zu der Einsicht gelangen möchte, daß von der Schute, das. Heil ausgehen muß, daß die Schule das wichtigste Institut der Gemeinde, die ganze Aufmerksamkeit, die ganze Fürsorge der Gemeindevorsteher beansprucht,, soll sie Etwas leisten, und daß der Lehrer, soll er sich ganz seinem. Berufe, der Bildung der Jugend weihen könne, eine angemessene, sorgenfreie Stellung haben muß; nur dann werden die Schulen heilige Pflanzstätten sein, durchwehet vom Geiste der Erkenntniß, vom Geiste der Weisheit, erfüllt vom Odem Gottes und unsere Kinder werden heranblühen gleich Bäumchen, gepflanzt ■'äVs V?' an Wasserbächen, die rechtzeitig herrliche Früchte bringen, und man wird mit dem Propheten sprechen können viVw 2^1- 'ii Tpsa Vs ' W —ll. : XII. ■ Fulda, 15. September. Wenn unlängst Einer Ihrer Korrespondenten bemerkte, Sie hätten sich durch die Eröffnung eines Sprechsaals in Ihrem Blatte für jüdisches Schulwesen den Dank aller israelitischen Lehrer Preußens erworben, so hat er gewiß sehr recht, und hätte er richtiger sagen sollen: den Dank aller Lehrer Deutschlands- oder ist Herr de Groote der Meinung, daß Deutschland schon in Preußen aufgegangen sei? — Ich mache sofort Gebrauch von Ihrem unserm Stande so freundlich geöffneten Saale, bitte Sie und. Ihre Leser jedoch um gütige Nachsicht, wenn ich mich ein Wenig breit mache, und den Sprechsaal für eine Woche einmal ganz allein in Besitz nehmen möchte. . Wenn bisher größtentheis nur preußische Lehrer über Maßregeln und Schritte, die die allseitige Hebung des jüdischen Schulwesens kn jenem Staate bezwecken, referier haben, so beabsichtige ich, durch folgende Mittheilung hauptsächlich meine Kollegen im engem Vaterlands, wenn sie nicht schon durch die mächtigen Posaunentäne unserer großartigen Gegenwart erwacht sein sollten, aus dem langen Schlafe dev Apathie, des Sichgehenlassens aufzuwecken, ihnen, wie einst jener Steuermeister gethan, zuzurufen : “jV N» tnp Wp „Was schlaft ihr? auf, rufet," fordert, die Zeit ist da, der Augenblick günstig! Wenn wir die Gelegenheit unbenützt vorübergehen lassen, — wenn wir nicht mit aller Kraft danach streben,, unsere Stellung kn jeder Beziehung zu heben, — wenn wir auch jetzt noch fürchten, durch unser Fordern hier und da anzustoßen, — wenn wir noch immer kein Zutrauen zu uns selbst haben: wahrlich, dann verdienen wir kein besseres Schicksal! Jetzt, wo alle Stande ein besseres Loos zu.erstreben, Gleichberechtigung zu erlangen suchen, — wo unsere christlichen Kollegen mit allen Waffen des Geistes um materielle und moralische Hebung ihrer Stellung kämpfen; da. darf auch der jüdische Lehrerstand nicht zurückbleiben, nicht müßig die Hände in den Schooß legen. Doch zur Sache. - 'Vor einigen Wochen traf der Direktor vr. Gräfe aus Kassel bei seiner Rundreise in Kurheffen, die er im Aufträge des Ministeriums unternommen, um das gesammte Schulwesen in diesem Staate kennen zu lernen, auch hier ein. Bei einer langem Unterredung mit ihm brachte ich auch die traurigen Verhältnisse der jüdischen Lehrer, ihre Hoffnungen, so wie ihre Befürchtungen von der Zukunft zur Sprache,, worauf er mir entgegnen, ich sollte mini Wünsche gemeinschaftlich, mit anderen jüdischen