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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-10-16 · Heft 43 (16.10.1848) · p. Seite 623

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 43 (16.10.1848)
Date
1848-10-16
Page
Seite 623 (sequence 11)
Language
German
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27. Es werden essen die Gedrückten und sich sättigen, Loben den Ewigen, die ihn suchen: Es lebe eur Herz auf immer! 28. Deß denken und wenden zum Ewigen sich alle Enden der Erde, Vor dir werden sich bücken alle Geschlechter der Völker. 29. Denn des Ewigen ist das Königthum, Und Er der Herrscher über die Völker. 30. Es essen und bücken vor ihm sich alle Reichen der Erde, Es beugen sich alle zum Staube Gesunknen, und wer sein Leben nicht fristen konnte. 31. Ihm dienen die Nachkommen, Vom Herrn wird erzählet kommendem Geschlechte. 32. Sie kommen und künden seine Gerechtigkeit Dem nachgeborenen Volke: denn Er vollbracht es. Von keinem Psalm hat man den rechten und einfachen Gesichtspunkt so vielfach und so künstlich verdreht, wie von diesem. Ein höchst bedrängter, all seines Besitzthums beraubter, vom erbittertsten Feinde verfolgter und umringter, und in dessen Hände zu fallen bedrohter, gottgläubiger Mann fühlt sich verlassen, aller Hilfe entblößt. Aber, da sein Bewußtsein ihm sagt, daß er unschuldig unterliege, so durchdringt seine Seele die Gewißheit, daß Gott ihm Rettung schuldig sei. In ihm kämpfen daher diese drei Gedanken: die Größe seines Unglücks und seiner Gefahr, das Anrecht auf die ihm bis jetzt versagte Hilfe Gottes, und die Zuversicht auf diese — bis in diesem Kampfe diese Zuversicht siegt, und ihm die fröhlichste Aussicht in die Zukunft eröffnet. Dies ist der einfache Inhalt des Psalms. Der Sänger 'zeichnet seinen ganzen Seelenkampf und dessen Lösung, indem er ausspricht, was in seinem Herzen lebt. Es ist aber durchaus keine künstliche Reflektion, es ist keine Personifikation u. dgl. So kann nur der sprechen, der selbst mitten in dieser Gefahr, in diesem Leide lebt, den sie in seiner Persönlichkeit selbst betroffen, und der darin noch gefangen ist. Denn Reflektion tritt im Psalm erst da ein, wo sich der Sänger die Zukunft vorstellt, die er daher idealisch schildert. Allerdings ist es aber keine gewöhnliche, es ist eine bedeutende Persönlichkeit, wie dies ja schon durch die Menge- Stärke und Erbitterung seiner Feinde bedingt ist. Diese Persönlichkeit muß das Haupt einer ganzen Partei sein,, daher sich an ihre Rettung eine große Zukunft knüpfen würde. Wer ist nun dieser Verfolgte und Sänger? Kein Andrer, als David selbst, wie die Ueberschrift sagt. Und wann?. Damals, als er' von Schaul, dessen Anhängern und Kriegsleuten verfolgt, in der Wüste umringt, in höchster Gefahr und Noch war, der er nur durch sehr eigenthümliche Ereignisse entging. Man lese nur 1 Schem. 23—26, und man. wird nicht allein die ganze Situation, sondern auch die nächsten Anklänge für unser» Ps. wiedersinden. Die Gefahr ist genau gezeichnet. Schaul trachtete nach David's Leben, 1 Schem. 23, 15. Dreimal war D. von Schaul so umringt, daß er ihm kaum entgehen konnte, 1 Schem. 23, 7. 26 (ausdrücklich). K. 26. David war verjagt, von seinem Hause, seinem Besitzthum getrennt, zu Mangel und Entbehrung in die Wüste getrieben, so daß die Schilderung, sobald man das Bildliche abstreift, ganz auf ihn paßt. Er konnte sagen, daß sein Alle spotten (D. 8.), wenn man z. B. den Hohn Nabal's vergleicht, daselbst 25, IO. Seine Verfolger zeichnet er als einen Löwen, Stiere und Hunde; dieser Löwe ist kein andrer als Schaul, die Stiere und Hunde die Führer und Kciegsleute desselben. Wenn er V. 7. sagt, „ich bin ein Wurm", so vergleiche man, wie er 1 Schem. 24, 15. 26, 20. sich einen Floh, ein Rebhuhn, einen tobten Hund mennt. Wenn der'Ps. V. 4. die Loblieder Gottes in Jisrael erwähnt, V. 23. Gottes Preis „seinen Brüdern, mitten in der Versammlung" verkünden will nach der Rettung, so erinnere man sich an 1 Schem. 26, 19., wo D. zu Schaul sagt: ...„wenn es Menschensöhne sind, so seien sie verflucht vor dem Ewigen, weil sie mich vertrieben, daß ich mich nicht anschließen darf dem Besitzthum des Ewigen, sprechend: geh, diene fremden Göttern!" so daß also D. Nichts schmerzlicher empfand, als. von jisr. Gemeinschaft und Gottesdienst ausgeschlossen zu sein, also als die nächste Folge, seiner 'Rettung den Wiedereintritt in die Versammlung der Jisr. betrachten mußte. Vgl. auch V. 26. Nicht ohne Seitenblick auf Schaul scheint V. 29 gesagt: „des Ewigen ist das Königthum." Erwägen wir nun noch, wie in diesem ganzen Ps. kein Wort, nicht die geringste Andeutung von der Vernichtung oder nur Bestrafung der ihn so sehr verfolgenden Feinde vorkommt, wie alle Bitte, aller Herzenswunsch sich lediglich auf die Rettung aus der Hand der Feinde beschränkt: so 'haben wir ganz den Sinn David's, der niemals eine Niederlage Schaul's wünschte, und noch im Auslande mit eigener Gefahr der Sache Jisrael's diente, 1 Schem. 23, 4. K. 27. Eine Frage bleibt übrig:

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