Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 43 (16.10.1848)
- Date
- 1848-10-16
- Page
- Seite 618 (sequence 6)
- Language
- German
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ZeitUngsnachrichten. Deutschland. Frankfurt am Main, 2. Oktober. Als eines der wichtigsten Ereignisse kann wol angesehen werden, daß Rießer in der heutigen Sitzung des deutschen Parlaments zum zweiten Vizepräsidenten der deutschen Nationalversammlung mit 225 unter 268 Stimmen gewählt worden. Er, der, wie er in seiner jüngsten Rede selbst sagte, vor dem März nicht Nachtwächter in seiner Vaterstadt werden konnte, ist jetzt zweiter Vizepräsident der, Deutschland die Verfassung gebenden Versammlung. Es ist das eine wahre Inkarnation der Emanzipation, die der Ven fechter der Letztem selbst erlangte — ein Glück, das selten öffentliche und allgemeine Bestrebungen krönt. Wien, 29. September. Das heutige Abendblatt der „Wiener Ztg." giedt den Entwurf der Grundrechte, wie Solcher vom Konstltutionsausschusse dem Reichstage vorgelegt ist. Wir theilen daraus folgende Paragraphen mit: „§. 1. Alle-Menschen haben gleiche, angeborene und unveräußerliche Rechte, deren wichtigste sind: das Recht auf Selbsterhaltung, auf persönliche Freiheit und Unbescholtenheit und auf Förderung des eigenen geistigen und materiellen Wohles. Die Ausübung dieser Rechte findet nur in den gleichen Rechten jedes Andern ihre natürliche und nothwendige Beschränkung. §. 12. Volle Freizügigkeit im Staatsgebiet. §. 15. Freiheit des Religionsbekenntnisses. §. 16. Es giebt keine Staatskirche. §.17. Die Religionsverschiedenheit begründet keinen Unterschied in den Rechten und Pflichten der Staatsbürger. §. 18. Zivilehe, nicht gehindert durch Verschiedenheit des Religionsbekenntnisses. §. 19. Lehrfreiheit. Der öffentliche Unterricht unentgeltlich. Keine religiöse Gellschaft hat leitenden Einfluß auf öffentliche Lehranstalten." Werden diese Paragraphen, und dies ist nicht zweifelhaft, angenommen: aus welcher Kechtschaft sind dann die Juden Oesterreichs mit einem Male erlöst! Weg der Judenzoll, weg die Einschließung in Provinzen, Städte- Ghetti's, weg die Matrikel, die Bewilligung — freie, freie Menschen und Bürger sind sie! Es ist unendlich viel! Lübeck, 5. Oktober. (Privatmitth.) Es ist doch überaus merkwürdig, wie überall das Schicksal der Juden Mit dem StwHdes:' allen Regime's eÄg blinden ist. Auch hier spielt fetzt dieses-Drama, und wird bald zur Entscheidung kommen. Die Geschichte der Juden in Lübeck ist kurz. Sie duldete niemals Juden auf ihrem. Gebiete, und selbst der Aufenthalt in der Stadt wurde auf's Strengste überwacht. 1866 kam das Dorf Moisling, an Lübeck, und da wurde den die Stadt besuchenden Juden der Leibzoll abgenommen. In Moisling bestand eine ziemliche Gemeinde und die Lübecker entnahmen ihren Bedarf häufig von dort. Im Jahre 1810. hob die französische Herrschaft jeden Religionsunterschied auf, so daß 1814 66 Judenfamilien in Lübeck wohnten. Kaum war die-französische Obmacht gebrochen, als im September 1815 alle fremden Juden aus dem lübeck'schen Staate, die 42 moisling'schen nach Moisling verwiesen wurden. Nach längerm Zögern verjagte man den 2. Dezember 1818 die Juden gänzlich, und verwies sie auf die Dörfer. Es wurden auf die, welche.mil den Juden in der Stadt Geschäfte machten, Strafen gelegt, die nur,für Verbrecher passen. Dennoch beträgt die Zahl der Seelen im lübeck'schen Gebiet 450. Bekanntlich hat nun. der Senat ein Gesetz vorgeschlagen, wonach allgemeines Wahlrecht eingeführt werden solle. Die s. g. „vertretende Bürgerschaft" war damit, nicht einverstanden, und wollte es namentlich mit Rücksicht auf die Juden verwerfen. Da rückten mehre Lausend Bauern in die Stadt, und fingen an zu drohen. Die „vertretende Bürgerschaft" konnte nicht anders sich helfen, als um einen Aufschub von 14 Lagen zu bitten. Dieser wurde bewilligt mit der Bemerkung, daß man in 14 Lagen wiederkommen wolle. Dessau, 8. Oktober, Der Landtag hat die §§., welche das deutsche Parlament in Bezug auf Religion und Kirche in der ersten Abstimmung angenommen, zu den Seinigen gemacht. Eisenach, 6, Oktober. Hier fand in den jüngsten Tagen eine „allgemeine deutsche Lehrerversammlung" statt. In derselben machten sich die verschiedenen kirchlichen Richtungen breit, aber nicht geltend. Man wollte allerdings die Schule auf „christlich-Mlichem Boden" aufbauen. Hiergegen trat der Rabbiner Heidenheim aus S o n d e r sh a u se n, der von den dortigen. Lehrerneinstimmigzum DeMirM g^?