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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-10-16 · Heft 43 (16.10.1848) · p. Seite 616

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 43 (16.10.1848)
Date
1848-10-16
Page
Seite 616 (sequence 4)
Language
German
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m und die Erde gegründet? Das große Uebel ist es, daß, während wir den Blick gespannt auf die Menschenwelt halten, wir den Blick nach oben, den Zusammenhang mit unserm Gotte verlieren. Haben wir denn vergessen, daß allein Gott Herr unsers Schicksals ist, und daß ohne.ihn Nichts geschieht? „Empfiehl nur deine Wege dem Herrn, vertrau auf Ihn, daß Er's' vollbringe." Haben wir denn vergessen, daß ja jedenfalls dieses Erdenlebens nur eine kurze Spanne ist? vergessen: „daß der Staub zum Staube kehrt," aber der Geist zw Gott, von dem er ist? Wir müssen religiöser werden, m. Fr. Sonsten war der Glaube, daß Gefahr und Besorgniß erst recht zu Gott führen, und den Menschen sich eng an diesen anschließen lasten: sollt', es jetzo anders sein? Die in unserm Herzen erloschene Flamme für die Religion, für Gottesdienst, für religiösen Trost müssen wir wieder anhauchen. Vielleicht haben wir uns zu weit hiervon entfernt und jener Menschenerzieher in der Höhe will die irre Gehenden zurückbcingen. O versucht es, ihr Sorgenbelasteten, versucht es, ihr Furchterfüllten, und neue Kraft werdet ihr gewinnen! Vielleicht glaubt Ihr es dann, was der Prophet'Euch zuruft: „schnell wird befreit der Geschlossene, und nicht fehlen wird sein Brod"; vielleicht glaubt Ihr wieder an. das Wort, das Er in unfern Mund gelegt, vielleicht haltet Ihr fest wieder: „daß Ihr geborgen seid im Schatten Seiner Hand". ' M. Fr.! So haben wir uns als religiöse Israeliten zu verhalten in dieser Zeit. Wir erkennen an die Forderungen der Menschheit, aber wir verdammen jede Gewaltthat; wir erkennen an, daß die Menschheit ein Neues haben muß, aber nur auf dem Wege der Gedanken und der Entwickelung; wir wirken mit auf dem Wege des Geistes am Webetuche der Zeit, aber verabscheuen jegliche Unthat, jedes frevele Mistel. In allen Bedrängnissen aber wenden wir uns zu Gott, fürchten uns nicht vor Menschen, vergessen nicht, unsers Gottes, hoffen der Befreiung durch Ihn, schließen uns mit neuer Innigkeit an die Religion des Einigen! Das wird unsere Hand rein, unser Herz leicht erhalten, .das wird uns zur Läuterung und Besserung dienen, und uns den Himmel erhellen, wo er dunkel erscheint. Amen. *’Ma'side bürg,'' 10. Oktö-'er/' Die ^heilnahme der Juden an den revolutionären Bewegungen. Seit dem März schon begegnet man in den Blättern der reaktionären Partei, oder in den sonstigen Aeußerungen derselben den Heftigsten Anschuldigungen, welche sie auf die Juden, als die meisten und thätigsten Triebfedern Und Werkzeuge der Revolution häufen, ja man steht sogar nicht an, die Juden als He Haupturheber derselben zu bezeichnen. Es geschieht dies bald offener, bald versteckter. Hatte doch vor 'einigen Tagen die Vosstsche Zeitung die Bemerkung gebracht: „an den jüdischen Feiertagen sei Berlin arm an Plakaten gewesen" — als ob die Juden, welche Plakate arbeiten sollen, sich vom Feste daran verhindern ließen. Es ist daher an der Zeit, diesen Gegenstand etwas näher zu beleuchten. > Gehen wir dabei von der krassesten Behauptung zuerst aus: die Juden sollen die Haupturheber der Revolution gewesen sein. Der Unsinn in dieser Behauptung ist zu groß, als daß er nicht sofort zu Tage kommen sollte. Wo hat die Revolution begonnen? In Italien, in Sizilien und Rom. In Sizilien wohnen — gar keine Juden; in Rom hat der Pöbel sich selbst dem Beschlüsse des Papstes, den Juden das Ghetto zu öffnen, widersetzt. Wo hat die Revolution die größte Umwälzung hervorgebracht? In Frankreich. Nun, behauptet man, daß auch da die Juden die Revolution/hervorgebracht? Hatten sie dazu die entfernteste Ursache gehabt? Wo, wie und wann hätte sich davon die geringste Spur gezeigt? Also in Deutschland. War aber die Bewegung in Deutschland eine lokale? Hat sie sich auf irgend einen einzelnen Bezirk beschränkt? Standen nicht die 42 Millionen Deutschen'wie Ein Mann auf? Und diese 42 Millionen sollten sich von den 300,000 zerstreuten Juden in Deutschland haben bewegen lassen? Ja noch mehr. Was für eine Erscheinung begleitete m Deutschland die erste revolutionäre Bewegung im März und April? War es nicht eine Judenverfolgung, die in Baden und Franken, bis Schlesien sich verzweigte? War nicht Mannheim^ dieser Heerd der Revolution, der Ort, wo die Juden am Meisten bedroht waren? Mußten nicht die stärksten Revolutionäre, wie Hecker, sich energisch hiergegen aussprechen? Das ist also doch etwas zu kraß, und Ihr werdet solche Behauptung doch ein Wenig mildern müssen. Eure eigentliche Absicht dabei ist über auch nicht verborgen und giebt Eueren Insinuationen das

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