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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-10-16 · Heft 43 (16.10.1848) · p. Seite 615

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 43 (16.10.1848)
Date
1848-10-16
Page
Seite 615 (sequence 3)
Language
German
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m geben wollte,, griffe« sie zur Wehr und. Gewalt. Aber dennoch war es dies nicht allein. Noch tiefer .lag der Grund der unermeßlichen Bewegung, die angebrochen und noch nicht zu Ende ist. Es war und ist eine allgemeine Unzufriedenheit, mit den Verhältnissen, in die sich die Gesellschaft hineinentwickelt hat. Diese Schwierigkeit,, den Lebensunterhalt, zu gewinnen, die auf Millionen schwer drückt, die. ungleiche Vertheilung der Lebensgüter, welche die Einen zum-Darben, die Anderen zur Fülle bestimmt, ja die schwere, lastende Sorge, welche auf den Schultern des AMLen großen Mittelstandes ruht, und die Tage des Lebens zu ebenso vielen der Mühsal macht — dieses verworrene, verwickelte Verhältniß der ^menschlichen Gesellschaft ist es, welches in den Eingeweiden der Gesellschaft wühlet. Verheimlichen wir uns dies nicht. Es ist besser, klar zu schauen. O, jenes Wort des Propheten Micha: „dereinst werde Jeder unter seinem Feigenbaum und unter feiner Rebe sitzen und sich des Herrn freuen" — es steht vor uns als ein ersehntes, aber nicht erreichbares Ziel. Aber, m. Fr., wo eine allgemeine Unzufriedenheit mit dem Anstand der Dinge sich verbreitet hat, wo sich die Unzulänglichkeit der Verhältnisse, so sichtbar herausgestellt hat: da kann es auch nicht anders kommen, als daß neue Bahnen für die Menschheit gesucht und eröffnet werden müssen. Der Geist der Menschheit, unmittelbar von Gort geleitet, kann nicht rückwärts schreiten und kann nicht stehew bleiben: er muß vorwärts, und wären es unsägliche, unübersehbare Hindernisse, die ihm im Wege stehen. So weit, m. Fr., stimmen wir hiermit gänzlich überein; wir wären, keine Israeliten, stimmten wir nicht überein. Denn jene Freiheit, das Gesetz Mosche's. hat sie bereits verkündet, jene Gleichheit des Rechts, -das Gesetz Mosche's hat sie schon festgrstellt, jene Selbstständigkeit des Volkes, das Gesetz Mosche's hat sie schon begründet, und die Freiheit des Glaubens, haben wir Israeliten nicht am Meisten unter deren Verleugnung, gelitten? Aber auch weiter. Eine solche Beschaffenheit der menschlichen Gesellschaft, daß Jeder darin durch seine Arbeit die Bedürfnisse des Lebens genügend erlange und des Lebens froh werde, war' sie nicht das Ziel des Gesetzes Mosche's, durch gleiche Vertheilung des Landes Kanaans, durch das Jubeljahr,, durch das Schuldenerlaßjahr, durch das Verbot des Zinses u. dgl., so, daß er sprach: „wenn du mein Gesetz wahrest zu thun,. wird kein Dürftiger unter dirsem^ Also bis hsthetz. rn^Fr., .wäre,. .«$, ßiste.BerleuHflUW unsrer Tora,: unsrestReligfon, unsrer selbst, wenn wir dem absagten, was in der Ge-i . genwart lebt. Aber hier scheidet der Weg. Da sind sehr Viele, welche eine Veränderung dieser gesellschaftlichen Verhältnisse durch Gewalt, durch die Vernichtung des Eigenthums und Besitzes, durch Niederstürzung alles Widerstrebenden, durch Aufhebung aller Gesetze der Sittlichkeit erzwingen, welche eine neue Barbarei über die Menschheit bringen, diese auf eine neue, unerhörte Weise knechten wollen. Frevler und Thoren, zugleich. Frevler, weil ihnen Nichts heilig und unverletzlich ist. Thoren, weil sie nicht einsehen, daß sie schlimmer machen was sie bessern wollen, daß sie all das Glück, was noch auf Erden besteht, verschlingen, ohne irgend Anderes hervorzubringen. Kurzsichtige, weil sie nicht wissen, daß eine solche Umwandclung der Gesellschaft nur auf dem Wege allmäliger Entwickelung, nur durch die Macht der Gedanken gewonnen werden kann, daß der Weg, auf dem sie geschehen kann, selbst noch in Dunkel gehüllt ist, Niemand ihn sieht, Niemand ihn kennt. Also davor füllt sich unser Herz mit Grauen, das verabscheuen wir, dem sagt unsere Religion gänzlich ab. Wahrlich, wir Israeliten,- die wir Jahrtausende gelitten und getragen, niemals durch Mord «yd Brand und Vers rath dagegen gekämpft, sondern unser Geschick der Entwickelung der Menschheit und der göttlichen Leitung überantworteten, bis daß es auch erfüllet ward, — wir habe« ein Recht, also zu sprechen. - Aber was hilft dies? Die Bewegung, der Sturm, der Kampf, die heillosen Versuche sind da. Und unter diesen Uebeln leiden wir. Die Verhältnisse verwirren sich immer mehr. Alles schwankt und stockü Niemand ist sicher. Wir sehen auf unsere Kindlein und fürchtest-. Wir sehen auf den Erwerb und sind voller Sorgen. Unser Herz beschwert, unser Geist niedergedrückt, unser Gemüth in Spannung. Dies'ist die Lage; wie der Prophet sagt: „Geschlossene in der Grube/ bebend beständig den ganzen Tag vor der Wuth des Bedrückers, wie er zielt zu verderben Hl. Aber, m. Fr., wie wir uns mitten in dieser schwülen, beängstigenden Luft befinden, wie unser Auge voll Besorgniß in die Zukunft blickt, wie uns das Gefühl beschleicht, als ob der Quell der Heiterkeit und der Freude versiegt sei in der Gotteswelt: da tritt der Prophet an uns heran und ruft uns zu: Fürchtest du dich vor Menschen, die sterben, die hinwelken wie Gras? Vergissest du deines Gottes, der die Himmel gespannt

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