Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 43 (16.10.1848)
- Date
- 1848-10-16
- Page
- Seite 614 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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614 raubt uns unsere Ruhe, zerstört uns das Glück unseres Lebens. Da hat der Prophet fürwahr! Hecht, .. uns H svorzurücken; „AnD ' tfs»st'-es Ew igev, deines Schöpfers, cher den Himmel gespannt und die Erde gegründet, und bebst beständig, den ganzen Tag." Ja, diese Vergessenheit Gottes, dieses Vergessen, daß der die Erde gegründet, die Macht hat, diese Erdengeschöpfe, die Bosheit üben, zu zerdrücken, daß der den Himmel gespannt, auch allein die Geschicke lenket,, daß die Haare gezahlt sind auf unserm Haupte und Keines abfällt, er wisse und wolle es denn! Dieses Vergessen Gottes, das sich so schwer rächt, da, wer seines Gottes eingedenk ist, die Furcht vor Menschen verlieret, und Menschenmacht verachtet, und frei und sicher wohnet, und jubeln kann mitten im Sturme, und frohlocken mitten in drohender Gefahr. Wenn du verlierest, und denkest deines Gottes, so sagst du: der wird es ersetzen, wenn du darbest und denkest deines Gottes, so weißt du: der wird es bessern, wenn du stehest und denkest deines Gottesso fühlst du: der ist derArzt alles Fleisches und wird dich heilen; wenn du an der Gruft eines deiner Lieben stehest und denkest deines Gottes, so bist du getröstet: der hat ihn empfangen in sein überirdisches Reich, und „du kommst' ja zu ihm, er nicht zu dir" (2 Schem.). Aber sie vergessen ■ des Ewigen, der den Himmel gespannt und die Erde gegründet, und beben den ganzen Tag vor Menschensöhnen, die sterben. Und da belehrt uns 3) der Prophet: „Schnell wird befreit der Geschlossene, nicht in der Grube stirbt er und nicht fehlen wird sein Brod." Wer in Nöthen ist, das ist ein Geschlossener, der sitzt in der Grube des Bedrängniß; aber du wirst befreit, schnell befreit,, bald gesättigt, denn Gott ist der ewige Erlöser, nahe zerbrochenen Herzen, sehr nahe niedergedrücktenGeistern. Die Befreiung durch Gott, den beständigen Befreier, diese verkündet uns der Prophet, diese will er uns in's Herz drücken. Ja, wir sind oft Geschloffene in der Grube, „viel sind, sagt der Psalmist, die Schmerzen selbst des Gerechten, doch aus allen rettet ihn der Herr, und keines seiner Gebeine wird zerbrochen" (Ps. 34.). Und zweifelst du daran? Siehe, sagt der. Prophet 4), ich legte meine -Worte in deinen Mund-, und barg dich im Schäften meiner Hand, wie pflanzend die Himmel und gründend die Erde, so auch sprechend zu Zion: mein Volk bist du." Du zweifelst daran, und du hast, meine Lehre, mein Wort empfangen, das di^ lehret die Wege Gottes und seine Gnade und Vatergüte; du zwMelst daran,'und warst ^EgeborgHi im Schatten tz irrer Hand. -rin LrLetmig; ^bis lhkeHr führt' er, trug er dich; da duein hilfloses Kind wärest,' legt er dich in die Arme deiner Eltern und hütete dich; da du ein irrender Jüngling gewesen, leitete er dich, daß du einen Pfad gewännest; da du ein kämpfender Mann geworden, löste er immer wieder die Bande, die dich umstrickten; da du ein ohnmächtiger Greis geworden, gab er einen Stab in deine zitternde Rechte. Mensch, was wärest du ohne Gott! kannst du. dich denken, ohne Gott, kannst du dich fühlen, ohne Gott — und du zweifelst oder leugnest gar? Irrer, Wirrer, kehre zurück zu Ihm, Kitt “piK Ich, ich bin euer Tröster, Ewiger der Heerscharen mein Name! . . . Dies, ist es, was der Prophet Euch zu ruft: . Fürchte dich nicht vor . Menschen, Vergiß nicht deines Gottes, Er befreiet. dich, Er hat es dir zugesichert! II. Ich hübe in unserer gestrigen Betrachtung, meine Freunde, es als unsere heutige Aufgabe gestellt, die Stellung des Einzelnen, des religiösen, des israelitisch-religiösen Menschen in der Neuzeit zu betrachten. Und nachdem wir das Wort des Propheten vernommen, und seinen Inhalt erfahren, wenden wir unser» Blick dahin. M. Fr. Die menschliche Gesellschaft befindet sich jetzt allerdings in einer eigenthümlichen, nie dagewesenen, schweren Lage. Es wäre aber sehr ungenügend, wollten . wir meinen, das Verlangen nach Freiheit, nach größerer Selbstständigkeit wäre es allein, was diesen Sturm herausbeschworen. Allerdings war es dies. Die Völker wollten sich nicht mehr allein von den Fürsten und ihren Beamten regieren lassen. Die Gesetze, nach denen sie leben, sollen aus ihrem eigenen Schooße hervorgehen. Die Völker wollten sich nicht mehr vorschrekben lassen, was sie glauben und sprechen, wie sie sich bewegen und vereinigen sollten, wollten nicht mehr an verschiedenartige Ueberzeugungen verschiedenartige Vorzüge oder Nachtheile geknüpft haben, wollten nicht mehr, daß Vorrechte an Geburt und Stand geknüpft seien, wollten nicht mehr unter der Herrschaft der Bajonette-stehen, und daß all ihr Heil und Geschick in der Hand Eines Menschen beruhe. Das Verlangen, die Sehnsucht nach all: diesem war in den Völkern wach, rege, unüberwindlich geworden. Und da man diese Rechte und.'diese Freiheit ihnen nicht