Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 42 (9.10.1848)
- Date
- 1848-10-09
- Page
- Seite 609 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3224737-3225551-3225594--09717-3237994- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
609 Andacht fanden und kein rein kunstgerechtes Gedicht als zum Gebet-tauglich anerkennen wollten. Es war also eine Pijutimmanier, der die großen Dichter dem Volke zu Liebe huldigen: mußten, -um bei ihnen Religion und Andacht zu erhalten, -aber darum darf, ein späteres Geschlechtdieser Reimschmie derer keinen' poetischen Werth zusprechen/ zumal sie jetzt auch nicht einmal mehr als für die Andacht paffend befunden werden. Will man sie dem Volke kaffen, so muß eine sehr strenge Auswahl getroffen werden und auch diese-noch von 'Schlacken gereinigt werden, damit die Beibehaltenen auch dem Schulknaben zugleich mit dem täglichen Gebete gelehrt werden, und alsdann wirklich zur Erhebung der Andacht benutzt werden können! Mehr den fünfzig Jahre habe ich all meine Muße der Hebräischen Sprache und Dichtungen zugewendet, und immer war der gerechte Wunsch in mir rege, daß ein großer Theil, oder der größte, aus dem Gotteshause sowol, als aus' dem Reiche des Studiums verbannt sein möge. ' Die Zeit scheint nicht mehr fern zu sein, wo dieser Wunsch in Erfüllung gehen wird. Moses Mendelson. Korr: efp ondenzen. Debatten über das jüdische Schulwesen. (Fortsetzung aus No. 31. 32. 35. 8.6. 37. 38. 40. 41.) - - ■- v: " ■'"; XI. Etwas über das jüdische Schulwesen-im Regierungs- ' bezirk Marienwerder. - - (Fortsetzung.) Es ist aber auch wahrlich nicht segenbcingend für die Unterrichtsanstalt,-wenn , des Lehrers Stelle eine so schwankende und von der Laune Einzelner abhangende ist, wenn der Lehrer trotz der Anstrengung, die sein schwieriges Amt beansprucht, nicht mit Sicherheit auf seine Existenz rechnen kann. DieLiebe zum Stande und zum Beruf hangt überall und namentlich auch beim Lehrer zusammen mit der Sicherheit der Existenz, welche sein Beruf gewährt.. Ist diese Sicherheit nicht gewährt und kann sie es nicht werden, droht dieser Existenz beständig das Damoklesschwert.der Ungunst und der Abneigungsei es der Gemeindensei esder Vorgesetzten, dann - hat auch - düs Pflichtgefühl und das Pflichtgebö t seinefesten Anker verloren! 9) Ueber die Wichtigkeit des Lehrerstandes ist schonviel gesprochen und-geschrieben; aber-was dieser Stand seineräußern Stellung nach in -Anspruch nimmt, wenn er das sein soll, was er sein könn te — das ist -immer noch nicht genüg zum Bewußtsein gekommen, und wäre es zweckmäßig, wenn von -den jüdischen Zeitblättern öfter darauf hingewiesen und dem Schulwesen überhauptnach seiner innern und/äußern Gestaltung mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden möchte/! — Doch kehren wir zu unferm Gegenstände zurück. Ein Jeder,, der das Schulwesen! des matienwerderschen Regierungsbezirks, jä wir! können hinzufügen, das--'der Provinz Westpreußen kenntwird uns -beistimmen, - daß^s hohe Zeit ist, für die Hebung desselben nachdrücklich zu wirken. Das unselige Privatverhaltniß, das sich schon längst überlebte Cheder-Unwesen — denn die.meisten dieser Prkvatschulen sindweiter Nichts als in's Deutsche übersetzte Chedackm — muß aufhören! Und nicht -nur für ein hinlängliches Auskommen -des. Lehrers und für eine angemessene Stellung desselbensondern auch .für die Bedürfnisse der Schule überhaupt, für ein geräumiges , angemessenes S chüllo ka l, für Lehr - 'und Le rnm i tt e t10), für eine -zweckmäßige Ei nt he i lü n g der Schüler, für die Feststellung der Unterrichtsgeg enftä n d e und der S chulstun d en *-*), sowie namentlich dafür, daß dem einzelnen Lehrer Wicht soviele und 9) Bergt.' den kreffllchen Vörtrag über jüdische'Schül- und Lehrerverhaltnisse vom Landrabbiner B. Wechsler, Oldenburg-- 1/846.! >/!-- - Kocresp^s/ 10) Der Lehrer kann nur se-h r en, -d. h. snach Wurst) das. Denkvermögen zur Auffassung des Unterrichts anregen. Er kann nur den Scküler zum Verständnis ^es Lernstoffes anleiten/ Der Schüler aber muß lernen, di h. das Erklärte und Begriffene im Derstande und Gedächtnisse befestigen; da s- Muß der: Sch üler s'ebbft thun. Wenn dies aber geschehen soll-..muß: ihm.auch ein Lernmittel --in-. die-.H«Ad. gege.hen we r de, n; und dennoch kommt , es nicht-selten vor, daß die Eltern die nöthigen Schulbücher nicht anschaffeniVollen, namentlich für die jüdischen Gegenstände. Für die ärmeceri Schüler müßten die Schulbücher aus der Schulkasse ängeschafft werden und wo keineexistirt, Wüßte mit: Rücksicht auf:- rrLy. ühttitf,. YIW.ML ,?eine Solche gebildet werden! ' ' Köcresp. 11) Dys Nähere über Unterrichtsgegenstände, Schulstundenso wie über' die innere^ Einrichtung jüdischer Schulen überhaupt, wills Gott, in einem besondern 'Artikels - - Korresp.