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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-10-09 · Heft 42 (9.10.1848) · p. Seite 608

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 42 (9.10.1848)
Date
1848-10-09
Page
Seite 608 (sequence 12)
Language
German
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608 „Deine Zauber binden wieder, -; 'N.rM ,f]&$ Was die Mode streng getheilt; / Alle Menschen werden Brüder,!riN.••»ribiön ^rrih Wo dein sanfter Flügel weilt. ü^nrz tn« bd* Diesen Kuß der ganzen Welt."! ^dy. ''dP^b!nr NP^Pd Sind nicht unsere elendesten Piutim MeisterstüLe dagegen? — Ebenso^erwähnt Jost?vieler miserabler Dichterwerke, unter anderen auch das unglückliche Gedicht „ Chaschm an a im ", in welchem alle griechischen Götter en paracte aufgestellt, das aber keine Spur von hebräischer Poesie zeigt. Auch das schöne Beispiel, das, wie Herr vr. Jost glaubt, Wessely gegeben haben soll, beweist nur das Gegentheil von dem was er behaupten will. W. leistet nur so Vorzügliches, weil er nichts Fremdartiges in sich ausgenommen und ganz Orientale blieb, ganz hebräisch dachte, sogar, wie er versicherte, hebräisch träumte. Wie oft sprach er mit mir über den Verfall des Neuhebräischen, und schrieb dies dem vielen Lesen fremder Gedichte zu. Er selbst behauptete, außer Haller's bekanntem Gedichte: »Es ist ein Gott", nie . eine Zeile anderer Poesien vor Augen gehabt zu haben. Daher gelang es W. durch alle seine Dichtungen dem Parallelismus treu zu bleiben, was Wenigen vor ihm so ganz gelang, und sobald der Parallelismus fehlt, da hört es auf hebräisch zu sein. Zwar bleibt der wahre Dichter noch immer Dichter, wenn er auch fremde Sprachen versteht, das sehen wir an allen Gedichten Luzzato's; aber bedingt ist dies zur Dichtung so wenig, als wenn man behaupten wolle, Schiller sei nur Schiller,, weil ec bibelfest war- und sich mehrmals der Bibel bediente. Und wenn Luzzato und Jehuda Ha-Levi u» A. durch das lodernde Dichterfeuer hoch übet dem sanftfließenden Wessely'stehen, so,sind sie doch solche Orientalen nicht und ihren Gedichten fehlt oft der Parallelismus. Delitzsch spricht sogar Wessely's Posieen alle hebräische Färbung ab; sie wären ganz deutsch-hebräisch! Dafür aber zählt D. Maimuni unter die hebräischen Dichter. Das sind unsere jetzigen Kunstrichter!! Auch Jost stempelt Manchen zum Dichter,, der es nicht ist. So den Grammatiker Ben-Seb. Dieser hatte keinen Funken Dichtergeist, der in der Regel jedem Sprachgrüblee fehlt. Die Schönheit besteht in der Ueberraschung^ Dagegen erwähnt Jost so manches Geniedas wirklich den Dichterkranz verdient, nur beiläufig. So z. B. des leider nur zu früh Heimgegangenen Lewisohn's. Sein ■ph'nö*’. riifbd. und die poetische Vorrede dazu sind Meisterwerke, dergleichen unsere Literatur wenige aüfzuweisen hat, nur glaube ich, '-sind seine für die hebräische Poesie aufgestellten) Regeln für die Poesie j eglicher Sprache anwendbar. -r- Was will Jost überhaupt damit sagen, daß man früher keine Gelegenheit hatte das- Erhabene und Schöne auszudrücken rc.?! Es sind Worte, und Worte, die) weder Begriff noch Bild geben. Kömmt diese Gelegenheit etwa erst wenn man englische, französische und italienische Dichter liest? Das Dichtergefühl ist angeboren, die Gelegenheit es auszudrücken findet sich von selbst. Dies Gefühl auszubilden, dazu hat der hebräische Dichter Nichts als die Bibel und bedarf auch weiter Nichts. Bei dieser Gelegenheit, wo ich, wie ich glaube. Hinlänglich dargethan habe, daß der Herr vr. Jost keine Kompetenz in dieser Sache habe, wiederhole ich wiederum die so oft, und auch in diesen Blattern, geführte Klage gegen unsere jetzigen wirklichen Vertreter der hebräischen Sprache und Literatur, gegen Männer, wie Rappaport, Zunz, Dukes und Sachs, Männer, die kompetent genug hei diesem Gegenstand sind, die mit Geist und Kenntniß ein Urtheil fallen dürften, gegen solche Männer führe ich Klage, daß sie hebräischen Poesieen irgend einen poetischen Werth beilegen, den diese durchaus nicht besitzen., Ich meine die vielen alten Pijutim, die nicht einmal keine Prosa sind und allen Regeln des guten Geschmacks Hohn sprechen, und weil diese Sprachversündigungen einige hundert Jahre alt sind, will man ihnen fast einen größern Werth beilegen als den Gesängen Davids, Hemans und Jeduthans. So wird z. B. durch Akrostichon und Zahlenberechnüng vermittelst des' hdy di^d ‘rpdtfi* und der Name des Verfassers entziffert. Nun frage ich diese Kunstcichter, oder Jeden, der den geringsten Grad von ästhetischem Gefühl besitzt, ob dieser ganze Aa abi ch oder Anschis, oder hundert solcher Pijutim in sprachlicher und ästhetischer Hinsicht der Kritik oder nur des Nennens werth sind?) Fragt man, ob Kalir, Klanimus, Gebicol u. A. m. Dichter) waren, so sagen ihre profanen Gedichte, daß sie allerdings den größten Anspruch auf diesen Titel haben, aber sobald sie einen Pijüt verfassen wollen, waren sie, wie es.scheint, gezwungen, ihren besserst Geschmack, ihr Dichtergefühl zu verleugnen. Warum? Weil das durch, fromme, weise, aber poesielose Männer verwöhnte Volk gerade nur an solchen geschmacklosen, sprach- und. gefühlwidrigfn Künsteleien Geschmack uNd

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