Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 42 (9.10.1848)
- Date
- 1848-10-09
- Page
- Seite 603 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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leihung solcher Unterstützungen bei mir beantragen. Berlin, 19. September 1848. Für den Minister der geistlichen, Unterrichts und Medizinalangelegenheiten. Im allerhöchsten Aufträge: (gez.) v. Ladenberg. An das königl. Provinzialschulkollegium zu Posen. Münster, im September. (Privatmitth.) Seit meinem letzten Berichte von hier (Jahrg. 1846.' No. 52) sind fast volle zwei Jahre verflossen, und so vielen Stoff ich auch hatte, so ließ ich doch geflissentlich aus den trifftigsten Gründey keinen zweiten folgen. Zuerst wollte ich die gesetzliche Ordnung unserer Gemeindeverhältnisse überhaupt abwarten und sehen, wie das nun endlich gestürzte sneien regime, das mit dem Obskurantismus immer und überall liebäugelte und heimlich jeder freien Bewegung den Weg vertrat, sich in diesem speziellen^Falle entscheiden würde. Alsdann war es mir in der Seele zuwider, über die trüben Erscheinungen einer aus dem blöbesten Fanatismus, aus Eigennutz und persönlichem Hasse hervorgegangenen Opposition und demnächst unvermeidlichen Zwietracht Mittheilungen zu machen. Daß aber die damalsgemeldete Akquisition des vr. S. Friedländer für die hiesige Gemeinde und für das gesammte Münsterland von einflußreichen Folgen, mag sich Jeder leicht denken. Von dem zeitigen Vorstand angestellt, hätte man seine Anerkennung auch bei dem noch widersprechenden Theile der Gemeinde durchsetzen zu können und die in ihrer Mehrzahl nichts weniger als orthodoxe Gesammtheit durch eine so eindringende Kanzelberedsamkeit zu gewinnen hoffen dürfen, wären nicht einige frömmelnde Eiferer mit unbändiger- Wuth dazwischen getreten. Meder gütliche Vorstellungen, noch Scheu vor den zahlreichen christlichen Zuhörern konnten die rohesten Störungen des Gottesdienstes verhindern und nicht einmal die unschuldigsten Reformen, wie Aufrufen der Fremden nach Karten, leises Mitbeten und nicht Milschreien wollte man zugestehen. Die Predigt endlich, mirabile dictu, als eine Neuerung verschrieen, welche die friedliebende Fortschritts- Partei an's Ende des Gottesdienstes zu verlegen sogar sich verstand, wurde auch dann noch auf die roheste Weise gestört. Obgleich nun die gehässigsten Angriffe in dem hiesigen Westphälischen Merkur siegreich zurückgeschlagen wurden, und auch Aussicht aus eine günstige Entscheidung der eingeleiteten Untersuchungen vorlag, man wollte weder immer in die unangenehme Nothwendigkeit sich versetzt sehen, Polizei zu requiriren, noch weniger eine gleiche Brutalität entgegensetzen, und es blieb Nichts übrig, als Trennung. Die entschiedene Kraft, welche vr. Friedländer in den Kämpfen bewährt hatte, brachte die Bildung einer eigenen Reformgemeinde zu Stande. Auf Grund des §. 53 des Gesetzes vom 23. Juli 1847 wurde sie jetzt gerade vor einem Jahre vorgenommen. Eine über das Hamburger Gebetbuch insoweit hinausgehende Liturgie, als dasselbe hinter den Anforderungen der Zeit zurückgeblieben, wurde entworfen und angenommen, deren Grundzüge Beibehaltung^ von Krisch' ma und Sch'mona Eßre, sonst meist deutsche Gebete, Toravorlesen ohne Aufrufen und Predigt, die in der Regel alle 14, oft auch alle 8 Tage stattsindet und sonst durch sehr anziehende Erklärungen der Pirke abot ersetzt wird. Ein wesentliches, denselben außerordentlich hebendes Moment des Gottesdiesstes bilden die von einem Chore von Herren und Damen unter Orgelbegleitung vorgetragenen, deutschen Gesänge, eingeübt und geleitet durch den Chordirigenten, Lehrer der Vereinsschule, I. Walbaum, der auch das Kantoramt versieht. Die junge Gemeinde ist in stetem Fortschritte begriffen und entwickelt sich, immer gedeihlicher, so daß sie, zumal der Gottesdienst bei Gelegenheit der hiesigen Messe und sonst vielfach von auswärtigen Glaubensgenossen vom Lande besucht wird, ernstlich an eine Erweiterung ihres Betsaales denkt. Jetzt helfen Verdächtigungen bei dem hier streng katholischen Publikum und bei den Behörden nicht mehr, vielmehr ist vr. Friedländer schon im Januar d. I. von der hiesigen königlichen Regierung als Zuchthausgeistlicher angestellt, und wirkt, wie der soeben erschienene 17. und 18. Jahresbericht derselben besagt, nicht minder umgestaltend an der hiesigen Vereinsschule, deren Dirigent Haindorf, diese Bestrebungen in der an diesem edelsten Menschenfreunde gewohnten Weise fördert. Bei einer mit so vielen Obliegenheiten verbundenen, vielumwogten Stellung verdient es um so mehr Anerkennung, daß seit seinem Hiersein vr. Friedländer sich durch seine Schriften („Predigten, Mein Verhältniß zur Reformgenoffenschaft" und „Geschichte des israelitischen Volkes") einen Ehrenplatz, in der jüdischen Literatur zu erringen gewußt hat und fortwährend wissenschaftlich thatig ist. Unter einer solchen Leitung und bei einer so begeisterten Gemeinde, wie die hiesige, ließ es sich nicht anders erwarten, als daß hier die Ideen,leicht Wirk-