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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-10-09 · Heft 42 (9.10.1848) · p. Seite 601

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 42 (9.10.1848)
Date
1848-10-09
Page
Seite 601 (sequence 5)
Language
German
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601 §. 19. „Für den Unterricht in Volksschulen und niederen Gewerbsschulen wird kein Schulgeld bezahlt." „Unbemittelten soll auf allen öffentlichen Bildungsanstalten freier Unterricht gewahrt werden." „Armenschulen finden nicht statt." „Die Gemeinde besoldet den Lehrer in angemessener Weise. Unvermögenden Gemeinden kommen hierbei Staatsmittel zu Hilfe." §. 20. „Es steht einem Jeden frei, seinen Beruf zu wählen und sich für denselben auszubilden, wie und wo. er will. Auch hier ist die allgemeine Freiheit begründet, und jeder Unterschied der Konfession aufgehoben. Fraglich ist, ob §. 18 der zweite Passus die Religionsunterrichtsanstalten mit einschließt, da die Trennung der Kirche solche Anstalten dieser Unabhängig zuweisen muß. Jedenfalls treten aber hierdurch die jüdischen Elementarschulen unter die Aufsicht des Staates. München, 9. September. (Privatmitth.) Der neue Tag, der jetzt auch für unsere Glaubensgenossen angebrochen, macht uns die Läuterung des Judenthums zur Ersten Pflicht. Mit der Knechtschaft selbst sollen auch die Spuren der Knechtschaft verschwinden. Die Mißbräuche, welche unter dem langen Drucke sich eingeschlichen, müssen beseitigt, es muß der Zeit Rechnung getragen werden. Darum trat hier vor einiger Zeit. ein Verein von Fortschrittsmännern zusammen. Ihre Tendenz ist im beigefügten Programm niedergelegt. Aber es ist nicht genug, wenn diese Ideen in einzelnen Gemeinden sich Bahn brechen; ganz Deutschland soll davon erfüllt sein, sie sollen Gemeingut Aller werden. Darum wenden wir uns an Sie, geehrter Herr Redakteur! mit der Bitte, unser Programm in Ihr Blatt aufzunehmen. Verbinden Sie Ihr kräftiges Wort mit dem unfern; fordern Sie sämmtliche Gemeinden auf, zu gleichem Zwecke sich zu vereinen und wie in den äußeren so wird auch in den inneren Verhältnissen eine schönere Zeit für das Judenthum beginnen. Was unsere Kräfte zu diesem Werke beitragen, werden wir, wenn Sie es gestatten, Ihnen von Zeit zu Zeit mittheilen. Der erste Schritt, der uns in die neue Bahn führt, dürfte wol eine Genera-lsynode für ganz Deutschland sein; nur durch sie laßt die Vergangenheit und Gegenwart sich ausgleichen, nur sie kann der Zersplitterung und dem gänzlichen Verfall des Judenthums Vorbeugen. Unser Verein gab daher die Veranlassung, daß von hier aus ein Abgeordneter zu der Versammlung nach Worms geschickt wurde, um . dort für eine Generalsynode zu wirken. Seine Mission war eine glückliche und in einigen Monaten schon sollen die Abgeordneten der israelitischen Gemeinden Deutschlands zu gemeinsamer Berathung und Beschießung zusammentreten. Bereiten Sie unsere Glaubensgenossen für diese Zeit vor, damit der Erfolg ein günstiger werde. Sie haben so. vieles Gute schon gefördert, Sie werden, deß sind wir überzeugt, auch dieser Idee Ihre Kräfte, leihen. Genehmigen Sie die Versicherung unserer ausgezeichneten Hochachtung. München, den 9. September 1848. Im Namen des israelitischen Fortschrittsvereins Der Ausschuß: Jakob Oberdörfer. Jakob Gotthelf. I. L. Kohn, auch für die vier abwesenden Ausschußmitglieder: Julius Stein, vr.A.Drey. Ignatz Ortenau. Otto Feldmann. Programm des israelitischen Fortschrittsvereins. Der Geist der wiedererwachten Freiheit, der mächtig Europa durchweht, bringt den Juden Deutschlands in.nächster Zukunft ihre volle Berechtigung. Nur durch Engherzigkeit konnten ihnen, trotz ihres bewährten Bürgersinns und ihrer glühenden Liebe zum deutschen Vaterlande, trotz ihrer von der reinsten Moral getragenen Religion, bei gleichen Pflichten die gleichen Rechte vorenrhalten werden. So fallen denn alsbald die /schmählichen Ausnahmsgesetze, welche allein der Grund von jenem oft so tadelnswerthen Thun und Lassen Einzelner unserer Glaubensgenossen sind; es schwindet die beleidigende Behandlung, die dem Juden als Solchem gar häufig sogar von den Behörden ward. Allein nichtsdestoweniger werden Neid, Unverstand und konfessionelle Unduldsamkeit uns noch häufig zum Gegenstand aufreizender Angriffe machen. Ihnen gegenüber zu treten durch Schrift und Wort ist vorzugsweise Sache des Juden selbst. Unbegründetes soll durch Darlegung der Wahrheit zurückgewiesen, Verdächtigung d er Gesa mmth eit wegen, der Fehltritte Einzelner entkräftet, zugleich aber immer dahin gewirkt werden, daß. die ver-

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