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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-10-09 · Heft 42 (9.10.1848) · p. Seite 598

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 42 (9.10.1848)
Date
1848-10-09
Page
Seite 598 (sequence 2)
Language
German
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598 Ein Anderes drängt uns heute. Es ist eine Stunde, der Religion geweiht. - Der Religion, die in dieser sturmbechetzteEZeit ih'rep Stimme so. schwer und so? selten Gehör! sch assttz 'Wir wollen, uns.fragen: wie verhältst Du, Israelit, Dich zu dieser Zeit, deren Anfang hereingebrochen, deren Werk begonnen, noch lange nicht vollendet? Und da spaltet sich uns wieder diese Frage in zweeu. Dann zuerst sehen wir auf uns als eine Gemeinschaft, als die große Gesammtheit Israels, deren Glieder wir nicht aufgehört zu sein; und dann erst sehen wir auf uns, als Einzelne, als religiöse Menschen, als israelitischreligiöse Menschen. So gestattet mir, andächtige Zuhörer, heute zu betrachten Israel in seinem Verhältnkß zu diesem verflossenen Jahre und seinem In ha lt, und morgen, am zweiten Festtage, die Frage zu beantworten: Wie hat sich der Einzelne, Jeglicher von uns zu dieser Zeit zu verhalten? Da aber, ja da lasset uns im Voraus das Wort des Propheten, mit ganzem Herzen erwägen, Jes. K. 63, V. 7—9: „Des Ewigen Gnaden will ich preisen, des Ewigen Ruhm, nach Allem, was der Ewige uns erwiesen, die reiche Huld für's Haus Jisrael, die er erwiesen ihm nach seiner Barmherzigkeit und seiner Gnaden Fülle. Er hatte gesprochen: Ja, mein Volk sind sie, Söhne, die nicht lügen werden! und ward zum Retter ihnen. In all ihrem Bedrängniß war ihm Drang: da half - ihnen der Engel seines Angesichts, in seiner Liebe und Erbarmung erlöste er sie, und hob sie und trug sie alle Tage der Vorzeit." I. M. Fr.! Dies Eine ist sicher: es gehet Gin Geist durch die ganze ^Geschichte Israels! Die Thoren, die es leugnen wollen. Als Mosche im Sterben sein Volk verließ, da sagte er ihm: Ihr werdet zerstreuet werden durch alle Länder der Erde-, Knechte der Völker, Hohn und Verachtung der Nationen, aber auch da werdet, ihr glicht verlassen, nicht verstoßen von Euerm Gotte, sondern erlöset. Als die Propheten an Israel ihre Straf- und Mahn- und Trostesworte richteten, von was Anders redeten sie als: Ihr werdet besiegt, verjagt, zerstoben werden, geknechtet, wie mit dem Joche der Stiere, aber der Herr zerbricht dieses Joch dereinst, und frei werdet ihr stehen auf der freien Erde. Nun, und es ist abermals in Erfüllung gegangen, und diese Stunde, in der wir stehen, fühlt Ihr es wol in seinem ganzen Gewichte, sie ist die Schlußstunde eines Jahres, welches das Wort Mosche's und der ProAMnA welches das Werk-der .göttlichen Vorsehung an ^Israel abermals erfülltes Länger dauerte /diesmal' die 'Zeit' der Knechtschaft für Israel, länger als'die 400 Jahre in Egypten, als die 70 Jahre in Babel, o an die 18 Jahrhunderte gingen über die Seufzer Israels dahin, daß es oft, oft, oft die Klage wiederholte: „wie lange, Herr, willst du mein ganz vergessen? wie lange birgst dein Antlitz du vor mir?" — länger währte diesmal der Kampf um die Erlösung, langer als die V6 die Nacht der Bewahrung in Egypten, als das Harren auf das Befceiungswort Kyros' von Persien, daß oft, oft unseren Lippen entströmte: „wie lange soll mein Feind sich über mich erheben?" (Ps. 13, 2. 3.): wol über ein halbes Jahrhundert kämpfte die Welt darum. Aber bei Ihm war es nicht verborgen, sondern wohl geborgen, und das Jahr, das wir heute vollendet — wer glaubte, wer ahnete es — es ist das Jahr der Freiheit geworden für Israel. Ja, fürwahr, es gehet Ein Geist durch die ganze Geschichte ^Israels, von Mosche bis auf uns, vom Strome Egyptens und vom Strome Babels, an dessen Weiden unsere Väter die Harfen Zions hingen, bis zu den Strömen, an denen wir heute unsere Sitze haben: der Geist der göttlichen Vorsehung, nicht der Zerstörung, nicht des Untergangs, sondern der Erhaltung und der Erlösung -— die Thoren, die es leugnen wollen! - Und doch, m. Fr., ist es diesmal etwas ganz Neues, das um Israel.geschehen. Diesmal ruft kein Pharao: i»? "pn» 18L i,»ip „machet euch auf, ziehet hinweg aus dev Mitte meines Volkes"; diesmal spricht kein Kyros (Esra 1,3.): 'WV’b bi» üii^» „wer unter euch von all seinem Volke ist, der ziehe hinauf nach Ieruschalajim" — diesmal sprechen die Völker zu uns: Ihr seid unsere Brüder, und dieses Land auch Euer Vaterland, und diese Wohnstätten auch Euere Wohnstätten: Ihr sollt frei sein, wie wir, und sollt die Unsrigen sein: denn Niemand soll um seines Glaubens, um seiner Ueberzeugung willen geknechtet oder beschränkt werden: Ein.Gesetz, Ein Recht soll Allen sein! Also diesmal ziehen wir nicht hinaus, diesmal verbleibenwir unter den Völkern, und sind dennoch frei; diesmal spricht es kein Fürst, sondern die Völker selbst; diesmal ist es keine Gnade, sondern ein Recht; diesmal eine Freiheit, die die Völker nicht blos uns, sondern ebenso sich selbst geben — dies ist das Neue, das noch nicht Dagewesene.

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