Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 41 (2.10.1848)
- Date
- 1848-10-02
- Page
- Seite 594 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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darfs dieser - Darlegung? Blick hinein, "Lheurer Leser, in die Geschichte unsers Volkes und Du wirst finden, wie . unsere; Vorvordern, wenn sie auch der Bildung des 19. Jahrhunderts in vieler Beziehung nachstanden, «ns doch hierin als Muster der Nachahmung dienen können.. Du wirst finden, daß sie trotz Druck und Verfolgung, die sie in Ghettos einsperrten und ihre Geistesschwingen hemmten, die größte Sorgfalt auf die religiöse Ausbildung der Jugend verwandten, daß die Kinder, die unsterblichen Pfänder) die ihnen Gott an's Elternherz gelegt, für diesen Gott zu erziehen und für den angestammten Glauben, durch Wort, und That zu begeistern, ihnen das Wichtigste und Heiligste gewesen. Ja sie brachten ' jedes ' Opfer,; dem Heranwachsenden Geschlechts, einen angemessenen Unterricht im Gotteswort ertheilen zu lasten und es wurde sehr darauf gesehen/ daß dem Aüsspruche unserer Gesetzeslehrer gemaßt jede Gemeinde Jugendlehrer haben mußte) Freilich können wir in unseren Schulen heutzutage nicht,' wie dies in den alten Ch edarim der Fall war' und damals auch genügte, unsrer Jugend ausschließlich das Wort Gottes lehren*), freilich gilt auch f)ter: Tempora mutantur et nos mutamur in illiä; und ist es unseren jetzigen Schulen eine unabweisbare Pflicht geworden, die Jpgend auch mit den Elementen aller Wissenschaft und Kunst, auf welche das Werk' der Bildung im spätem Leben sortgefüh^rt werden kann, bekannt zu machen und sie so für's Leben, und seine Anforderungen, die sich Tag für Tag steigern, hinreichend zu befähigen, und es wird dies wol auch Niemand in Abrede stellen. Aber auch darin wird jeder Bessergesinnte, Jeder, der ein Herz hat für Glaube und Sittlichkeit,' mit einstimmen, daß die Jugend auch für ein'Leben in Gott vorbereitet werden muß; daß der Religionsunterricht; der bedeutungsvollste und wichtigste, gleichsäm die Seele, der Mittelpunkt des gesummten Schulunterrichts ist, und' daß kein Lehrgegenstand, welcher es auch sei, Viesen Unterricht beeinträchtigen, ja, daß aller Uttter'richt'Bruchstück bleibt, sb;eine Un te rw eifüng im Worte Gottes, in der Glaubens- und Pflichtenlehre fehlt! Wol muß sich die Jugend diejenigen Kenntnisse und Fertigkeiten aneignen s die sie 2)l>Jo re Dea-245, §. 7 heißte es: Korresp. Aber^vetgessen wir' auch nicht, wie es gelehrt wurde!! ‘0 ,r’ ’ RedcM später im Leben 'gebraucht; aber der Religionsunterricht darf' nicht vergessen ' werden Die' jungen'' SprZßlinge Israels müssen kennen lernen die Ge sch i ch t e unseres Volkes und das göttliche Walten in seinen wunderbaren Schicksalen; sie müssen einen besondern systematischen Unterricht in der Glaubens- und Pflichtenlehre erhalten und in unserer glaubensarmen Zeit auch mit dem Zeremoniell und seiner Bedeutung und Nothwendigkeit bekannt gemacht werden. Und sollen sie einst wahrhafte Glieder, der Synagoge werden, wozu wir sie doch erziehen wollen; soll aller Lippendienft vermieden werden; sollen die vocgelesenen Toräworte nicht wirkungslos verhallen: so müssen sie auch die hebräische Sprache kennen lernen, wenigstens so weit kennen lernen, daß ste. die Tora und die Gebote in der Ursprache verstehen. Es wäre freilich wünschenswerth, sehr wünschenswerth, daß .Knaben, die schneller eine höhere Stufe erreicht haben, auch in den schwierigeren Theilen der Bibel und der nachbiblischen Literatur (etwa ausgewählte Abschnitte der Mischna smit Bartenuraj, Stücke aus Chabot, Halle baböt, Jkkarim rc)) einigen Unterricht bekamen ^) (worauf schon der Herr R ed a kt eur dieser Ztg. einmal aufmerksam gemacht; s. den leit. Art. in No. 42. Jahcg. 1846 d.Bl.); doch wir wollten hier nur auf das Wesentlichste und Nothwendigste Hinweisen. Aber, lieber Leser wird auch dieser geringen Anforderung genügt, an allen Orten genügt? Empfangen alle Kinder einen zeitgemäßen Unterricht in der Religion und im Hebräischen?' Mit Nichten! Wol giebt's im marienwerderschen Departement, wie wir bereits früher bemerkt haben (f. unfern in Note 1 erwähnten Artikel), Gemeinden, wo für den Jugendunterricht schon Etwas geschehen ist, so z. B. in Mark. Friedland, wo bereits seit circa 29 Jahren eine 'öffentliche Schule besteht, D. C r o n e, die seit 1842 ebenfalls eine öffentliche Schule hat; ferner existiren einige güte Privatschulen, namentlich in Marien Werder, Tuchel, Conitz rc.; aber in den meisten Gemeinden ist'für diesittliche und religiöse Ausbildung der Jugend noch lange nicht genügend gesorgt. Zuerst ist eine leider sich auch in Westpceüßen einnistende Schlange genannt: ßtclu gioysittdifferentismus daran Schuld! Es giebt 3). Daß dieser. Unterricht jedoch-nicht in die Elementar- oder Religionsschule gehört, sondern privatim oder in besonderen Stunden ertheilt werden müsse/ versteht sich von selbst. Korresp.